Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald

Neue Marktchancen für Unternehmen

Der demografische Wandel – er erschließt neue attraktive Märkte. Die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald hat sich dieser Herausforderung gestellt. Inzwischen ist ihr Know-how bundesweit gefragt.

Stefan Waldkirch, Geschäftsführer von Elektro Spingel, einem traditionsreichen Mannheimer Unternehmen mit 18 Mitarbeitern, ist sich sicher: „Die Menschen werden immer älter und sie brauchen Wohnungen, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Hier entwickelt sich ein Zukunftsmarkt, bei dem wir von Anfang an dabei sein wollen.“ Und er hat gleich eine ganze Reihe Vorschläge parat, was ein Elektriker mit Blick auf eine alters- und behindertengerechte Ausstattung einer Wohnung leisten kann: „Von uns eingebaute Sicherungen gewährleisten beispielsweise, dass sich ein Herd nach geraumer Zeit selbst ausschaltet.“ Fernbedienungen für Licht oder Rollläden helfen weiter, wenn ein älterer Mensch nicht mehr so beweglich ist wie in jungen Jahren. „Und auch kleine Verbesserungen bedeuten oft mehr Lebensqualität. Kleine Hebel, die an Steckdosen angebracht werden, erleichtern das vielfach schwierige Herausziehen der Stecker“, so Waldkirch.

„Fachbetrieb für senioren- und behindertengerechte Elektrotechnik“ nennt sich Waldkirchs Betrieb. „Wir haben uns weitergebildet und entsprechende Zertifikate von der Handwerkskammer Mannheim und der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik erhalten.“ Sechs eintägige Basis-Schulungen zum Thema „Demografischer Wandel und Barrierefreiheit“ bietet die Handwerkskammer pro Jahr an. Bereits 180 Handwerker, vorwiegend aus dem Baubereich, und andere Interessenten haben dieses Angebot bereits genutzt. Neben Informationen zu den Normen DIN 18024 und 18025 zum barrierefreien Wohnen und zur barrierefreien Gestaltung von Lebensräumen geht es um Marketing und Verkaufsstrategien sowie die Vermittlung von Kenntnissen zur Finanzierung und zu Finanzierungshilfen. Mit dem Zertifikat in der Hand können die Handwerker als „mobile Wohnberater“ aktiv werden und qualifizierte Hilfestellung leisten.

Seit mehr als 10 Jahren widmet sich Nikolaus Teves, Geschäftsführer der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, diesem Thema. Sein Ziel: ein Netzwerk aus Handwerksbetrieben, Architekten, Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften zu schaffen, um sich gemeinsam dem Problem des demografischen Wandels zu stellen. In der Region, aber auch bundesweit, hält er Vorträge, nimmt an Tagungen und Kongressen teil. Referenten für Schulungen werden immer häufiger in Mannheim angefragt, berichtet Teves, beispielsweise von den Kollegen aus Worms, Speyer, Bensheim, Darmstadt und sogar aus Lindau am Bodensee. Inzwischen ist Teves als Koordinator für Wohnen und Mobilität in der Metropolregion unterwegs. „Das Land Baden-Württemberg und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend schätzen unser Engagement und haben uns beauftragt, uns mit diesem Thema zu befassen, Checklisten und Arbeitshilfen zu entwickeln und Schulungen anzubieten.“ Neben den Basis-Schulungen wird auch eine dreimonatige Weiterbildung zur Fachkraft für altengerechtes Bauen und Wohnen angeboten.

Bei Seniorentagen, Messen und auch Veranstaltungen von Behinderten ist die Handwerkskammer mit Ständen präsent, die Zusammenarbeit mit der Stadt Mannheim und den städtischen Wohnungsbaugesellschaften ist eng. „Ich glaube, dass dem Handwerk mit Blick auf die demografische Entwicklung eine Schlüsselposition zukommt“, beschreibt Teves seine Motivation. „Wir können für eine bessere Lebensqualität älterer und behinderter Menschen sorgen.“