Kreative Filmregisseure

Uuuuuuuuuund .......... Action!

Mit dem Thema Film soll ein weiterer Schwerpunkt im Cluster Kreativwirtschaft
in Mannheim gesetzt werden. Die ersten Ansätze sind vielversprechend.

Die Geschichte geht so: Hasan verliebt sich unsterblich in Ayse. Da er kein Brautgeld entrichten kann, sieht sich der arme Tagelöhner gezwungen, nach Germanien zu reisen und dort wie besessen zu arbeiten. Dank des tatkräftigen Beistands eines sprechenden Esels und zweier Gartenzwerge gelingt es ihm schließlich seine Angebetete zu gewinnen. Was dieses deutsch-türkische Märchen mit Mannheim zu tun hat? Sehr viel.

Die Geschichte von Hasan und seiner großen Liebe ist das neue Projekt „Anatolische Liebesbriefe“ von Yilmaz Arslan, dem zurzeit wohl interessantesten Filmemacher in der Region. Der 1968 im türkischen Kazanli geborene Arslan erhielt bereits für sein Erstlingswerk „Langer Gang“ auf dem Filmfestival San Sebastian den Preis für das „Beste Regiedebüt“ und durfte sich über die Silberne Rose in Bergamo sowie eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis freuen. 2005 wurde Arslan für seinen Film „Brudermord“ auf dem Internationalen Filmfestival in Locarno mit dem Silbernen Leoparden ausgezeichnet. Die in Mannheim ansässige Yilmaz Arslan Filmproduktion
GmbH realisierte unter anderem Shahbaz Noshirs Kurzfilm „Angst isst Seele auf“. „Wer Mannheim nicht kennt und hier filmt, wird sich wundern, dass es hier interessante, unterschiedliche Milieus gibt – diese Vielfältigkeit ist ein Plus“, meint Yilmaz Arslan, der einen Teil seiner „Anatolischen Liebesbriefe“ gerne in Mannheim drehen würde.

Um dieses Potenzial stärker auszuschöpfen und mit dem Thema Film einen weiteren Schwerpunkt im Cluster Kreativwirtschaft zu setzen, hat die Stadt Mannheim gemeinsam mit der Metropolregion Rhein-Neckar im September 2008 die Stelle eines Projektleiters FilmCommission eingerichtet. FilmCommissions sind zentrale Anlauf- und Informationsstellen rund um das Thema Film in der jeweiligen Region und treten als Vermittler zwischen Filmern, Behörden und Motivgebern auf. Seit 2006 hat die Metropolregion Rhein-Neckar eine eigene FilmCommission. Deren Leiter Michael Ackermann kommt – und darauf legt er Wert – aus der Praxis. Der gebürtige Frankenthaler studierte in San Francisco „Media & Communication“ und arbeitete danach in Los Angeles zwei Jahre lang für die Firma „Collision Entertainment“. Zurück in Deutschland, drehte der 41-Jährige mit seiner Produktionsfirma „Filmwelle“ Imagefilme wie beispielsweise Rolf Stahlhofens „Mann’em Soul Orchestra“.

„Mehr als überfällig“ sei seine Stelle gewesen, meint Ackermann. „Die Branche hat auf jemanden gewartet, der Impulse gibt und die Leute vernetzt.“ Das Know-how sei da – nur hätte eben niemand Lobby- und PR-Arbeit betrieben. „Oft werden größere Jobs an Agenturen in München, Hamburg oder Berlin vergeben. Dabei gibt es hochqualifizierte Leute in der Region“, meint auch Tobias Heck, der sich gerade mit seiner Firma „Cubefilms“ in Mannheim niedergelassen hat. Der Absolvent der Ludwigsburger Filmakademie produziert gemeinsam mit seiner Partnerin Caroline Blagg Image- und Werbefilme. Da der Konkurrenzdruck in diesem Segment noch nicht so groß ist, bietet die Region gerade jungen Firmen wie „Cubefilms“ die Chance, sich einen Namen zu machen. „Es ist eine Region, in der wir sehr viel Wachstum sehen und in der gut Aufträge akquiriert werden können“, glaubt Heck.

„Man muss beim Nachwuchs ansetzen und mehr Projekte auf die Region zuschneiden. Nur so kann man peu a peu ein größeres Produktionsvolumen aufbauen“, ist Michael Ackermann überzeugt. Denn wer als Jungfilmer die Möglichkeiten der Region kennen und schätzen gelernt hat, wird möglicherweise als arrivierter Regisseur oder Produzent wiederkommen.

Wettbewerbe wie „Girls Go Movie“, der „Goldene Hirsch“ und der bundesweit ausgeschriebene „Clip Award“ sind da eine ideale Plattform. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, dem sei an dieser Stelle die DVD „Bermuda Shorts“ ans Herz gelegt. Sie ist eine unterhaltsame Zusammenstellung aller drei Festivals und bei der FilmCommission oder dem medienforum Heidelberg erhältlich.

Um Kreativen aus der Region ein Forum zu bieten, hat Michael Ackermann außerdem das Internetportal „3klang.tv“ initiiert. Das Projekt beinhaltet sowohl einen audiovisuellen Productionguide als auch eine Galerie, in der Filmschaffende ihre Werke einstellen können. Auch wenn die ganz großen Produktionen erwartungsgemäß bislang ausgeblieben sind, so gab es doch einige bemerkenswerte Debütproduktionen wie den Spielfilm „Parkour“ von Marc Rensing, der im Herbst 2009 bei den Hofer Filmtagen seine Premiere gefeiert hat. Im Frühjahr 2009 wurde der von Sat.1 und der Ufa entwickelte Pilotfilm der Fernsehserie „Carla Luka“ gedreht, und im September begannen die Dreharbeiten zu dem kleinen Fernsehspiel des ZDF „Cindy liebt mich nicht“. Ebenfalls erwähnenswert sind der Spielfilm „Record 12“ der Mannheimer
Produktionsfirma „Projekt Gold“ und der Kurzfilm „Arbeit für Alle“ von Matthias Vogel und Thomas Oberlies, mit dem sie weltweit auf den wichtigsten Kurzfilmfestivals im Wettbewerb unterwegs sind.


Die Infrastruktur ist noch ungenügend, da sind sich alle einig – obwohl sich auch da manches getan hat. So ist aufgrund der Kooperation des Hockenheimer „Sunset“-Filmgeräteverleihs und der Wiesbadener Firma „Pille“ von der Kamera bis zum Kran mittlerweile nahezu alles an Equipment vor Ort verfügbar.

Auch wenn Mannheim nie in Konkurrenz zu den ganz großen Filmstädten wie München oder Berlin treten wird, so ist die Region zweifelsohne ausbaufähig – gerade was die Vielfalt der Motive betrifft. „Die Region bietet alles außer ganz hohen Bergen und Meer“, findet Regina Pfriem, Geschäftsführerin des Vereins Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar e.V. Hier gibt es von urban bis mediterran noch viele unverbrauchte Locations. Ein weiterer Pluspunkt neben der beeindruckenden Industriekulisse sind die unterschiedlichen Kulturen, die das Mannheimer Stadtbild prägen. Dem rauen Charme Mannheims erlagen in der Vergangenheit nicht nur Mannheimer Regisseure wie Stefan Hillebrand und Oliver Paulus, deren Film „Wenn der Richtige kommt“ zum großen Publikumserfolg wurde. Auch Dito Tsintsadze, der in der Quadratestadt (zum Teil mit Mannheimer Laiendarstellern) seinen anrührenden Film „Lost Killers“ drehte, war angetan.

Wichtige Impulse für die Festivalregion Rhein-Neckar erhofft man sich von dem
internationalen Werbefilmfestival „spotlight“, das am 4. und 5. März 2010 zum ersten Mal in Mannheim stattfinden wird. Das Besondere des Festivals ist die Präsentation sowohl von Profi- als auch von Nachwuchsarbeiten, über die neben einer Fachjury auch das Publikum abstimmen wird. Vor allem gehe es darum, Qualität und Inhalt auf ein internationales Level zu bringen, betont Ackermann. „Wir müssen neue Maßstäbe anlegen. Nicht nur fragen ‚Gefällt’s dem Nachbarn?’“ Sein Resümee nach einem Jahr passt dann auch perfekt zum Thema Film: „Es bewegt sich was.“

www.filmcommission-mrn.com