Zeitarbeitsfirmen in Mannheim
Personaldienstleister sind gefragt
Die Zeitarbeitsbranche ist in Mannheim mit zahlreichen Firmen vertreten. Sie profitieren von der breiten Palette von Unternehmen unterschiedlichster Sparten in der Quadratestadt.
In der Wirtschaftskrise sind sie die ersten, die es trifft; sie sind aber auch die ersten, die zu spüren bekommen, wenn es wieder aufwärts geht. Die Rede ist von Zeitarbeitsfirmen. Als im Gefolge der Finanzkrise bei vielen Unternehmen Ende 2008 die Aufträge ausblieben, wurde die zuvor boomende Branche hart getroffen: An die 300.000 Zeitarbeitskräfte verloren ihren Job. Seit Juni 2009 scheint das Schlimmste überstanden: Der Bundesverband Zeitarbeit und Personaldienstleistungen (BZA) meldete ein Plus von 3,8 Prozent bei den Einstellungen. Damit waren wieder deutlich mehr als eine halbe Million Menschen bei Personalleasingfirmen in Lohn und Brot; vor der Krise waren es rund 750.000. „Wenn die Konjunktur tatsächlich wieder anspringt, könnten wir vielleicht schon im Sommer 2010 wieder unsere alten Höchststände an Mitarbeitern erreichen“, zeigt sich BZA-Verbandspräsident Volker Enkerts überzeugt.
Über 2.000 Zeitarbeitsfirmen gibt es in Deutschland. In der Rhein-Neckar-Region ist die Branche mit 140 Personalleasing-Firmen gut vertreten, allein für Mannheim listen die Gelben Seiten fast 80 Anbieter auf. Darunter sind nicht nur Niederlassungen der Großen wie Adecco, Manpower oder Randstad. Auch viele kleinere und mittelständische, inhabergeführte Personaldienstleister haben hier ihren Sitz.
Die Krise bekamen alle zu spüren, wenn auch unterschiedlich stark. „Wir verspüren wieder ein bisschen Aufwind“, so Christian Lukito, Leiter der Mannheimer Niederlassung von Manpower. Das bestätigt auch Petra Timm, Sprecherin von Deutschlands größtem Personalvermittler Randstad. Sie sieht die Branchenvielfalt in der Metropolregion als großen Vorteil an. Schließlich seien nicht alle von der Krise gleich betroffen. So habe etwa die Nahrungsmittelproduktion kaum Einbrüche zu verzeichnen. „Und im medizinischen und Pflegebereich werden nach wie vor händeringend Kräfte gesucht“, so Petra Timm. Dasselbe gelte auch für Callcenter Agents. Generell bleiben Fachkräfte gefragt. „Ein Kaufmann mit Fremdsprachenkenntnissen, ein Schlosser oder Schweißer mit Zusatzqualifikation haben auch in schwierigen Zeiten eine Chance“, betont die Randstad-Sprecherin.
Einer der großen Spezialisten-Vermittler ist die britische Firma Hays. Seit 2003 ist das Unternehmen mit Personaldienstleistungen im Geschäft. In 28 Ländern vermittelt Hays Software-Experten, Ingenieure, Pharma- und Finanzspezialisten. Für Deutschland, Österreich und Schweiz ist der Hauptsitz in Mannheim. Hays hat sich in der Krise gut gehalten, sagt Pressesprecher Frank Schabel. Zwar wurde manches IT-Projekt „gestreckt“, aber: „Gut ausgebildete und erfahrene Spezialisten bleiben gefragt.“ Der Trend zu flexiblen Strukturen in den Unternehmen werde anhalten, glaubt er. „Da sind wir mit unserem Geschäftsmodell gut aufgestellt.“ Mit seiner mittelständisch geprägten, vielseitigen Wirtschaft sei Mannheim für Hays ein idealer Standort.
Vom Marktpotenzial der Zeitarbeit sind ohnehin alle überzeugt, so auch Harald Tschlenek, geschäftsführender Gesellschafter der Impact GmbH für Zeitarbeit und private Arbeitsvermittlung. „In Deutschland ist die Zeitarbeit noch relativ gering vertreten, gerade mal 1-2 Prozent der Beschäftigten sind hier Zeitarbeiter.“ Ein großer Vorteil sei auch, dass der Markt noch nicht unter einigen wenigen Großen aufgeteilt ist. Impact, 1996 in Mannheim gegründet, ist mittlerweile bundesweit mit 14 Niederlassungen vertreten. Der regionale Bezug ist Harald Tschlenek dennoch wichtig. Dazu gehört auch, dass ein Geschäftsschwerpunkt auf dem Service für Chemiekunden liegt. Die Krise hat Impact nicht so stark gebeutelt wie manch anderen. Für Tschlenek lag das unter anderem am Kundenstamm: „Wir arbeiten mit Premium-Herstellern zusammen“, so Tschlenek.
Auch für Gerhard Lederle ist die Zeitarbeit nach wie vor eine Wachstumsbranche. 2002 hat er sich selbstständig gemacht, heute führt er zusammen mit Stefan Laier die Top in Time Personal- und Dienstleistungs GmbH mit Sitz in Mannheim. Die Firma ist spezialisiert auf die Vermittlung hochqualifizierter Fachkräfte. „Die werden immer gesucht“, weiß Lederle. Er setzt auf Qualität und langfristige Partnerschaft mit seinen Kunden wie mit seinen Angestellten. „Wir kennen die Bedürfnisse der Kunden genau und können Stellen passgenau besetzen. Das erspart dem Kunden viel an Einarbeitungszeit, Aufwand und Ärger – und letztlich auch Geld.“ Umgekehrt haben alle Top in Time-Mitarbeiter unbefristete Verträge und bekommen sogar ein 13. Monatsgehalt. „Wir haben kaum Fluktuation“, betont Lederle.
Fairer Umgang zahlt sich aus. Davon ist auch Dietlinde Haser, Geschäftsführerin von PLM Personalleasing Mannheim, überzeugt. „Zufriedene Mitarbeiter arbeiten nicht nur besser, sie stehen auch für das Unternehmen PLM ein“, weiß sie. Ihre Firma ist seit zehn Jahren in Mannheim und Umgebung aktiv. Schwerpunkt: Vermittlung gewerblicher Kräfte, vom Arbeiter in der Produktion bis zum Staplerfahrer. Anfang 2009 hatte sie schon schlaflose Nächte; mittlerweile aber hat sich ihr Markt wieder belebt. „Unser Riesenvorteil ist unser Dienst am Kunden.“ Von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr in der Nacht sind bei PLM die Telefone besetzt – auch am Wochenende. „So können wir ganz kurzfristig auf Ausfälle beim Kunden reagieren.“ Unmittelbare Nähe zum Kunden sei da optimal. „Wir bleiben regional – klein, aber fein.“
Mit einem ganz eigenen Geschäftsmodell will ein noch junges Mannheimer Unternehmen punkten. Die Etengo AG vermittelt ausschließlich freiberufliche IT-Spezialisten und geht dabei neue Wege: Für die Vermittlung verlangt das Unternehmen zehn Prozent Provision statt wie branchenüblich 25 bis 30 Prozent. Und es legt die Stundensatzkalkulation offen gegenüber Kunden wie Freelancern. Anfang 2009 wurde die Firma in Mannheim gegründet – mitten in der Krise. Nicht gerade die günstigsten Bedingungen für ein Start-up. „Zugegeben“, sagt der Vorstandsvorsitzende Nikolaus Reuter, „aber wir haben unseren Business-Plan nicht nur für Schönwetter-Perioden gemacht.“ Und schließlich würden wichtige IT-Projekte nie aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Zudem ermögliche das Etengo-Modell, die Kosten von IT-Projekten zu senken, ohne dass dies auf Kosten des Service oder auf dem Rücken der Freelancer geschehe. Das Feedback von Unternehmen wie Freiberuflern zeige, „dass unser Geschäftsmodell gut in diese Zeiten passt.“
Ziel des spezialisierten Personaldienstleisters: In drei Jahren unter die ersten zehn, in fünf Jahren unter die Top 5 der Branche zu kommen – und zwar von Mannheim aus. Reuter schätzt vor allem die zentrale Lage des Standorts und die gute Infrastruktur. „Von hier aus können wir kurzfristig bundesweit beim Kunden sein.“


