Entwicklung von Bombardier in Mannheim

Bremsen für den Klimaschutz

Mannheimer Erfindergeist wird honoriert:Das Land Baden-Württemberg zeichnet den „Mitrac Energy Saver“ mit dem „ÖPNV-Innovationspreis 2009“ aus.

Hochgeschwindigkeitszüge wie der ICE, aber auch moderne Stadt- und Straßenbahnwagen, verbrauchen nicht nur elektrischen Strom, sie erzeugen auch Energie beim Bremsen und können diese in das Netz zurückspeisen. Das bedeutet insgesamt weniger Stromverbrauch und dadurch mehr Klimaschutz. Im Mannheimer Werk des kanadischen Transportkonzerns Bombardier im Stadtteil Käfertal entwickelten findige Ingenieure zusammen mit der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) den Mitrac Energy Saver, der bei Stadt- und U-Bahnen bis zu 30 Prozent Energie einsparen soll. In einer Mannheimer Stadtbahn wurde das System seit 2003 zuerst getestet. Das Land Baden-Württemberg belohnte die Erfindung mit dem „ÖPNV-Innovationspreis 2009“. Beim Umwelttechnikpreis 2009 des Landes erreichte Mitrac den 3. Platz in der Kategorie Energieeffizienz.

Von außen sieht man an den Stadtbahnen wenig von der neuen Technik. Alles ist in eine schlichte, etwa einen Meter lange und 50 Zentimeter breite Metallkiste gepackt. Kernstück sind 160 Kondensatoren, die sogenannten „UltraCaps“. Sie können die gewaltigen Energiemengen speichern, die beim Bremsen einer elektrischen Bahn entstehen und sie beim nächsten Anfahrvorgang wieder entladen. Bisher blieb ein großer Teil der Bremsenergie in Stadtbahnen ungenutzt, allenfalls für die Klimaanlage oder andere Verbraucher an Bord wurde der Strom eingesetzt.

Neben der Energieeinsparung hat Mitrac auch noch den Vorteil, dass die Bahnen bei einem Ausfall des Oberleitungsnetzes bis zu 1.500 Meter ohne Strom fahren können, um beispielsweise die nächste Haltestelle zu erreichen. Das System ermöglicht aber auch, Streckenabschnitte ganz ohne Oberleitung zu bauen, zum Beispiel in historischen Stadtzentren, wo die Optik durch die Fahrdrähte nicht gestört werden soll.

Konkret genutzt wird Mitrac demnächst in Stadtbahnen der Rhein-Neckar Verkehr GmbH in Heidelberg. Bei der neuen Strecke zum Uni-Campus „Im Neuenheimer Feld“ kann in einigen Abschnitten keine Oberleitung verlegt werden, weil die Stromleitungen die empfindlichen Messgeräte der Uni-Institute, Kliniken und des Deutschen Krebsforschungszentrums stören würden. Mit dem System von Bombardier ist der Stadtbahnbetrieb durch das Universitätsgelände in Heidelberg problemlos möglich.

Insgesamt 19 Stadtbahnen mit der neuen Technik hat die RNV bestellt. Die ersten Fahrzeuge wurden bereits nach Heidelberg ausgeliefert. Bombardier, deren Vorgängerfirmen BBC, ABB und Adtrans seit über 100 Jahren in Mannheim Lokomotiven, Straßen- und Stadtbahnen fertigen, hofft auf zusätzliche Aufträge durch das Energiesparsystem. Aber auch ohne steht das Werk im Stadtteil Käfertal, wo Antriebstechnik, Steuerung und Elektrik für Stadtbahnen gefertigt werden, trotz Wirtschaftskrise relativ gut da. Die Aufträge reichen noch bis mindestens 2011. Sorgen müssen sich auch die Bombardier-Mitarbeiter nicht machen. Rund 850 Beschäftigte in Mannheim sind noch bis Ende Mai 2012 durch einen Standortsicherungsvertrag vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt.