Kreative Architekten

Aufträge aus dem Osten

Ob Mannheim oder Dubai – Fischer Architekten setzen Akzente. Besonders im
Fokus: die Nachhaltigkeit der Gebäude.

Idyllisch am Neckar und verkehrsgünstig an Autobahn und Flugplatz liegt der Mannheimer Stadtteil Neuostheim und zählt zu den teuersten Wohngebieten der Quadratestadt. Hier entsteht der Gewerbepark „Eastsite“. „Die hochwertige Struktur des Stadtteils soll in der Eastsite gewerblich fortgeschrieben werden“, definiert Architekt Claus Fischer, Geschäftsführer der Fischer Architekten GmbH mit Standorten in Mannheim und Köln, den Geist des Ortes, den „Genius loci“.

Einen „architektonischen Akzent“ am Entrée zur Eastsite setzt der von Fischer Architekten realisierte Neubau des Gebäudeensembles Eastsite One und Eastsite II. Der einfache kompakte und in seiner Form monolithische Gebäudetyp der gerade fertig gestellten Eastsite One erreicht seine dynamische Ausstrahlung durch die „geschuppte“ Fassade aus schwarzem Sichtbeton. In direkter Nachbarschaft entstanden bereits ebenso individuelle Bauwerke wie die Kanzlei Rittershaus, das Medien- und Kommunikationszentrum und das Studentenwohnheim Eastsite. Noch im Jahr 2010 wollen Fischer Architekten das nächste fünfstöckige Bürogebäude „Eastsite II“ direkt an der Seckenheimer Landstraße fertig stellen. Gemeinsam mit dem Bauherrn B.A.U. Bauträgergesellschaft entsteht hier ein weiteres Herzstück der Eastsite – diesmal mit einer geflochtenen hellen Betonfassade als Gegenpol zur schwarz gehaltenen Eastsite One.

Neuer Schauplatz. Es klingt wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht: Ein junger Mannheimer Architekt beteiligt sich – mehr durch einen Zufall – am Wettbewerb um den „German Business Park“ in Dubai mit 90.000 Quadratmetern Grundfläche. Der Entwurf: ein massiver, breit gestreckter Bau, der durch zwei schlanke 60 Meter hohe Türme mit jeweils 13 Stockwerken eingefasst ist. „Die Grundform basiert auf dem Bild von zwei Menschen, die sich freundschaftlich gegenübersitzen und eine Shisha, eine arabische Wasserpfeife, rauchen“, erklärt Claus Fischer. Und tatsächlich: Der Sesam öffnet sich und beschert dem Mannheimer Büro Fischer Architekten einen Auftrag in der Wüste. Das war im Juli 2007. Im Mai 2008 legte der deutsche Generalkonsul in Dubai den Grundstein für „einen Solitär, der die Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Deutschland stärkt.“ 2009 kam die Weltwirtschaftskrise – der Fortgang des Projektes stockt seitdem. „Es ist zäh geworden“, sagt Claus Fischer, verliert aber nicht seinen Optimismus:

Um Häuser individuell zuschneiden zu können, muss der Architekt die Bedürfnisse der späteren Bewohner im Detail kennen. „Die Planungsphase ist sehr intensiv“, ergänzt Claus Fischer. „Wir sitzen so lange mit den Bauherren und unseren Fachplanern an einem Tisch, bis Interessen, Kosten, Möglichkeiten und der Entwurf gemeinsam abgestimmt sind.“ Seit vielen Jahren arbeiten Fischer Architekten deshalb unter anderem eng mit dem Fraunhofer-Institut zusammen. Das Ergebnis sind individuelle und effiziente Lösungen auch in der Gebäudetechnik wie der moderne Neubau einer Wasch-, Sortier- und Verpackungsanlage für die Firma „Kartoffel Kuhn“ in Frankenthal, der mit Biomasse geheizt wird. Im Betrieb anfallendes Paletten-Abfallholz, das bislang
zum Teil kostenpflichtig entsorgt werden musste, wird zu Hackschnitzeln geschreddert, zwischengelagert und als Brennstoff verwendet. Eine Abwasser-Recyclinganlage im neuen Studentenwohnheim in der Eastsite nutzt das gebrauchte Wasser der Duschen für die Toiletten. Jede Generation an Architekten steht vor der Aufgabe, Wertvolles zu bewahren, Überkommenes zu verwerfen und das Wegweisende aufzunehmen. „Das Neue“ ist dabei kein Selbstzweck. Claus Fischer: „Wer baut, übernimmt Verantwortung für seine Umwelt. Er sollte all seine Kreativität dafür einsetzen, eine große Nachhaltigkeit der Bauwerke zu ermöglichen sowie Komfort und Wirtschaftlichkeit zu steigern.“