2019: AUCTEQ Biosystems – Vom Kondom zum Einweg-Bioreaktor (Kategorie Technologie)

Bild: Mit seinem kostengünstigen Einweg-Bioreaktor startet der junge Unternehmer Valentin Kramer durch. Foto: Aucteq

Die Züchtung von Zellkulturen gehörte für den Biotechnologen Valentin Kramer während des Studiums nicht gerade zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Doch er fand eine Lösung, dieses Prozess zu vereinfachen: einen mitwachsenden Bioreaktor.

„Diese sogenannnten Seed Train-Prozesse sind nicht nur arbeitsintensiv, sondern sie generieren große Menge Plastikmüll und bergen zudem eine hohe Gefahr der Kontaminierung“, so der junge Wissenschaftler, der sein Studium an der Hochschule Mannheim im Oktober 2017 mit dem Master abgeschlossen hat. Der Grund: Drei bis acht Gefäße braucht man, bis die Zellkultur ein Volumen von etwa 20 Liter erreicht. Eingesetzt werden dabei einzelne Behälter, die nach Gebrauch entsorgt werden, oder Bioreaktoren aus Edelstahl und Glas, die aufwändig gereinigt werden müssen.

Das muss effizienter und einfacher gehen, dachte sich der damalige Student. Seine Idee: Die Erfindung eines Gefäßes, das sich ausdehnen und an das benötigte Volumen für die Zellkultur anpassen lässt. Die Lösung: ein mitwachsender Single Use-Bioreaktor mit extrem ausdehnbarer Reaktorwand.
In seiner Freizeit startete Kramer erste Versuche mit Kondomen. „Diese bestehen aus den sehr geeigneten Materialien Polyisopren und Polyurethan und sind außerdem für medizinische Zwecke zugelassen“, berichtet Kramer. Er fand heraus, wie sich das Material sterilisieren lässt und entwickelte einen Verschluss für die Öffnung des Kondoms, an welchen einfach Schläuche und Vorratsflaschen angeschlossen werden können. Von einer Firma, die Frästeile herstellt, ließ er sich den Teflon-Verschluss für seinen Bioreaktor maßschneidern, meldete im Mai 2017 ein deutsches Patent für seine kostengünstige, aber sehr effiziente Erfindung an und gründete im Herbst 2018 die AUCTEQ Biosystems.
Erste Pilotkunden wie der Zellkulturspezialist Ewomis und Boehringer Ingelheim stehen nun bereit, um die erste Kleinserie zu testen. Ende 2019/Anfang 2020 ist der Start der Serienfertigung durch ein externes Unternehmen geplant. Für den Vertrieb hat Kramer mit der Cytena GmbH aus Freiburg Zugang zu einem internationalen Netzwerk gewonnen.
„Den Sitz in Mannheim habe ich aus strategischen Gründen gewählt“, berichtet der Existenzgründer. „Durch eine hohe Dichte an Biotech-Unternehmen ist eine optimale Unterstützung in der Gründungsphase gegeben und potenzielle Kunden sind im unmittelbaren Umfeld angesiedelt.“ In einem Volumenbereich von 10 Milliliter bis 20 Liter können mit seinem System mindestens 30 Prozent Kosten eingespart werden, ist Kramer übrzeugt und sieht das Volumen dieses Marktes mit großen Playern von Boehringer Ingelheim bis Roche bei einer geplanten Erweiterung der Produktpalette bei rund einer Milliarde Euro.
Und auch die ersten Preise Auszeichnungen lassen nicht auf sich warten. AUCTEQ gewann Mitte November 2017 den CyberOne Hightech Award in der Kategorie „Life Science und Health Care“ und den Innovationspreis der deutschen Bioregionen 2018. Nachdem der Wissenschaftler es 2018 in die Finalrunde des MEXI-Mannheimer Existenzgründungspreises schaffte, konnte er nun im zweiten Anlauf für 2019 in der Kategorie Technologie den ersten Platz belegen. Dr. Ludger Bodenbach vertrat in der Jury den Sponsor Roche und ist überzeugt von der Qualität der Innovation. „Ich bin sicher, unser Standort in Penzberg, der zu den größten Biotechnologiezentren Europas gehört, wird sich auch für den Bioreaktor aus dem Hause AUCTEQ interessieren.“