Der Mannheimer Hafen
Investitionspaket von 40 Millionen Euro
„Ein Hafen ist nie fertig“, so der Ausspruch eines früheren Mannheimer Hafendirektors. Und so investiert der Hafen auch jetzt wieder 40 Millionen Euro – in erster Linie in das Containerterminal.
Der Mannheimer Hafen – trimodaler Knotenpunkt von Straße, Schiene und Wasserweg – ist mit seiner Fläche von 1.131 Hektar der größte Binnenhafen Deutschlands – und einer der größten Europas. Zusammen mit den Hafenbetrieben Ludwigshafen, mit denen der Hafen seit 2001 zunehmend enger kooperiert, kann sich dieses moderne Industriegebiet sogar mit dem umschlagsmäßig größten deutschen Binnenhafen Duisport messen. „Wichtiger als Kennzahlen wie der schiffseitige Güterumschlag sind jedoch die Wertschöpfung und die Beschäftigung, die für unsere Region aus dem Hafen entstehen“, meint Mannheims Hafendirektor Roland Hörner. So verdienen rund 20.000 Menschen in den im Hafen angesiedelten über 450 Unternehmen ihre Brötchen.
Im Jahr 2008 zählten die Mannheimer Hafenmeister etwa 8.300 Schiffe, über die Hälfte von ihnen kam, mit Gütern aus aller Welt beladen, von den niederländischen Seehäfen. Ladungen mit einem Gesamtgewicht von 8,7 Millionen Tonnen wurden umgeschlagen – 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Und trotz der Wirtschaftskrise, deren Wellen auch den Hafen im letzten Quartal 2008 und den ersten Monaten 2009 erreichten, bereitet man sich auf weiter wachsende Güterströme vor. Seit Mai 2009 zeigt die Tendenz wieder nach oben, und im Juli wurden zum ersten Mal wieder die monatlichen Umschlagszahlen des Vorjahres übertroffen.
Eine große Rolle für die Zukunftsplanung spielt das Containergeschäft – ein echter Wachstumsmarkt, und das seit vielen Jahren. Grund genug für die Hafengesellschaft, den Ausbau der Containerverkehre kräftig voranzutreiben und bestehende Containerterminals zu erweitern beziehungsweise neue in Betrieb zu nehmen.
Eine Million D-Mark hatte die Errichtung der Schwerlast- und Container-Umschlagsanlage am Südende des Mühlauhafens im Jahr 1968 gekostet. Damals entstand in Mannheim das erste Containerterminal in einem deutschen Binnenhafen. Das neue Terminal konnte alle drei Verkehrsträger, nämlich Schiff, Schiene und Straße, bedienen und wurde von der Fachwelt damals größtenteils belächelt – kaum jemand glaubte an eine Zukunft des Containerverkehrs mit Binnenschiffen. Doch auch wenn in den Anfangsjahren die neue Verkehrsart nur sehr zäh anlief, insbesondere wegen der zögerlichen Haltung der Seereedereien, bewies die geradezu explosionsartige Entwicklung ab den 80er und 90er Jahren eindrucksvoll, dass die Unkenrufe der Investitionsgegner nicht angebracht gewesen waren – im Gegenteil: Der Pioniergeist des Mannheimer Hafens zahlte sich aus. Auch in den folgenden Jahren musste immer wieder erweitert werden, sowohl in der Fläche als auch in den Kapazitäten – Sicherheitsflächen für Gefahrgüter, zusätzliche Gleisanschlüsse und andere Maßnahmen machten den Standort fit für die Zukunft.
Allein 1987 wuchs das Containerterminal um 40 Prozent. Doch schon 1996 kam die nächste Erweiterung. Und die Bauarbeiter hatten ihr Werkzeug noch nicht richtig aus der Hand gelegt, als 1997 bereits weitere Maßnahmen nötig wurden – neue Flächen und ein neuer, für Ganzzüge tauglicher Gleisanschluss mussten her.
Rhein-Neckar-Hafen Mannheim
• 1.131 Hektar Fläche
• Zentrale Schnittstelle in der Metropolregion Rhein-Neckar
• Lage im siebtgrößten Wirtschaftsraum in Deutschland
• Ca. 450 Betriebe im Hafengebiet ansässig
• 20.000 Beschäftigte
• Schiffsgüterumschlag im Jahr 2008: 8.745.401 Tonnen
• Wasserseitiger Containerumschlag: 118.051 TEU (20-Fuß-Container)
• Schiffsverkehr: 8.364 Schiffe
• Wachstum der Güterverkehrsleistung um 71 Prozent zwischen 2004 und 2025 bundesweit
• Umschlag von 220.000 Containern jährlich im Handelshafen Mannheim
• Erweiterung des Containerterminals ab 2010 bis 2015 um weitere 200.000 Container
Nun war der Hafen Mannheim für den weiteren Wettbewerb im zukunftsträchtigen Containermarkt auf lange Sicht gerüstet. Dachte man. Aber weit gefehlt: Anstatt in 2007 nur das zehnjährige Jubiläum der jüngsten Erweiterung von 1997 zu feiern, wurde weiter expandiert. Die neueste Attraktion neben einer weiteren Aufstockung der Fläche: ein mit blau-weißen Wellenmotiven lackierter fast 36 Meter hoher Kran.
Bei der offiziellen Inbetriebnahme waren die neuen Bereiche bereits ausgelastet – eine Tatsache, die zeigt, dass zwar die Binnenschiffkapazitäten ausbaufähig sind, die verfügbaren Terminals im Hinterland der Seehäfen aber das Nadelöhr bilden. Damit die Containerkapazitäten in Mannheim nicht zum Engpassfaktor werden, hat die Hafengesellschaft die nächsten Erweiterungen – angrenzend an das bestehende Terminal im Handelshafen – bereits in Planung – womit sich die zur Verfügung stehende Fläche auf einen Schlag fast verdoppeln würde. Das vorgesehene Areal in der Werfthallenstraße umfasst rund 48.000 Quadratmeter, die in mehreren Abschnitten ausgebaut werden sollen. Mit dem ersten Bauabschnitt mit rund 25.000 Quadratmetern will man 2011 beginnen und bis Ende 2012 fertig werden. Das Gelände, das mit einem weiteren Kran bestückt wird, soll 1.600 Container fassen.
Der zweite Bauabschnitt mit 15.000 Quadratmetern wird bis Ende 2015 sogar zwei neue Kräne erhalten und 1.200 Containern Platz bieten. Das neue Terminal wird trimodal ausgelegt und über zwei landseitige und ein wasserseitiges Gleis angebunden – und zwar nicht isoliert, sondern in enger Abstimmung mit den beiden gegenüberliegenden Bahnterminals: dem DUSS-Terminal Mannheim-Handelshafen und dem in 2008 erweiterten Bahnterminal von DB Intermodal Services GmbH. Und damit auch der Verkehr zu und vom Terminal störungsfrei rollen kann, sollen weitere beträchtliche Investitionen in den Ausbau der Zu- und Abfahrtsstraßen im Handelshafen fließen. Die Containerterminal-Anlagen entlang der Werfthallenstraße könnten nach Vorstellung der Hafengesellschaft einmal ein Gebiet von rund zwei Kilometern Länge und durchgängig etwa 50 Meter Breite umfassen.
So will man sich in den Mannheimer Häfen optimal für die zu erwartenden Entwicklungen aufstellen. Die Europäische Kommission prognostiziert einen Anstieg des Güterverkehrs innerhalb der EU bis zum Jahr 2020 um 52 Prozent. Experten rechnen weiter damit, dass sich die Containeraktivitäten bis 2025 verdoppeln werden und erwarten ein Wachstum in der Größenordnung von fünf bis acht Prozent für deutsche Hinterlandhäfen. Entsprechend hoch ist dort der Bedarf an Containerkapazitäten. „Darauf muss man sich in den Binnenhäfen einstellen, wenn man die positiven Auswirkungen auf Wirtschaft und Beschäftigung mitnehmen will, und daher sind auch die Mannheimer Häfen, in denen monatlich rund 10.000 Container wasserseitig geladen und gelöscht werden, ständig bestrebt, ihr Angebot weiter zu verbessern“, erklärt der Hafendirektor, der mit den geplanten Investitionen erreichen will, dass der Hafen Mannheim auch in Zukunft eine der besten Adressen für Logistikunternehmen bleibt – und damit seinen Beitrag zur Stärkung der
Wettbewerbsfähigkeit der Metropolregion Rhein-Neckar leistet.


