Kreative Verlage
Erfolg im Quadrat
Mit seinen vielfach ausgezeichneten Bildbänden und Kalendern in außergewöhnlichen Formaten hat sich der Mannheimer Verlag Edition Panorama in mehr als zwanzig Jahren einen internationalen Ruf erworben. Der neue Verlagssitz im Quadrat G7, 14, entworfen vom Schweizer Stararchitekten Beat Consoni, ist dennoch ein klares Bekenntnis zu der Quadratestadt.
Eigentlich sollte es ein Buch über die Pfalz werden, das Verleger Bernhard Wipfler zusammen mit dem befreundeten Fotografen Horst Hamann Anfang der neunziger Jahre realisieren wollte. Wipflers 1976 gegründeter Verlag Edition Quadrat hatte sich mit Erfolg auf regionale Bücher und Bildbände spezialisiert. Doch bei einem der Treffen mit seinem Verleger zog Hamann, ein gebürtiger Mannheimer mit Wohnsitz in New York, Bilder aus der Tasche, die seine Wahlheimat aus einem völlig neuen Blickwinkel zeigten. Mit einer senkrecht gestellten Panorama-Kamera fing er den „Big Apple“ vertikal ein und schuf damit eine neue Art der Fotografie.
Das Buch „New York vertikal“, das schließlich 1996 erschien, wurde auch für den Verleger zur Bewährungsprobe. Das ungewohnt große Format von 23x50 Zentimetern war nicht nur eine drucktechnische Herausforderung, sondern stieß auch auf Probleme im Buchhandel – die Regale waren schlicht zu klein. Der Preis von damals 198 DM sprengte ebenfalls jeden Rahmen. „Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten hätte man es anders machen müssen“, blickt Wipfler heute zurück, „bei einem Misserfolg hätte das Projekt den Verlag in Existenznot gebracht“. Doch soweit ist es nicht gekommen. Der Mut zum Risiko hat sich gelohnt. Das Ergebnis war laut Wipfler bahnbrechend und machte den Mannheimer Verlag schlagartig international bekannt, da „New York vertikal“ durch ausländische Partner sofort weltweit vertrieben wurde.
Das Thema Panorama-Fotografie ließ den 55-Jährigen nicht mehr los. 1996 gründete er den Verlag Edition Panorama GmbH, unter dessen Dach nun die Edition Quadrat firmiert. Mit seinen von Format und Aufmachung einzigartigen Bildbänden und Kalendern – das größte Exemplar misst 1,60 Meter – schuf Wipfler einen neuen Markt und gilt heute weltweit als führend.
Rund ein Drittel ihres Umsatzes erwirtschaftet die Edition Panorama mittlerweile mit Auftragsarbeiten großer nationaler und internationaler Unternehmen und Verbände. Mit sechs Festangestellten – darunter Sohn Sebastian Wipfler, der wie sein Vater geschäftsführender Gesellschafter ist – und einigen freien Mitarbeitern gibt der Verlag rund 80 bis 100 Neuerscheinungen pro Jahr heraus. Den gleichen hohen ästhetischen Anspruch wie bei ihren Produkten legten Bernhard und Sebastian Wipfler auch bei der Planung des neuen Verlagsdomizils an den Tag, das im Frühjahr 2009 fertiggestellt worden ist. Der renommierte Schweizer Architekt Beat Consoni schuf im Quadrat G7, 14, nur wenige Meter von der alten Dependance entfernt, einen modernen Komplex aus Sichtbeton, der aus einem Vorder- und einem Hinterhaus besteht. Neben den Verlagsräumen, zu denen auch eine eigene Galerie gehört, finden sich in dem Gebäude Privatwohnungen sowie weitere Büros, die an eine Werbeagentur vermietet worden sind. Dass Wipfler auch weiterhin Mannheim zum Verlagsstandort gewählt hat, hat weniger nostalgische Gründe. Vielmehr sieht er das Potenzial, das gerade im Jungbusch und der westlichen Unterstadt steckt: „Wir wollen hier in G7 und H7 kreative Quadrate etablieren.“


