Bedeutender Wirtschaftsfaktor
Die Sportregion Mannheim spielt in der ersten Liga
Mega-Events wie die Eishockey-WM in 2010 lassen die Kassen in der Region kräftig klingeln. Die Sportbegeisterung der Mannheimer zeigt sich jedoch auch an der Vielfalt der erfolgreichen Sportvereine in der Stadt.
Am 21. und 22. August des Jahres 2007 blickten 500 Millionen Menschen fast gleichzeitig auf den Mannheimer Wasserturm: 82 Millionen im Fernsehen, 420 Millionen am nächsten Tag in irgendeiner Tageszeitung Europas. Studenten der Hochschule hatten das Mannheimer Wahrzeichen nachgebaut, ebenso wie Mozarts Violine und die Draisine von Karl Drais, um daraus ein respektables Hindernis für Springpferde zu gestalten. Der Weg zum Europameistertitel im Mannheimer MVV-Reiterstadion am Maimarktgelände
führte über eine Brücke mit einer originalgetreuen Nachbildung des Wasserturms an der Seite. Jede Kamera hielt drauf.
„So schaut Europa auf unser bestes Stück“, lächelte Peter Hofmann, der Mannheimer Reiterpräsident. Der Unternehmer und Pferdesportfunktionär, der damals auch Mitglied im Mannheimer Gemeinderat war, legte wenige Wochen nach der Springreiter-Europameisterschaft eine beachtliche Bilanz vor: 25 Prozent mehr Umsatz verbuchte der Mannheimer Einzelhandel in den Tagen der EM, die Übernachtungszahlen überragten das bisherige Rekordjahr 2006 noch einmal um drei Prozent.
Falls es noch eines Beweises bedurft hätte, wäre es spätestens zu diesem Zeitpunkt jedem klar geworden: Der Sport bringt Mannheims Wirtschaft auf Trab. „Sport bewegt die Region“, titelt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar in ihrem 2008er Jahresbericht und verweist auf eine ganze Reihe von Firmen und Unternehmen, die mit dem Schweiß anderer Menschen ganz redlich ihr Geld verdienen. Manche von ihnen sind sogar „Global Player“ im Spiel mit Umsätzen und Renditen.
Mannheim als Zentrum der Metropolregion Rhein-Neckar profitiert selbstverständlich auch von dem Hype um den frischgebackenen Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim und von der Formel-1 in Hockenheim. Alleine die Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim, hat IHK-Präsident Dr. Gerhard Vogel ermitteln lassen, spült Umsätze in einer jährlichen Größenordnung von rund 30 Millionen Euro in die Kassen von Handel, Hotellerie und Gastronomie.
„Mannheim ist vor allem eine Stadt der vielfältigen Sportarten“, beschreibt Sportbürgermeisterin Gabriele Warminski-Leitheußer die Situation. Wie Recht sie hat, beweist eine Liste der Mannheimer Bundesligavereine – deren Zahl und Bandbreite weit über die Eishockey-Adler, die Rhein-Neckar-Löwen im Handball und die Grün-Weiß-Tennissportler hinausgehen. 27 Bundesligateams hat Mannheim zu bieten. Baseball und Softball sind dabei, der Boule-Club Sandhofen, die Faustball-Frauen aus Käfertal, der Ruder-Achter des Mannheimer Regatta Vereins, die Neckarbowler – um nur einige zu nennen. Dazu „spielten“ die Leichtathletik mit dem Aushängeschild MTG, sowie die Pferdesportler mit den Maimarkt-Turnieren und den Pferderennen auf der Seckenheimer Waldrennbahn sicher ebenfalls in der ersten Liga, wenn es sie bei diesen Sportarten gäbe.
Der Hockeysport ist in Mannheim schon immer eine große Nummer. Die Herren spielen in der 1. Bundesliga, die Frauen in der zweiten. An dem ursprünglich aus England stammenden Sport lässt sich die Wirtschaftskraft für den Standort gut darstellen. Wie jeder Verein ist auch der Mannheimer Hockey Club (MHC) ein Wirtschaftsbetrieb – der es ohne Sponsoren und Mäzene allerdings schwer hätte. Dennoch, alleine fünf festangestellte Trainer verdienen beim MHC ihr Geld. Und im Jubiläumsjahr des Vereins 2007 investierte der Club knapp zehn Millionen Euro in die Erweiterung und Sanierung der Anlage und der Vereinsgebäude am Feudenheimer Neckarplatt. Die Aufträge gingen an Mannheimer Bauunternehmen.
Und im Umfeld des Mannheimer Hockeysports entwickelte sich ein Weltunternehmen für Hockey-Ausrüstung: die Firma TK Hockey Equipment GmbH. Gründer und Firmenchef Thomas Kille zog als Kind in ein Neubaugebiet in Mannheim-Feudenheim – und begann Hockey zu spielen. Heute vertreibt sein Unternehmen Schläger, Taschen, Bälle und Trikots in 70 Länder der Erde. 14 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erwirtschaften einen Jahresumsatz von sechs Millionen Euro. Als im Herbst 2008 in Amsterdam die Europameisterschaften im Feldhockey stattfanden, waren die Torhüter der fünf führenden Teams von TK aus Mannheim ausgestattet. „Die meisten unserer Mitarbeiter waren und sind aktive Hockeyspieler“, sagt Axel Schröder, Verkaufsleiter Deutschland, „deshalb haben wir die besten Kontakte“. Auch beim Badischen Rennverein in Mannheim-Seckenheim sind Experten am Werk. Vizevorsitzender Stephan Buchner trainiert seinen Galopper manchmal sogar selbst. Während andere Turfclubs in den letzten Jahren Insolvenz anmelden mussten, legt der traditionsreiche Verein, der schon im 19. Jahrhundert Pferderennen ausrichtete, kräftig zu. Präsident Peter Gaul spricht von einem Jahresumsatz in Höhe von einer Million Euro. 60.000 Menschen besuchen die Mannheimer Pferderennen pro Jahr.
Einen Jahresumsatz von 412 Millionen Euro für die Metropolregion Rhein-Neckar haben Studenten der Fachhochschule Heidelberg errechnet. 100 Millionen davon entfallen auf den Sportfachhandel, 90 Millionen auf Sportvereine, 75 Millionen auf Sportveranstaltungen. Das meiste davon dürfte in Mannheim erwirtschaftet werden, zumal die SAP Arena mit ihren beiden Hausmannschaften, den „Adlern“ und den „Rhein-Neckar-Löwen“, eine echte Bastion des Erfolgs geworden ist. Arena-Chef Daniel Hopp spricht mittlerweile davon, dass sein Haus ein „weltweit positives Echo“ erhalten habe. Mit 52 Mitarbeitern in Mannheim setzte er im Jahr 2008 über 30 Millionen Euro um. Alleine die „Adler“, seit Jahren Mannheims erfolgreichstes Team mit zahlreichen Meistertiteln, erwirtschafteten einen Saisonetat von rund acht Millionen Euro und lockten die Saison über rund 370.000 Menschen in die Arena, die Handballer der „Rhein-Neckar-Löwen“ werden von weiteren 160.000 zahlenden Fans umjubelt. 3.000 Dauerkarten werden pro Saison verkauft. Es war nur folgerichtig, dass Mannheim neben Köln und Gelsenkirchen zu einem Austragungsort der Eishockey-Weltmeisterschaften im Jahr 2010 bestimmt worden ist – der Ritterschlag für einen Sportveranstalter.


