Mannheimer Technologien für Afghanistan und Indien

Aufbauhelfer in der Dritten Welt

Der Energiehunger rund um den Globus ist unendlich – dies gilt auch für die Länder der Dritten Welt. Zwei konkrete Beispiele aus Afghanistan und Indien verdeutlichen, dass auch Mannheimer Unternehmen beim Aufbau einer effizienten Energieversorgung wesentliche Hilfestellung leisten.

Derzeit fließt viel Geld nach Afghanistan. „Fast zu viel auf einen Schlag“, meint Sven Sautter. Der Geschäftsführer der MVV decon, einer Tochtergesellschaft der Mannheimer MVV Energiedienstleistungen, die zur MVV Energie Gruppe gehört, weiß, wovon er spricht: Seine Gesellschaft ist seit 2005 in dem Land aktiv. „Es fehlt noch massiv an grundlegender Infrastruktur, um den Aufbau voranzutreiben“, beschreibt Sautter das Hauptproblem. „Elektrizität ist dabei sicher eine der Grundvoraussetzungen, um weitere Infrastruktur errichten zu können.“ MVV decon ist im Auftrag der Weltbank damit beschäftigt, diese Grundlagen zu schaffen. Der Projektauftrag lautet dabei, den staatlichen Energieversorger DABM umzustrukturieren und aus dem Energieministerium auszugliedern. Dies ist in einem ersten Schritt bereits gelungen, im April 2009 nahm das Unternehmen Da Afghanistan Breshna Sherkat (DABS) den Betrieb auf. Die 5.700 Mitarbeiter und das Anlagevermögen von rund 1,5 Milliarden US-Dollar wurden auf den neuen Versorger übertragen, der jetzt am Aufbau einer zuverlässigen und flächendeckenden Versorgung arbeitet. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. „Wir haben mit bis zu 30 lokalen und internationalen Experten in Kabul daran gearbeitet, zunächst die Hauptstadt rund um die Uhr mit Strom zu versorgen“, berichtet Sven Sautter. Eine Überlandleitung aus dem benachbarten Pakistan hat dieses Vorhaben möglich gemacht. Jetzt geht es darum, den Mitarbeitern von DABS das normale Geschäft eines Energieversorgers zu zeigen: Anschlüsse erstellen, Kunden verwalten, Rechnungen schreiben. Dabei gilt die oberste Devise, dass Know-how ins Land kommen muss. „Wir haben vor allem afghanische Ingenieure nach Deutschland geholt und ihnen unsere Abläufe gezeigt, damit sie als Multiplikatoren vor Ort tätig sein können“, so Sautter.

Die Sicherheit der Mitarbeiter in Afghanistan hat für MVV decon wie für andere Unternehmen oberste Priorität. „Unsere Leute wohnen vor Ort und leben so normal und unauffällig wie möglich“, beschreibt Sven Sautter das Konzept. Es hat sich bislang bewährt: „Alle Mitarbeiter vor Ort sind begeistert von Land und Leuten und freuen sich schon auf mögliche Folgeprojekte, um das Land gemeinsam weiter zu entwickeln.“ Nicht nur Afghanistan braucht zum Aufbau des Landes im wahrsten Sinne des Wortes viel Energie. „Der Energiehunger in ganz Asien ist riesig“, erklärte kürzlich Axel Weber, Chef der MWM GmbH, gegenüber dem „Mannheimer Morgen“. Das Traditionsunternehmen, einst vom Autoerfinder Carl Benz gegründet, kann auf über 135 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und im Bau von Verbrennungsmotoren für Erdgas, Sondergase und Diesel zurückgreifen. MWM hat sich mit 1.150 Mitarbeitern, davon rund 800 in Mannheim, in 10 Tochterunternehmen weltweit auf ökologisch fortschrittliche Lösungen zur Erzeugung „sauberer Energie“ konzentriert. Allein im Jahr 2008 wurden 27 Millionen Euro in den Standort und das Re-Branding investiert, nachdem das Unternehmen nach der Übernahme durch den Finanzinvestor 3i im Jahr 2007 wieder zu seinem traditionellen Namen zurückgekehrt ist. Am Markt für „dezentrale Energieversorgung“, der in den letzten Jahren jeweils über 10 Prozent gewachsen ist, verzeichnet das Unternehmen, das 2008/2009 (per 30. Juni 2009) rund 350 Millionen Euro umsetzte, beachtliche Erfolge. So auch in Indien. Ein Hauptproblem vieler Landesteile dort ist die Instabilität des Stromnetzes. Hier bietet es sich geradezu an, auf eine dezentrale Stromversorgung mit MWM-Motoren zu setzen. Genau dies ist beim Bau eines riesigen Einkaufszentrums in der indischen Großstadt Hyderabad geschehen. Die Tochterfirma MWM Asia installierte fünf MWM-Motoren, damit kann der
neue Einkaufsriese völlig unabhängig von der öffentlichen Stromversorgung betrieben werden. Auf jeweils rund vier Megawatt sind die Anlagen ausgelegt, ausreichend, um die Versorgungssicherheit rund um die Uhr zu garantieren.

MVV decon und MWM – zwei Beispiele, die deutlich machen, wie sehr auch Mannheimer Firmen mit der Weltwirtschaft verbunden sind und dabei rund um den Globus Aufbauhilfe leisten.