Wirtschaft soll von Modernisierung der Verwaltung profitieren
Frischer Wind mitChance2
Bis zum Jahr 2013 will die Mannheimer Stadtverwaltung die „modernste Verwaltung Deutschlands“ werden. Diese Zielvorgabe ist in den vergangenen zwei Jahren in der Berichterstattung über den „Change2“-Prozess schon häufig zitiert worden. Aber wie soll der Verwaltungsumbau tatsächlich erreicht werden? Und wie können Unternehmen konkret davon profitieren?
Ein Werk von beeindruckenden 74 Seiten ist der Masterplan, in dem der Verwaltungsmodernisierungs-Prozess von 2008 bis 2013 vorgestellt wird. Seit der Gemeinderatssitzung am 18. Dezember 2007, in der der Masterplan den kommunalen Volksvertretern vorgelegt wurde, ist einiges passiert, es wurden Projekte angepasst, ergänzt, der Masterplan fortgeschrieben. Von den aktuell 35 „Change2“- Projekten sind einige schon abgeschlossen oder noch in der Implementierung.
Die Fachgruppe Verwaltungsarchitektur unter der Leitung von Dr. Gerhard Mersmann arbeitet mit Hochdruck an der Umsetzung des Masterplans. Im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes ist die gesamte Verwaltung mit allen Ebenen in den Prozess eingebunden. Fast alle Mitarbeiter sind mit „Change2“ befasst.
Dabei ist der Modernisierungsprozess kein Selbstzweck. „Qualität und Innovationskraft der öffentlichen Verwaltung sind erhebliche Standortfaktoren. Es ist mein Ziel, dass die Stadtverwaltung Mannheim hierbei eine Schrittmacher- und Vorbildfunktion übernimmt“, sagte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz in seiner Rede zu den Etatberatungen im Dezember 2007.
Sieben strategische Ziele wurden definiert:
• Stärkung der Urbanität
• Überdurchschnittlich viele Talente gewinnen, entwickeln und halten
• Die Zahl der Unternehmen und (qualifizierten) Arbeitsplätze in Mannheim steigern
• Toleranz bewahren, zusammen leben
• Bildungserfolg der in Mannheim lebenden Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen erhöhen
• die zentralen Projekte „Kulturhauptstadt 2020“ und Masterplan Kreativwirtschaft erfolgreich umsetzen
• Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und der Mitwirkung
Ein programmatischer Schwerpunkt des „Change2“-Prozesses ist die Anpassung der Wirtschaftspolitik an die Herausforderungen einer modernen Gesellschaft. „Ziel der kommunalen Wirtschaftsförderung ist es, den Unternehmen ein wirtschaftsfreundliches Umfeld mit den nötigen Wachstumschancen am Standort Mannheim zu bieten“, sagt Ottmar Schmitt, Leiter des Fachbereichs für Wirtschaft und Strukturförderung. Die Stadt Mannheim habe für die Wirtschaft die Funktion eines „Lotsen und Partners“ und verstehe ihre Wirtschaftspolitik als Instrument, einen „Nährboden für nachhaltiges Wachstum“ zu bereiten. Dabei müssten die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Akteure beachtet werden. Wenngleich zunächst die ansässigen Unternehmen im Fokus stehen, wolle Mannheim auch attraktiv für Existenzgründer und ansiedlungsinteressierte Unternehmen von außen sein. Und: „Untersuchungen gehen davon aus, dass kommunale Wirtschaftspolitik den Zuzug von qualifizierten Arbeitskräften unterstützen muss“, sagt Schmitt. Dafür seien Bildungs- und Ausbildungsangebote ebenso wichtige Faktoren wie attraktive Wohn-, Kultur- und Freizeitmöglichkeiten.
Das Projekt „Neue Wirtschaftspolitische Strategie“ ist breit aufgestellt. „Wir greifen auf die Fachkompetenzen von renommierten Beratungsunternehmen zurück“, erläutert Ottmar Schmitt. „So konnten ExperConsult und als weitere Beteiligte Roland Berger sowie die Sozialforschungsstelle der TU Dortmund für eine externe Projektbegleitung gewonnen werden.“ Daneben sei es das zentrale Anliegen gewesen, vor Ort vorhandenes Spezial- und Fachwissen zu nutzen. „Das ist ein wichtiger Aspekt, denn wir wollen keine Metastrategie, die auf beliebige Wirtschaftsstandorte und dort angesiedelte Unternehmen ‚übergestülpt’ werden könnte. Es gilt herauszuarbeiten, was Mannheim einzigartig macht.“
Unterdessen geht die alltägliche Arbeit in der Stadtverwaltung natürlich weiter – genau wie die globalen Märkte keine Sekunde stillstehen. Dass man auf aktuelle Entwicklungen spontan reagieren können muss, erfuhren die Mitarbeiter des „Change2“-Projektes „Weiterentwicklung Vergabewesen“ im Frühjahr 2009. In einem Konjunkturpaket zur Förderung der Wirtschaft wurde eine neue Wertgrenze für die Freihändige Vergabe von öffentlichen Aufträgen festgelegt: 100.000 Euro. Für Beschränkte Vergaben erhöht sich der Betrag auf 1 Million Euro. In Mannheim können nun Aufträge in einem vereinfachten Verfahren viel schneller und effizienter vergeben werden. Dabei soll darauf geachtet werden, möglichst viele Unternehmen zum Zug kommen zu lassen. Zu diesem Zweck wurde eine webbasierte Auftrags- und Firmendatenbank aufgebaut, aus der die Vergabestellen Teilnehmer an den Ausschreibungen auswählen können.
Bis zum 1. Januar 2010 soll auch ein neuer Fachbereich Immobilienmanagement gebildet werden, der einen „ganzheitlichen Blick auf den gesamten Bestand und auf den Lebenszyklus der Immobilien“ erlaubt, wie es in der vom Gemeinderat einstimmig beschlossenen Vorlage heißt. Wer künftig von der Stadt Räume oder Gebäude mieten oder kaufen will, kann sich darauf verlassen, einen zentralen Ansprechpartner zu haben, der auf Fragen oder Probleme schnell reagiert.
Und für die Unternehmen, an denen sie selbst beteiligt ist, hat die Stadt Mannheim als eine der ersten Städte Deutschlands eigene Leitlinien zur guten Unternehmensführung verabschiedet, den Mannheimer Corporate Governance Kodex. Dieser Kodex besagt, dass neben dem wirtschaftlichen Erfolg die Gemeinwohlorientierung von grundlegender Bedeutung ist. Nach Aussage von OB Dr. Kurz ist der Kodex, „geeignet, das oft beklagte Strategiedefizit gegenüber öffentlichen Unternehmen zu beseitigen“. Ein „Wind of Change“ weht auch durch Mannheim.


