Umweltfreundliche Technologien auf dem Vormarsch
Mit Energie in die Zukunft
Energie sparen und umweltfreundlichen Energien zum Durchbruch verhelfen – das hat in Mannheim und der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar eine lange Tradition. Und gerade in der heutigen Zeit eine wachsende Bedeutung.
Zahlreiche Firmen in der Quadratestadt haben sich umweltfreundlichen Energien und dem Streben nach mehr Energieeffizienz verschrieben und können dabei beachtliche wirtschaftliche Erfolge verbuchen.
Fangen wir mit der ressourcenschonenden Windenergie an, die derzeit Wachstumsraten erlebt, von denen andere Branchen nur träumen können. Immer mehr Windkraftanlagen drehen sich in der Welt, inzwischen sind Anlagen mit mehr als 120.000 Megawatt Leistung installiert. Vor fünf Jahren waren es gerade einmal 40.000 Megawatt. Allein im letzten Jahr sind Windenergieanlagen mit einer Leistung von über 27.000 Megawatt hinzugekommen.
Das Geschäft mit den Windrädern läuft also wie geschmiert, wozu auch der Mannheimer Schmierstoffhersteller Fuchs nennenswert beiträgt. Ohne richtige Schmierung können sich die Windräder nicht richtig drehen, sagte sich das Unternehmen schon vor zehn Jahren. „Schließlich geht der gesamte Energiefluss in einer Windkraftanlage über den Schmierstoff“, betont Produktmanager Wolfgang Bock. Besonders leistungsfähige Schmierstoffe werden für die Blatt-, Turm- und Rotorlager gebraucht. Und für die Getriebe- und Hydrauliksysteme sind hochkomplexe Öle gefragt. Also stieg das Mannheimer Traditionsunternehmen in den Markt ein, zählt inzwischen in diesem Segment zum Spitzentrio der Anbieter. Kürzlich haben die beiden Schwestergesellschaften Fuchs Lubritech und Fuchs Europe Schmierstoffe ihre Aktivitäten und Kompetenzen im Bereich Windenergie zusammengeführt. „Die neu aufgestellte Fuchs Windpower Division investiert all ihre Energie in einen Markt, der eine große Zukunft vor sich hat“, heißt es in der Unternehmenszentrale. Der Geschäftsbereich ist zwar (noch) klein, wächst aber zweistellig.
In Deutschland allerdings stagniert der Markt, alle interessanten Standorte sind auf dem Festland weitgehend besetzt. „Jetzt liegt die Zukunft eindeutig im Wasser“, erklärt Bock. Offshore-Windkraftanlagen wachsen allerorten aus dem Meeresboden, Fuchs ist voll mit im Boot. Dabei sind draußen auf der See die technischen Probleme besonders groß. Die Schmierstoffe müssen hohe Anforderungen an den Korrosionsschutz erfüllen und auch die Feuchtigkeit aus der Seeluft besser verkraften. Die Mannheimer Firma ist optimistisch, dass sie auch „off shore“ voll vom Geschäft mit den Windkraftanlagen profitieren kann.
Dies gilt auch für die deutsche ABB mit Sitz in Mannheim, die gleichfalls seit geraumer Zeit zum Sturm im Windgeschäft geblasen hat. Und dies mit beachtlichem Erfolg, wie mehrere große Order zeigen. So erhielt ABB im Frühjahr dieses Jahres vom drittgrößten deutschen Energieversorgungsunternehmen, der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, den Auftrag, die elektrische Ausrüstung für die Umspannplattform des Offshore-Windparks Baltic 1 in der Ostsee zu liefern. Baltic 1 wird rund 16 Kilometer vom Festland entfernt installiert. Das Projekt umfasst 21 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 50 Megawatt sowie eine Umspannplattform. Von der Plattform aus erfolgt die Anbindung an das Übertragungsnetz an Land über ein Hochspannungsdrehstromkabel.
„Dieses Projekt ist ein weiterer Meilenstein im Ausbau der Windenergie in Deutschland“, sagt Peter Smits, Vorstandsvorsitzender der ABB AG und Leiter der Region Zentraleuropa. Auch hier gilt wie bei Fuchs: Die Herausforderung an die Technik ist groß. Elektrische Anlagen für einen Offshore-Windpark müssen für ihren Einsatz auf hoher See qualitativ sehr hochwertig und extrem zuverlässig sein. Hohe Wellen oder schlechtes Wetter machen es wochenlang oft unmöglich, Service- oder Wartungsarbeiten durchzuführen. Versagt die Technik, würden lange Betriebsausfälle zu erheblichen Verlusten führen. Doch ABB ist „winderprobt“, wie auch die Beteiligung an anderen Projekten zeigt. Schon weit fortgeschritten ist beispielsweise die Erschließung des Offshore-Windpark-Clusters Borkum 2 in der Nordsee, der mit einer geplanten Leistung von 400 MW noch ein weit größeres Rad dreht als Baltic 1.
Zurzeit baut ABB im Rahmen dieses Projekts die weltweit erste HGÜ-Netzanbindung (Hochspannungs-Gleichstromübertragung) für einen Offshore-Windpark, die die Windkraft-Anlagen in das deutsche Übertragungsnetz integrieren soll. Schon Ende 2009 soll die Netzanbindung in Betrieb gehen und die ABB-Technologie eine Senkung der Übertragungsverluste um bis zu 25 Prozent realisieren. Und auch bei einem weiteren Schritt in Richtung umweltfreundlicher Strom ist ABB dabei. Als im Juli ein „Memorandum of Understanding“ zur Gründung der Desertec Industrie-Initiative unterschrieben wurde, waren Repräsentanten des Mannheimer Unternehmens in München vertreten. In den nächsten drei Jahren sollen umsetzungsfähige Investitionspläne entwickelt werden, um in der Nordsahara gigantische Solarkraftwerke zu errichten. „Wir freuen uns, dass jetzt aus einer kühnen Vision eine konkrete Initiative wird“, so ABB-Vorstandsmitglied Joachim Schneider.
Die erneuerbaren Energien, vor allem Wind und Sonne, haben eine immer größere Bedeutung. Im Jahre 2000 trugen sie 6,3 Prozent zur Stromerzeugung bei, derzeit sind es rund 15 Prozent. Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2020 den Anteil auf mindestens 30 Prozent zu steigern. Diese allgemein begrüßte Entwicklung bringt aber auch Probleme mit sich, die es baldmöglichst zu lösen gilt. So stellt der stark wachsende Anteil der dezentralen Einspeisung von elektrischer Energie die Stromnetze vor neue Herausforderungen. Mannheim ist eine von sechs Regionen in Deutschland, die von der Bundesregierung auserwählt wurde, um bahnbrechende Lösungsansätze zu entwickeln.
Dem Projekt „Modellstadt Mannheim“ liegt die Vision einer Stromversorgung der Zukunft zu Grunde: ein intelligentes Stromnetz mit vielen dezentralen Energieerzeugern und dazu Tarife, die sich nach Angebot und Nachfrage richten.
Dabei war es nicht leicht, zur „Modellstadt“ für das Projekt „E-Energy“ gekürt zu werden. Ein Konsortium unter Federführung des Mannheimer Energieversorgers MVV Energie AG hat es aber geschafft, sich im ausgeschriebenen Wettbewerb zu behaupten. Mit von der Partie sind bei dem Projekt IBM Deutschland, die Power Plus Communications AG, der Dresdner Energieversorger Drewag, das Software-Unternehmen Papendorf sowie die Universität Duisburg/Essen und die Institute ISET, ifeu und IZES. Das Budget für den auf vier Jahre ausgelegten Feldversuch inklusive Begleitforschung liegt bei rund 20 Millionen Euro, wovon das Bundesumweltministerium die Hälfte als Zuschuss beisteuert.
Jetzt geht es darum, ein „Internet“ der Energie zu schaffen, das das gesamte Elektrizitätssystem von der Stromerzeugung über die Netze bis hin zum Stromverbrauch intelligent steuert und regelt, heißt es bei der MVV Energie. Erzeuger und Verbraucher von Energie sollen mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien näher zusammengebracht werden. Beim Projekt „Modellstadt Mannheim“ hat die Installation für die erste Phase, in die 20 Kunden mit eigener Erzeugungsanlage einbezogen werden, bereits begonnen. Wenn alles gut läuft, sollen 2012 insgesamt 3.000 MVV-Kunden an dem Versuch teilnehmen.
Szenenwechsel hin zur Automobilbranche. In Mannheim hat bekanntlich Carl Benz 1886 das Auto erfunden. Die heutige Daimler AG ist an der Wiege des Autos nach wie vor mit einem großen Standort vertreten. Im Mercedes-Benz Werk Mannheim werden von rund 8.900 Mitarbeitern Busse, Nutzfahrzeugmotoren und Gießerei-Produkte hergestellt. Und es wird viel für umweltfreundliche Fahrzeuge geforscht, entwickelt und produziert. Jüngstes Beispiel: Im Juni 2009 hat Daimler in Wien erstmals einen Brennstoffzellen-Hybridbus vorgestellt. In Mannheim wurde das emissionsfreie Fahrzeug auf der Basis des Stadtbusses Citaro produziert, teilweise auch entwickelt. Dabei hat der in der Donaustadt präsentierte Bus mit der Bezeichnung „Mercedes-Benz Citaro FuelCELL-Hybrid“ bereits zwei Vorgängermodelle. Seit 2003 fahren bereits Brennstoffzellen-Busse durch die Lande, sie werden allein mit Wasserstoff angetrieben.
Rund zwei Millionen Testkilometer haben 36 Versuchsfahrzeuge inzwischen zurückgelegt. Für Aufsehen sorgte in diesem Jahr auch der ebenfalls in Mannheim gebaute „Citaro G BlueTec Hybrid“. Bei diesem Modell wird ein Dieselmotor mit einem Hybridantrieb kombiniert.
Jetzt hat Daimler in Wien einen weiteren Fortschritt präsentiert. „Unser neuer Brennstoffzellen-Hybridbus ist der nächste Schritt auf dem Weg zur Null-Emission“, sagte Hartmut Schick, Leiter des Bereichs Daimler Buses. Erstmals würden die Vorzüge der emissionsfreien Brennstoffzelle mit dem bewährten Hybridantrieb kombiniert. Zunächst werden 30 Fahrzeuge auf die Straße geschickt, verschiedene europäische Verkehrsbetriebe sollen einen Praxistest vornehmen. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat das Fahrzeug in das „Förderprogramm Elektromobilität“ aufgenommen.
Mit dem Auto eng verbunden ist auch die in Mannheim ansässige CropEnergies-Gruppe, einer der führenden europäischen Hersteller von Bioethanol für den Kraftstoff-Sektor. „Crop“ steht für „creative regeneration of power“, also für eine innovative Art der Energiegewinnung. Das zum Südzucker-Konzern zählende Unternehmen stellt aus nachwachsenden Rohstoffen – Getreide und Zuckerrüben – Energie in Form von Bioethanol her, das wiederum als Kraftstoff für Ottomotoren genutzt wird.
Weltweit hat sich Bioethanol als Biokraftstoff Nr. 1 etabliert. Im vergangenen Jahr sind rund um die Erde 81 Millionen Kubikmeter Bioethanol produziert worden, davon landeten mehr als 80 Prozent in den Tanks von Kraftfahrzeugen. Die wachsende Bedeutung des Kraftstoffs aus nachwachsenden Rohstoffen ist nicht unumstritten, CropEnergies glaubt jedoch voll und ganz an die Zukunft des Bioethanols. Die Argumente: Anders als die herkömmlichen, fossilen Energieträger sei Bioethanol nicht begrenzt vorhanden, sondern könne aus nachwachsenden Rohstoffen nahezu unbegrenzt gewonnen werden. Außerdem lasse sich mit Bioethanol der klimaschädliche Ausstoß von CO2 deutlich reduzieren. CropEnergies mit Sitz in Mannheim und Standorten in Deutschland, Belgien und Frankreich ist fest davon überzeugt, einen sinnvollen Beitrag auf dem Weg zu mehr umweltfreundlichen Energieträgern zu leisten. So wie auch die Mannheimer Unternehmen ABB, Fuchs, Daimler und MVV Energie.


