Friatec AG
Wie für die Ewigkeit geschaffen
Die Friedrichsfelder Firma Friatec – eines der traditionsreichsten Mannheimer Unternehmen – ist Spezialist für Produkte aus korrosionsbeständigen und verschleißfesten Werkstoffen. Mit Innovationen wie einer Pumpe für die Solarindustrie ist man für die Zukunft gerüstet.
Das Industriegebiet Friedrichsfeld hat durchaus seine architektonischen Reize. Auf dem Gelände der Friatec legen zahlreiche denkmalgeschützte Monumente Zeugnis ab von der stolzen Industriekultur der Stadt – fast so, als wollten die soliden Backsteinbauten unterstreichen, wofür Friatec seit über 145 Jahren steht: Was hier hergestellt wird, hat Bestand. Denn der 1863 zunächst als Ziegelei gegründete Mannheimer Traditionsbetrieb stellt Produkte aus korrosionsbeständigen und verschleißfesten Werkstoffen her. Am bekanntesten ist auch für den Laien die Verbindungstechnik für Rohrleitungssysteme, durch die Wasser, Abwasser und Gas ins (oder aus dem) Haus strömen. Und obwohl das Unternehmen mittlerweile längst zu neuen Ufern aufgebrochen ist, sind die alten Traditionen nicht vergessen.
Ab 1888 ließ hier Julius Friedrich Espenschied säurefeste Gefäße für die chemische Industrie herstellen. Noch heute zieren die mächtigen Krüge, in denen gelaugt und gebleicht wurde, das Werksgelände. Vorher wurden hier Tonrohre produziert. Bereits 1876 inserierte Espenschied in der „Heidelberger Zeitung“: „Portland Cementwaaren J.F. Espenschied in Friedrichsfeld bei Mannheim liefert runde und eiförmige Röhren in allen Dimensionen, anerkannt das beste und sicherste Material zu Kanalisationen und Wasserleitungen.“ Tatsächlich werden heute noch Rohre verwendet. Diese sind inzwischen jedoch aus Kunststoff und Friatec liefert die Verbindungstechnik dafür.
„Zum Glück haben wir die Phase der reinen Tonröhren-Monokultur hinter uns gelassen. Wir sind froh, dass wir verschiedene Standbeine haben“, betont Alleinvorstand Klaus Wolf. Das Kerngeschäft seien heute die technischen Kunststoffe. Das liegt auch am Friatec-Eigentümer, der Aliaxis S.A., einem belgischen Familienunternehmen, zu dem die Friedrichsfelder seit sechs Jahren gehören. Denn Aliaxis ist der weltgrößte Hersteller von Kunststoff-Rohrleitungssystemen. Daneben gibt es weiterhin die traditionelle Keramik, aber auch Produkte der Gebäudetechnik und Pumpen gehören zur Angebotspalette. Vorteil der unterschiedlichen Geschäftsbereiche: Durch diese Diversifizierung war es bisher möglich, schlechte Marktbedingungen auszugleichen. Das sichert die Arbeitsplätze der 850 Beschäftigten in Mannheim – deutschlandweit sind es knapp 1.200. So wurde Friatec nicht zum Opfer der seit Jahren vor sich hin dümpelnden Bauindustrie, für die man einstmals die Tonrohre produzierte – und auch die momentane Krise hat noch nicht zu dramatischen Umsatzrückgängen geführt.
So geht es gerade im Geschäftsbereich Pumpen steil aufwärts. Hoffnung setzt man dabei beispielsweise auf die Solarindustrie, für die man eine besondere Pumpe entwickelt hat: Sie kommt in so genannten Solarturmkraftwerken und Parabolrinnenkraftwerken zum Einsatz. In diesen Anlagen wird das Sonnenlicht über Spiegelanordnungen konzentriert, um eine Flüssigkeit (Salzschmelze) in einem Primärkreislauf durch Sonnenenergie zu erwärmen. Mit dieser Wärme wird in einem Sekundärkreislauf Dampf erzeugt, der dann eine Dampfturbine mit einem Generator antreibt. Die sehr gute Wärmespeicherfähigkeit von Salz bietet hier eine Lösung, um den Wirkungsgrad dieser Anlagen erheblich zu steigern. Gerade angesichts des derzeitigen Solarbooms könnte die Mannheimer Pumpe, eine der wenigen, die mit der aggressiven Salzschmelze, dem Druck und der Hitze zurechtkommt, ein neuer Exportschlager werden – wenn, so hofft Wolf, die Ölpreise wieder anziehen, denn erst dann arbeiten diese Kraftwerke rentabel. Die Technik ist erprobt, Anlagen in Spanien und den USA laufen schon. Vielleicht ist ja Friatec demnächst beim gigantischen „Desertec“-Projekt in der Sahara mit im Rennen.
Aber auch auf den eher traditionellen Geschäftsfeldern gibt es Neues – was auch daran liegt, dass die Friedrichsfelder besonderen Wert auf Forschung und Entwicklung legen. 5,4 Millionen Euro investiert Friatec in diesen Bereich bei einem Gesamtumsatz von 180 Millionen Euro. Seit 2008 ist „Frialoc“, eine Absperrarmatur für Rohre aus Kunststoff mit innovativer Zwei-Klappen-Technik auf dem Markt, die möglicherweise bald die alten Absperrschieber aus Metall ersetzen wird. Die sind gerade bei Stadtwerken zu Dauerärgernissen geworden, weil die Stahlschieber ständig verrosten und die Rohre nicht mehr richtig verschließen. „Die Stadtwerke sind an „Frialoc“ sehr interessiert“, berichtet Wolf. Innovationen sind unabdingbar, um sich am Markt zu behaupten. Das ist Friatec gelungen. Aus „Deutsche Steinzeug“ und später „Friedrichsfeld GmbH“ wurde 1993 der Name in „Friatec AG“ geändert, wobei das „Fri“ natürlich eine Reverenz an den Standort Friedrichsfeld ist. Die neunziger Jahre waren auch die turbulentesten des Unternehmens. Zunächst sah alles nach einem Boom in der Baubranche aus, in Ostdeutschland waren hunderttausende Häuser zu modernisieren, doch schon bald brach dieser Markt zusammen. Glücklicherweise hatte Friatec, das schon länger über eine kleine Pumpenfabrikation verfügte, bereits 1988 den Wiesbadener Pumpenhersteller Rheinhütte gekauft – und sich auf diese Weise neue Absatzbereiche gesichert.
1996 kaufte sich der Skandalunternehmer Manfred Schmider, der mit dem Flowtex-Skandal für Schlagzeilen und für einen der aufsehenerregendsten Wirtschaftsprozesse in Deutschland sorgte, in die Firma ein. Die damaligen Eigentümer, die Cremer-Gruppe aus dem rheinischen Frechen, waren in Schwierigkeiten und suchten einen Geldgeber. Das Schmider-Intermezzo währte indes nur kurz, er verkaufte Friatec 1998 an die britische Glynwed-Gruppe. Glynwed gab dann die Friatec an die belgische Etex weiter, die zusammen mit dem jetzigen Alleineigentümer Aliaxis in Besitz einer belgischen Familie ist. Wolf ist mit den neuen Entwicklungen zufrieden: „Wir sind bei Aliaxis gut gelandet.“ Für Wolf zählt vor allem, dass Aliaxis keine „Heuschrecke“ ist, sondern die Standorte langfristig halten und ausbauen will. Die Friedrichsfelder danken es auf ihre Weise. Sie erwirtschaften gut ein Zehntel des gesamten Aliaxis-Umsatzes und „sind für Aliaxis ein Vorzeigeunternehmen“, so Wolf.
Davon profitieren auch die Beschäftigten: Die Arbeitsplätze sind sicher, die Fluktuation ist gering. Friatec versucht auch, jedem Lehrling – derzeit um die 70 – eine Stelle anzubieten. Wolf: „Das entspricht unserer Firmenkultur.“ Und deswegen gibt es, trotz diverser Aktivitäten im Ausland, keine Pläne, Mannheim zu verlassen – auch wenn manches Wolf zu schaffen macht: Das hohe Lohnniveau, die hohen Energiesteuern, die gängige Subventionspraxis, die der ostdeutschen Friatec-Konkurrenz Vorteile verschafft. Und natürlich die vielen Nachahmer, die sich darauf verlegt haben, die Friatec-Produkte zu kopieren. „Wir haben einen Vorsprung von zwei Jahren in der Innovation“, weiß Wolf. Und dieser Vorteil muss immer wieder aufs Neue verteidigt werden.
Überhaupt sind die Friedrichsfelder überraschend konservativ, was die gepriesenen neuen Märkte angeht: Das Unternehmen mit einer Exportquote von etwas über 50 Prozent liefert hauptsächlich nach Frankreich, Skandinavien und Nordamerika, aber auch Russland und die GUS-Staaten gelten als interessant. China steht weniger im Fokus, dafür verspricht man sich viel vom Nahen Osten. Hier könnten bald große Meerwasserentsalzungsanlagen mit Mannheimer Pumpentechnik entstehen. Umsätze, die gebraucht werden, denn Wolf, der seit etwas mehr als einem Jahr Alleinvorstand von Friatec ist, ist sich sicher, dass der deutsche Markt dauerhaft schwächelt. Er weiß aber auch von den Vorzügen des Wirtschaftsstandortes Mannheim zu berichten: seine zentrale Lage, die Nähe zu schönen Landschaften, die er gern seinen jährlich rund 4.000 Gästen zeigt, und seinen direkten Draht zur Wirtschaftsförderung. Schließlich: Tradition verpflichtet – das gilt auch für Wolf persönlich, der 1979 als technischer Konstrukteur in der Keramiksparte anfing und dessen Vater ebenfalls bei der „Steinzeug“ angestellt war.


