Kreative Uhrenmacher

Wie Männer ticken ...

Till und Ralf Lottermann bieten mit ihren Blancier-Uhren der internationalen
Konkurrenz von Rolex bis Lange & Söhne Paroli. Jeder Kunde kann sich seine Uhr individuell zusammenstellen.

Wie Männer ticken ist ja bisweilen nicht ganz leicht zu verstehen. In Mannheim-
Seckenheim gibt es allerdings einen Betrieb, der es geschafft hat, zumindest zwei Leidenschaften des „starken Geschlechts” zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell zu verbinden: die Liebe zu hochwertigen, mechanischen Armbanduhren und den Spaß am Tüfteln. Große, alte Uhren hängen an den Steinwänden in der Werkstatt von Lottermann & Söhne, sie alle zeigen eine andere Zeit an. Irgendwo tickt eine Pendeluhr. Entlang der Wände stehen unterschiedliche Maschinen auf Werkbänken, dazwischen Werkzeug aller Art und immer wieder haufenweise Schräubchen und Rädchen, manche von ihnen so klein, dass man sie mit den Fingern kaum greifen kann. In der Mitte des großen Raums sind mehrere Arbeitstische zusammengestellt, helle
Lampen erleuchten sie, und an einem von ihnen sitzt Till Lottermann. „Wir haben schon immer alte Uhren restauriert und da kam es häufig vor, dass Teile nicht mehr zu bekommen waren, die wir dann selbst machen mussten. So entstand nach und nach der Gedanke, Uhren selbst zu bauen”, erklärt der Uhrmachermeister die Anfänge des heutigen Geschäftsmodells. Vor allem mit zwei Besonderheiten hat sich der mittelständische Betrieb aus Seckenheim inzwischen eine erfolgreiche Nische geschaffen: Zum einen können sich Kunden auf der Internetseite von Lottermann & Söhne in einer virtuellen Werkstatt ihre eigene Uhr individuell zusammenstellen. Den Kombinationsmöglichkeiten aus Zeigern, Zifferblatt, Armband oder Gehäuse sind dabei kaum Grenzen gesetzt, 470.000 verschiedene Modelle sind so möglich. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem Kunden abends auf einer Party jemand begegnet, der die gleiche Uhr hat, ist also relativ gering.

Zum anderen bietet Lottermann & Söhne Seminare an, bei denen sich Kunden ihre eigene Uhr selbst gestalten und zusammenbauen können. „Die Kurse machen inzwischen etwa 50 Prozent unseres Umsatzes aus”, sagt Lottermann. Mit diesem Konzept hat es der Familienbetrieb – Lottermann betreibt das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Ralf, der sich aber auf die Restaurierung von antiken Möbeln spezialisiert hat – inzwischen geschafft, sich auch neben namhaften Konkurrenten wie Rolex oder Lange & Söhne zu behaupten. „Bei den großen Anbietern kann man sich eben nicht aussuchen, ob man blaue oder grüne Zeiger möchte”, erklärt sich Lottermann den Erfolg.

Dazu punkten die Seckenheimer mit ihrer eigenen Marke Blancier auch über den Preis. Denn während eine Rolex oder eine Lange & Söhne nicht unter ein paar tausend Euro zu haben ist, gibt es das günstigste Blancier-Modell für 660 Euro. „Wir wollen zeigen, dass man solide Mechanik auch zu moderaten Preisen anbieten kann.” Möglich wird das unter anderem durch den Online-Vertrieb. „Wir haben auf unserer Internetseite im Schnitt 200 Besucher am Tag. Das ist in Ordnung. Wenn wir aber einen Laden betreiben müssten, in dem nur 200 Leute am Tag vorbeischauen, wäre das wirtschaftlich nicht machbar.” Von Vorteil ist der Vertrieb über das Internet auch insofern, als der Großteil der Uhren an Kunden im Ausland verkauft wird. Der wichtigste Markt sind die USA, auch in Holland oder Japan kommen die Blancier-Modelle laut Lottermann gut an. Die Idee für die virtuelle Werkstatt im Internet ist übrigens bei einem der angebotenen Seminare entstanden: Ein Teilnehmer aus Holland war von den Uhren aus Seckenheim so begeistert, dass er wenig später mit dem Prototypen für eine entsprechende Homepage bei den Lottermanns in der Werkstatt stand. Heute ist er Partner von Lottermann & Söhne.

Weiteres Wachstumspotenzial sieht Lottermann für sich und sein Team – der Betrieb hat derzeit vier Mitarbeiter – bei den Seminaren. „In den Incentive-Markt würden wir gerne stärker einsteigen”, sagt er. Dabei buchen Firmen Seminare für ihre Mitarbeiter, um sie für gute Leistungen zu belohnen und neue Motivationsanreize zu setzen. Bislang ist eine der wichtigsten Kundengruppen für die Seminare übrigens Frauen: Sie buchen die Kurse und schenken sie ihren Männern zu Weihnachten oder zum Geburtstag.