Kreative Designer

Eleganz im Labor

Am Anfang war ein Plastikfüller. Mit seinen quietschbunten Farben und den poppigen Kurven traf er punktgenau den Zeitgeist der Achtziger. Schnell steckte der „Safari“ in jedem Schülermäppchen und machte die Lamy GmbH aus Heidelberg weltbekannt. Für Wolfgang Fabian, den Miterfinder des „Safari“, war der Füller der Start in die Selbstständigkeit: 1981 gründete er in Mannheim sein eigenes Büro.

Heute zählt „Fabian Industrie-Design“ zu den renommiertesten Entwerfer-Adressen im Land. Auf der Kundenliste stehen neben Lamy auch Roche Diagnostics, die Halo-Werke, Freudenberg und John Deere. Seit 2008 leitet Sohn Felix Fabian – Jahrgang 1975 – „Fabian Industrie-Design.“

„Stellen Sie sich bitte die Notaufnahme eines Großklinikums vor.“ Mit diesem Satz beginnen Felix Fabian und Thorsten Dreßler, die beiden jungen Entwerfer von „Fabian Industrie-Design“, das Gespräch. Eine Notaufnahme also: High-Tech, wohin man auch sieht. Steriles Weiß. Neonlicht. Von Design keine Spur. Fabian und Dreßler lachen. Genau das Gegenteil ist der Fall: Viele Aufträge ihres Büros nämlich kommen aus der Medizintechnik. „In dieser Branche ähneln sich die Produkte in ihren technischen Fähigkeiten immer mehr“, erklärt Felix Fabian. Durchdachtes Design kann den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen.

Der „respons 910“ beispielsweise, ein automatisiertes klinisch-chemisches Analysesystem, wurde gerade in Essen mit dem „red dot design award“ des Designzentrums Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Ein hohe Ehre, mit der die DiaSys GmbH in Holzheim auf dem harten Markt der Business-to-Business-Produkte wuchern kann. „Beim Investitionsgüter-Design geht es nicht um Mode oder Trends und schon gar nicht um Styling“, sagt Thorsten Dreßler. Statt eine Maschine aufzuhübschen, gelte es, die Knöpfe, Regler, Schalter und Anzeigen so übersichtlich und benutzerfreundlich anzuordnen, dass im Ernstfall keine Sekunde verloren geht. „Wenn ein Patient mit Herzinfarkt eingeliefert wird, bleibt keine Zeit mehr, dicke Bedienungs-Handbücher zu lesen.“

Beträchtliches medizintechnisches Know-how hat sich mittlerweile angesammelt in der schönen Gründerzeit-Villa in der Rheinauer Relaisstraße, wo „Fabian Industrie-Design“ seit 1992 zu Hause ist. „Designer von Investitionsgütern werden früh in die Produktentwicklung eingebunden“, erzählt Felix Fabian. Er vergleicht seine Funktion gern mit der eines Coachs, der von außen kommt und die Fäden entwirrt, die sich in der langen Entwicklungszeit verknotet haben. „Da bringen zig verschiedene Teams zig verschiedene Funktionen des neuen Gerätes zur Marktreife und die Gestaltung strickt am Ende alles zusammen.“

Felix Fabian und Thorsten Dreßler strahlen. Das ist genau ihr Ding. Beide mögen Technik und beide arbeiten gern handwerklich – unten im Keller, in der perfekt ausgestatteten Modellwerkstatt, die sogar über eine Vier-Achsen-CNC-Fräse verfügt. Wie Senior Wolfgang Fabian, der schon vor fast dreißig Jahren seinen ersten Safari-Füller am Schraubstock ausgefeilt hat, so bauen auch seine Nachfolger jeden Prototyp selbst. „Wir testen unsere Entwürfe so lange, bis wir sicher sind, dass sie tatsächlich funktionieren“, erläutert Felix Fabian.

Spannende Materialien schließlich hauchen den nüchternen Laborgeräten ein wenig Sinnlichkeit ein. „Wenn ein Unternehmer 100.000 Euro und mehr für ein Gerät ausgibt, möchte er etwas besitzen, das auch optisch etwas hermacht“, formuliert Fabian. Der „RTS 500“ von Roche Diagnostics etwa, der bei der Suche nach bestimmten Proteinen hilft, besitzt Wandungen in dunklem Anthrazitton. Der Kopf weiß, dass es sich dabei um rauen Kunststoff handeln muss. Doch die Hand will immer anfassen. Will prüfen, ob die Hülle nicht vielleicht doch aus Schiefer besteht. Leider stoßen derlei designerische Einfälle nicht immer auf Gegenliebe bei der Industrie. „Manchmal strengen wir uns richtig an, um für ein Produkt eine gute Form zu finden, und der Kunde merkt es gar nicht.“ Die dunklen Stunden der Industrie-Designer.

Da ist es nett, wenn zwischendurch ein Bügelbrett, eine Haustüre, eine Küchenwaage oder eine Badezimmer-Armatur entworfen werden muss. Oder wenn Lamy wieder einmal auf der Rheinau anklopft. Der Safari ist mittlerweile zu einer ganzen Produktfamilie geworden, die alle zwei oder drei Jahre ein neues farbiges Outfit erhält.

Aus der Werkstatt von Fabian Industrie-Design stammen auch die Ideen für den „Pickup Pro“, eine Kombination aus Kugelschreiber und Textmarker, oder den „agenda“, ein Schreibgerät mit verschiebbarem Chip, speziell für Zeitplaner. Felix Fabian hat derzeit allerdings Größeres im Sinn als Füller und Kulis. Im Mittelpunkt seiner Überlegungen stehen momentan Motorhauben. Für dunkelgrüne Traktoren.