BIOTOPIA Arbeitsförderungsbetriebe

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Lange lag es völlig verlassen da, das alte Klärwerk auf der Friesenheimer Insel. Bis die BIOTOPIA Arbeitsförderungsbetriebe das Gelände einer neuen Nutzung zuführten: der Integration Langzeitarbeitsloser in den Arbeitsmarkt.

Bis 1973 für die Abwasserreinigung der Quadratestadt genutzt, versank die fast komplett erhaltene Industrieanlage aus dem Kaiserreich 25 Jahre lang im Dornröschenschlaf. Richard Perrey, Architekt und Leiter des städtischen Hochbauamtes, errichtete zwischen 1904 und 1908 dieses erste Klärwerk Mannheims – bestehend aus dem Wohnhäuschen des Klärwerksmeisters, sechs Klärbecken, zwei Pumpenhäusern und einem Wasserturm. Der Betrieb wurde nach dem Bau der biologischen Kläranlage in Sandhofen eingestellt. Heute prangt am alten Wasserturm ein türkiser Baum, das Logo der BIOTOPIA Arbeitsförderungsbetriebe. Denn nach Jahren des Verfalls mietete die gemeinnützige Gesellschaft 1998 das 10.000 Quadratmeter große Areal an der Diffenéstraße an und nutzt es seitdem als Betriebshof ihrer Abteilung Farbe.

Eine ideale Lösung – denn die Gesellschaft, die sich um die Integration Langzeitarbeitsloser Menschen in den Arbeitsmarkt kümmert, konnte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die denkmalgeschützte Anlage wurde durch verschiedene Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen saniert und restauriert und arbeitslose Männer erhielten dadurch eine berufliche Perspektive. BIOTOPIA hat das Gelände um das alte Klärwerk wieder „wachgeküsst“ – reges Leben und Treiben erfüllt seitdem die alten Mauern. Das bauliche Kleinod wurde der Mannheimer Bevölkerung wieder zugänglich gemacht.

Vor dem altehrwürdigen Gemäuer reparieren gerade vier junge Leute ein Malergerüst. „Besonderer Schwerpunkt von Biotopia ist die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Qualifizierung benachteiligter junger Menschen mit starken vermittlungshemmenden Merkmalen“, erklärt Margarete Nagel, Bereichsleiterin Integration und Jugendhilfe. Diese Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren gehören zu der Gruppe des Sonderprogramms „Jump Plus“ des Jobcenters Junges Mannheim. „Wir setzen an den Potenzialen und Talenten der Teilnehmer an“, so Nagel. „Stellt sich zum Beispiel heraus, dass sie malerisches Geschick haben, kommen sie für ein Praktikum zu Meister Karl-Hans Riedinger in die Diffenéstraße.“

Der Ausbilder für den Maler- und Lackiererberuf kümmert sich nicht nur um die Vermittlung fachlicher Fähigkeiten, sondern auch um die „softskills“, das heißt die Schulung der sozialen Kompetenzen seiner Gruppe. Dazu gehören der Umgang miteinander, Teamarbeit, Pünktlichkeit, Verhalten gegenüber der Kundschaft. Riedinger: „Ich gehe auf jeden Teilnehmer individuell ein, will alle fordern und fördern.“ Auf der grünen Wiese am alten Klärwerk können sie erstmals in das Arbeitsleben hereinschnuppern, lackieren Türen oder streichen Bänke von Kunden an. Aber sonst geht es direkt auf die Baustelle. Denn im Gegensatz zu anderen Trägern erfolgt die Ausbildung nicht in geschützten Werkstätten, sondern direkt vor Ort bei der Abarbeitung von Kundenaufträgen. „Unser Ziel ist es, die jungen Leute in Betriebspraktika zu vermitteln, um ihnen dann eine Ausbildung zu ermöglichen oder sie in einen Beruf einzugliedern“, betont Margarete Nagel.

BIOTOPIA bildet nicht nur Maler/Lackierer, sondern auch Gartenbaufachwerker, Bürokaufleute und Kaufleute für Bürokommunikation, Fachinformatiker für Systemintegration bzw. Anwendungstechnik und Zweiradmechaniker aus. Für ein fachübergreifendes Projekt „Mentoren und Mentees“ ist die Gesellschaft sogar mit dem Förderpreis des Mannheimer Schmierstoffherstellers Fuchs Petrolub für vorbildliche Initiativen und Projekte in sozialen Einrichtungen ausgezeichnet worden. Schon erfahrene Auszubildende haben ihre jüngeren Azubi-Kollegen bei der Erstellung einer Pergola von der Planung und Bestellung bis hin zur Errichtung angeleitet und eng mit ihnen zusammengearbeitet.

Im November 2009 ist wieder ein interessantes Projekt auf dem Klärwerksgelände geplant. In einer Art „Spielzeugklinik“ können sich langzeitarbeitslose Erwachsene qualifizieren, indem sie kaputtes Spielzeug reparieren und wieder nutzbar machen. Die wieder hergerichteten Puppen, Autos oder auch Kaufläden sollen dann in Kinderheimen, Kindergärten oder auch bei bedürftigen Familien ein neues Zuhause finden.