Kreatives Netzwerk

Das Mannheimer Musik-Modell spielt eine Erfolgsmelodie

Das Mannheimer Musik-Modell ist inzwischen bundesweit bekannt und hat Vorbildcharakter. Es ist eines der wichtigsten Kompetenznetzwerke für die Musik- und Kreativwirtschaft in Deutschland.

Historisch gesehen ist es schon lange kein Geheimnis mehr, dass es möglich ist, mit kreativer Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Von Rembrandt über Madonna bis zum jüngsten Myspace-Liebling reihen sich die Beispiele dafür, dass schöpferische Kraft durchaus positive monetäre Auswirkungen haben kann, eng aneinander. Allerdings hat man erst in den letzten Jahren auf breiter Front erkannt, dass das Thema Kreativität nicht allein eine Sache von Künstlern ist. Kreative Prozesse liegen vielen unserer Arbeiten zugrunde und sind fester Bestandteil des wirtschaftlichen Erfolgs. Das Mannheimer Musik-Modell, eine Verbindung von Ausbildungsstätte und Existenzgründerzentrum der Musikwirtschaft, vereint seit 2004 die eher traditionelle künstlerische Arbeit mit dem immer mehr an Bedeutung gewinnenden und weiten Feld der Kreativwirtschaft. Bei seiner Gründung eine Pionierleistung, hat es sich schnell zu einem Musterbeispiel für tolerante und weltoffene Ideenwirtschaft entwickelt.

„Wir haben uns als eines der wichtigsten Kompetenznetzwerke für die Musik- und Kreativwirtschaft in Deutschland etabliert. Das Mannheimer Modell, bestehend aus Musikpark, Popakademie und Beauftragtem für Musik- und Popkultur der Stadt Mannheim, ist bundesweit bekannt und wird nachgeahmt,“ sagt Christian Sommer, Geschäftsführer des Musikparks. Und auch die vorgelegten Zahlen sprechen für die bisher geleistete Pionierarbeit. Nach der jüngsten Erweiterung arbeiten in Musikpark 1 und 2 derzeit gut 200 Mitarbeiter in 60 Unternehmen. Den jährlichen Gesamtumsatz aller Unternehmen schätzt Sommer auf 20 bis 25 Millionen Euro.

„Wir sind der Kristallisationspunkt der Kreativwirtschaft in der Metropolregion Rhein-Neckar – das kreative und institutionelle Zentrum. Hier laufen die Fäden zusammen.“ Und Christian Sommer ergänzt: „Die Popakademie ist ein großer Pool an musikalischen und musikwirtschaftlichen Talenten. Das sind die Gründer der Zukunft. Diese wiederum treffen auf Unternehmer, die schon seit einiger Zeit am Markt sind. Hinzu kommt, dass wir uns intensiv abstimmen und gemeinsam an der Zukunft Mannheims als Kreativwirtschaftsstandort feilen.“ Die regionale Verankerung der ansässigen Unternehmen und die hieraus resultierenden Netzwerke sind eindeutige Erfolge des musikwirtschaftlichen Dreiklangs. Sebastian Dresel, Beauftragter für Musik und Popkultur, steht als kommunaler Netzwerker an der Schnittstelle zwischen der innerstädtischen Organisation und dem musikalischen Ideenzentrum. „Dazu gehört auch die Arbeit an popkulturellen Veranstaltungen wie ‚Mitten in der Nacht’, wo wir nicht diejenigen fördern wollen, die die Kultur produzieren, sondern diejenigen, die sie konsumieren,“ erklärt Dresel die Vielschichtigkeit seiner Arbeit. „Ich bin der Auffassung, dass es auch darum geht, ein Klima zu schaffen, in dem sich dann Anbieter und Produzenten positionieren können. Es geht auch darum, den Markt zu fördern.“ Christian Sommer bescheinigt dem Mannheimer Modell ebenfalls einen katalytischen Charakter. „In einer Stadt, in der viele Menschen kreativ arbeiten und es eine entsprechende Szene gibt, herrscht in der Regel ein offenes, tolerantes Klima.“ Das wiederum mache eine Stadt attraktiv für andere „Potentials“ wie Ingenieure oder Manager. „Diese ziehen mit ihrer Familie eher in eine Kommune mit einer attraktiven Atmosphäre als in ein rein industrielles Umfeld oder ländliche Gebiete.“ Und davon profitierten letztendlich alle Wirtschaftszweige, weil die Standortentscheidung mittlerweile schon längst nicht mehr allein von Karrierechancen und der Höhe des monatlichen Einkommens abhängt – sondern eben immer stärker von so genannten weichen Faktoren wie Lebensqualität und soziokulturellem Umfeld.