Kreative Mode

Top-Labels „made in Mannheim“

Tolle Looks müssen nicht immer aus Paris, New York oder Mailand kommen. Das beweisen die drei Mode-Designerinnen Katrin Leiber, Lina Heckmann und Dorothee Schumacher. Die drei Frauen entwerfen ihre Kollektionen in Mannheim, verkauft werden sie in Boutiquen auf der ganzen Welt.

Von Kindesbeinen an beschäftigt sich Katrin Leiber mit Mode. Als Sechsjährige zerschneidet sie die eigenen Kleider, um daraus etwas Neues für ihre Barbiepuppen zu kreieren. Nicht gerade zur Freude ihrer Mutter, die sich jedoch umso mehr über eine selbst entworfene Handtasche freut, die ihr ihre Tochter mit zwölf Jahren schenkt. „Für mich war schon früh klar, dass ich in den künstlerischen Bereich gehen würde“, erzählt die Mannheimerin. Das war auch der Grund, 1993 der Quadratestadt zunächst den Rücken zu kehren und an der renommierten Modeschule „Esmod“ in Paris zu studieren. Nachdem sie ihr Studium als Jahrgangsbeste abschließt, arbeitet sie für so namhafte Designer wie Kenzo und Nina Ricci. „Ich habe komplette Kollektionen entworfen.“ Im Winter 2004 erfüllt sich für sie ein Traum: „Meine erste Handtaschen-Kollektion mit eigenem Label“. Warum gerade Handtaschen? „Für mich selbst habe ich nie die richtige gefunden.“ Wie man so ein kompliziertes aus rund 50 Teilen bestehendes Accessoire anfertigt, hat sie sich autodidaktisch angeeignet. Bei Materialien und Verarbeitung achtet sie dabei auf höchste Qualität: „Die Reißverschlüsse müssen laufen wie Butter“. Viele ihrer Stücke hat sie mit mehreren kleinen Außentaschen versehen, „damit man Schlüssel und Handy schnell findet“. Und: Da die Designerin feinstes Lammleder benutzt, sind die Taschen sehr leicht. Funktional aber feminin ist Leibers Stil, in ihrer aktuellen Kollektion hat sie den Clutches zum Abendkleid, aber auch größeren Taschen einen interessanten Raffeffekt verliehen, indem Elastikbänder das dünne Leder zusammenziehen.

Nach 15 Jahren in der Seine-Metropole ist Katrin Leiber der Liebe wegen zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Ihren Firmensitz und den Exklusivvertrieb ihrer Produkte hat sie in den Mannheimer Jungbusch verlagert. Das Multi-Kulti-Viertel, das inzwischen immer mehr Kreativunternehmen anzieht, inspiriert sie zu neuen Ideen. Gerade perfektioniert sie ihre Entwürfe für Schuhe, deren Design zu den Taschen passt. Der besondere Clou: abschraubbare Absätze zum Wechseln. Eine Idee, mit der die Designerin schon bei ihren ersten zwei Schuh-Kollektionen erfolgreich war. Aber die Idee ist noch ausbaufähig: „Ob in Form eines Buddhas, einer Rose oder gar des Eiffelturms, ob aus Metall, Leder oder hochwertigem Kunststoff – ich möchte, dass alles möglich ist.“ Um ihre Pläne realisieren zu können, fehlt jetzt nur noch ein Investor, um die Vorproduktion der Schuhe zu finanzieren.

Inzwischen zählt Leiber zu den weltweit besten Nachwuchsdesignerinnen. Mit ihren Taschen hat sie sich international einen Namen gemacht: Sie werden nicht nur in Deutschland, sondern auch in allen großen Städten Frankreichs sowie in ausgewählten Geschäften in Norwegen, Schweden, Dänemark, Belgien, Luxemburg, USA, Japan, Spanien und Großbritannien angeboten. In Indien möchte eine vermögende Unternehmerin zwölf bis fünfzehn Katrin Leiber-Läden eröffnen. Was der Modedesignerin noch fehlt: „Eine eigene Boutique in Mannheim“, so die 38-Jährige. „Vielleicht wird der Traum wahr, wenn in drei Jahren das neue Quartier Q6 Q7 in der Fressgasse fertig ist. In diesem Einkaufszentrum wäre ich gerne dabei.“

Farbenstarke Stoffe, florale Prints und fließende Formen sind das Markenzeichen von Lina Heckmann. Die quirlige Designerin mag es fröhlich und bunt. „In meiner Mode steckt viel von mir selbst“. Entsprechend humorvoll sind die Titel ihrer Kollektionen. „Pizza-Nizza“ beispielsweise nannte sie ihre letzte Sommerkollektion – in Anlehnung an den berühmten Film „Über den Dächern von Nizza“. In der südfranzösischen Stadt wurden auch die Foto-Shootings gemacht – die Models mussten dabei immer ein Stück Pizza oder mindestens die Verpackungen in der Hand halten. Titel der aktuellen Winterkollektion: „White Russia“. „Ich habe ein Faible für Hippie-Sachen“ – deshalb gibt es Kleidungsstücke mit Leder- und Fellimitaten, Blusen mit Flügelärmeln im altrussischen Folklorestil, Pullis mit gestickten Vogelmotiven und Taschen mit Fransen“, erklärt die 35-Jährige. „Stickereien sind ganz typisch für meine Mode.“ In einer alten ausgebauten Scheune in Mannheim-Friedrichsfeld laufen bereits die Arbeiten für ihre Winterkollektion 2010/2011 auf Hochtouren.

Auch das Designer-Label trägt einen bewusst ausgefallenen Namen: Evaw/Wave. „Eva“ steht für die Weiblichkeit, Schönheit, Verführung und Liebe in ihren Kollektionen. Rückwärts gelesen ergibt sich aber auch das englische Wort „Wave“, die Welle, die das Mutige, Mitreißende und Wilde verkörpert. Und das spielt auf Heckmanns Anfänge 2006 an: Bademode war das Thema ihrer ersten Kollektion. „Heute macht dieser Bereich nur noch 20 Prozent aus“, sagt die junge Designerin. Mit einem Anteil von 80 Prozent überwiegen Tops, T-Shirts, Hosen, Röcke und Kleider.

Vom Bikini bis zum Abendkleid – die ausgebildete Schneiderin Lina Heckmann entwirft ihre Mode mit viel Liebe zum Detail. Dabei lässt sie sich weniger von Trends beeinflussen als vielmehr von ihren Eindrücken, die sie während ihrer Reisen aufnimmt. „Jedes Stück soll feminin sein und zum Lieblingsteil der Käuferin werden“, so die Designerin des aufstrebenden Modelabels, das man europaweit kaufen kann. Außerdem besitzt Evaw/Wave einen Flagship-Store in Hamburg und einen eigenen Onlineshop. Die Kreativität wurde ihr schon in die Wiege gelegt: Ihre Mutter nähte den Kindern die gesamte Kleidung: alles Unikate. Aus ihren Kindheitserinnerungen schöpft sie bis heute viel Inspiration für ihre Kollektionen. „Schon meine Mutter zog sich gern ausgefallen an.“

Mit dem Entwurf von ein paar T-Shirts beginnt ihre Erfolgsstory. Auf der Düsseldorfer Modemesse Igedo stellt Dorothee Schumacher ihre erste kleine Kollektion mit verspielten Zackenborten, Schleifen und Satinbändchen vor. Mit ihrem neuen Stil wendet sie sich gegen den strengen Businesslook für Frauen. Ihre Kollektion ist ein Erfolg. Namhafte Kunden ordern in großem Stil. Das war vor 20 Jahren. Heute ist die 43-jährige Unternehmerin mit ihrem Modelabel international gefragt. „SCHUMACHER“ steht auf gleicher Höhe mit berühmten Namen wie Prada, Hermès und Chanel.

Schon früh hat Dorothee Schumacher die Vision „die schönsten Teile für die schönsten Schaufenster weltweit zu entwerfen“. Erster Firmensitz wird ihr Düsseldorfer Elternhaus. Doch der Platz für Entwurfsräume und Lagerstätten reicht bald nicht mehr. Ihre Suche nach einer neuen Kreativstätte führt sie nach Mannheim: Dort im Industriehafen lässt sich Dorothee Schumacher eine alte Kartonagefabrik zu einem eleganten Loft umbauen. „Stimmung, Wasser und rauer Backstein haben mich inspiriert.“

Im Atelier mit Blick auf Rheinhafen, Verladedocks und Getreidemühlen entstehen heute komplette Daywear-Kollektionen mit passenden Accessoires. Typisch für den Schumacher-Look ist, dass sich Leichtigkeit und Raffinesse im Material- und Strukturmix verbinden. Seide, Leder, Kaschmir und Baumwolle werden gemeinsam verarbeitet. Als stoffliche Metapher eines Geschenks werden Schleifen gerne als Stilelement eingesetzt – und kommunizieren die Botschaft der Designerin „made with love.“

Inzwischen zählt Schumacher 85 Mitarbeiter und ist als exklusive Modemarke in den Metropolen der Welt zu Hause. Die extravaganten Kleidungsstücke mit dem Etikett „SCHUMACHER“ gehen an 600 Händler rund um den Globus. Doch trotz ihres großen Erfolges hat Dorothee Schumacher die Bodenhaftung nicht verloren. Dafür sorgen schon ihre vier Kinder. „Sie sind mir Inspiration und geben mir Kraft.“