MVV Energie AG und SAP AG
Die Dienstwagen werden „grün“
MVV Energie und SAP arbeiten an einer Elektro-Fahrzeugflotte. Mannheim soll eine Modellregion für Elektromobilität werden.
Beim Thema Elektromobilität gibt Mannheim Gas – das müssen die beiden damaligen Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg (Wirtschaft) und Wolfgang Tiefensee (Verkehr) geahnt haben, als sie im August 2009 den „Entwicklungsplan Elektromobilität“ groß verkündeten und zu diesem Zweck bis 2012 rund 500 Millionen Euro bereitstellten, um Elektroautos zu fördern. Dabei wurde schon drei Monate vorher bekannt, dass Mannheim und die Metropolregion Rhein-Neckar zu einer Modellregion für Elektromobilität werden sollen. Das dachten sich aber weniger zu Guttenberg und Tiefensee aus, sondern es war eine Idee des Bundesumweltministeriums, das den Wettbewerb „Intelligente Netze, erneuerbare Energien und Elektromobilität“ ausgerufen hatte. Bis 2010 stehen zehn Millionen Euro zur Verfügung – verteilt auf zwei Projekte, eines in Mannheim, das andere im Harz. Hintergedanke des Umweltministeriums ist natürlich, die erneuerbaren Energien zu fördern. Schließlich soll auch der CO2-Ausstoß der Autos endlich einmal sinken. Denn während die Industrie bei der Verringerung des „Klimakillers“ ihre Hausaufgaben gemacht hat, belastet der Verkehr mit einer ordentlichen Steigerungsrate von fünf Prozent (seit 1990) das Klima. Mittlerweile ist der Verkehr für fast 20 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Will Deutschland seine Klimaziele erreichen, muss man also bei den Autos Gas geben.
Der Mannheimer Energieversorger MVV Energie und das Walldorfer Softwareunternehmen SAP punkteten mit einer simplen, aber genialen Idee: Die beiden Unternehmen wollen in den nächsten Monaten etwa 100 Elektroautos für den regulären Betrieb ihres Fuhrparks anschaffen. Und die sollen mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden – also wird aus den herkömmlichen Benzin- und Dieselkutschen eine wahrhaft „grüne Fahrzeugflotte“ ganz ohne CO2-Ausstoß. Die MVV Energie liefert nicht nur vor Ort die Energie, sondern sie betreibt auch die komplette Infrastruktur für die „Betankung“ mit Strom.
Die SAP wiederum will dazu ein Flottenmanagementsystem entwickeln, das den Fuhrpark steuert. Dieser Prototyp dient der Erforschung von Elektromobilität im Unternehmenseinsatz – einer von mehreren Ansätzen, in dem sich die SAP in der Forschung und ihrem Nachhaltigkeitsprogramm mit einer umweltfreundlicheren Nutzung von Energie und Ressourcen auseinandersetzt. Ohne Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) geht es hier nicht, denn die „grünen Dienstautos“ müssen in bestehende Verkehrs- und Energienetze eingepasst werden.
Der Clou an diesem intelligenten Ansatz der Elektromobilität ist der, dass die Fahrzeugbatterien so auf längere Sicht zu Stromspeichern werden. Denn das war bisher das große Problem der Energieerzeugung: Der Strom muss dann verbraucht werden, wenn er in den Kraftwerken produziert wird. Mit den Autobatterien könnte nun ein bundesweiter Stromspeicher zur Verfügung stehen. Sie werden dann aufgeladen, wenn wenig Strom verbraucht, aber viel erzeugt wird – vor allem nachts, aber auch wenn viel „grüner Strom“ zum Beispiel in Wind- oder Photovoltaikanlagen entsteht. Er wandert in die Batterien der Elektroautos. Der Vorteil ist auch, dass mit intelligenter Technologie die Batterien den Strom später einmal auch wieder ins Netz zurückspeisen können, wenn er gebraucht wird. „Dadurch könnten Elektrofahrzeuge entscheidend zur effizienteren Nutzung der Kraftwerke beitragen“, freut sich MVV-Technikvorstand Dr. Werner Dub, „und zur vermehrten Nutzung erneuerbarer Energien“. Mehr noch: Das Stromnetz wird durch diese „Speicher“ auch wesentlich stabiler, und die Kraftwerke müssen nicht ständig hoch- oder heruntergefahren werden. Dr. Dub: „Das Projekt ist damit Teil unseres Zukunftskonzeptes für eine sichere und umweltfreundliche Energieversorgung.“
Das setzt aber auch voraus, dass die Nutzung der Autos und die Energieerzeugung aufeinander abgestimmt werden – daher auch das Interesse der SAP-Forscher an einer möglichst passgenauen Abstimmung mittels Informationstechnologie. Für den Walldorfer Software-Konzern passt dieser Ansatz genau in seine Forschungsstrategie im Bereich Elektromobilität: Hier geht es um die primäre Frage, welche Geschäftsprozesse und -modelle optimiert werden müssen, um Elektromobilität adäquat zu unterstützen und wirtschaftlich sinnvoll zu machen.
„Neben den Fahrzeugen selbst und der nötigen Infrastruktur ist die IT die dritte wichtige Säule der Elektromobilität. Denn nur wenn die Transaktionskosten für die Betankung sinken, kann das gesamte Modell ‚E-Mobility‘ funktionieren. Die Möglichkeit, in unserem Fuhrpark Elektrofahrzeuge zu nutzen, ist ein erster großer Schritt, Mobilitätsbedarf umweltgerecht mit heutigen Technologien erbringen zu können. Damit werden wir auch selbst ‚grüner‘“, sagt Prof. Dr. Lutz Heuser, Leiter der SAP Forschung. Gleichzeitig profiliert sich damit – ein angenehmer Nebeneffekt – die Metropolregion auch als „grüne“ IKT-Schmiede.
Gerade dieser Ansatz begeistert die Forschung: „Erneuerbare Energien und Elektromobilität sind ein Traumpaar“, weiß Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung „Energie, Verkehr und Umwelt“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Denn, so Kemfert: „Grüne Autos“ bleiben nur solange grün, solange der Strom auch aus erneuerbaren Energien erzeugt wird. Noch sind die recht wenigen Elektroautos in Deutschland – Schätzungen sprechen von deutlich weniger als 5.000 – keine große Belastung der Energienetze. Selbst wenn eine Million Elektroflitzer durch deutsche Straßen düsen sollten, würde sich der deutsche Stromverbrauch um nur 0,3 Prozent erhöhen, so Kemfert. In andere Regionen ginge es dann, wenn alle 50 Millionen Autos auf deutschen Straßen auf Elektrobetrieb umgestellt würden: Dann müssten 20 Prozent mehr Energie produziert werden.
Dennoch: Ein Anfang ist jetzt gemacht, das Projekt von MVV Energie und SAP hat das Zeug zu einem Meilenstein für die „grüne Fahrzeugflotte“


