SCA Hygiene Products GmbH
Top-Marken vom Waldhof
Von den Mannheimern wird es immer noch liebevoll „Zellstoff“ genannt – das 1884 durch den BASF-Mitbegründer Carl Clemm sowie Carl und Rudolf Haas gegründete Papierwerk im Mannheimer Stadtteil Waldhof. Heute ist die „Zellstoff“ die größte Produktionsstätte für Hygienepapiere des schwedischen Konzerns SCA.
Es geschah in den 1970er Jahren, da war der Name eines Mannheimer Stadtteils plötzlich in aller Munde. Über die Fernsehbildschirme der Republik flimmerte der Werbespot für ein Produkt, das die deutschen Putzgewohnheiten kräftig aufmischen sollte: das Haushaltstuch “Zewa”. Durch den eingängigen Slogan “mit einem Wisch ist alles weg“ wurde die Marke schnell bundesweit bekannt. Was viele allerdings bis heute nicht wissen: Zewa steht für „Zellstofffabrik Waldhof” – einen traditionsreichen Mannheimer Stadtteil, in dem der Markenartikel bis heute hergestellt wird.
Die Zellstofffabrik Mannheim wurde 1884 – also vor 125 Jahren – gegründet. Am Anfang wurde auf dem Areal am Altrhein vor allem Zellstoff für die Papierindustrie hergestellt. Auch Packpapier lief auf dem Waldhof vom Band. Die Hygiene-Papier-Produktion und mit ihr das erfolgreiche Zewa-Markenartikel-Programm ging allerdings erst einige Jahrzehnte später, nämlich 1960, an den Start. Zu den Zewa-Haushaltstüchern kam bald eine weitere bekannte Marke hinzu: die Taschentücher Zewa Softis, mit denen sich das Mannheimer Unternehmen gegenüber dem Konkurrenten Tempo in Position brachte. Seit 1995 segelt das Unternehmen im Mannheimer Norden unter schwedischer Flagge: Der Konzern SCA übernahm das Werk, das 1970 mit den Aschaffenburger Zellstoffwerken zu den PWA Papierwerken Waldhof-Aschaffenburg fusioniert worden war, und benannte es später in SCA Hygiene Products um. Die Bedeutung des Standorts ist allerdings geblieben: Mannheim ist heute das größte Werk für Hygienepapiere innerhalb des schwedischen Konzerns, auf dem Waldhof arbeiten insgesamt 2.000 Beschäftigte. Im Jahr werden rund 260.000 Tonnen Hygienepapiere produziert – davon allein 10 Millionen Toilettenrollen.
Dabei spielt vor allem die Marke Zewa eine wichtige Rolle. Daneben stellt SCA in Mannheim auch die Umweltmarke “Danke” her – Toilettenpapier, das zu hundert Prozent aus Altpapier besteht. Weggefallen ist hingegen vor einiger Zeit die Softis-Produktion. Nachdem der SCA-Konzern 2007 von Procter & Gamble die Marke Tempo und die Europa-Lizenzen für Charmin und Bounty übernommen hatte, musste sich das Unternehmen aus kartellrechtlichen Gründen in Deutschland und Österreich von den Zewa Softis trennen. Zum zweiten Schwerpunkt hat sich neben den Markenprodukten inzwischen das Geschäft mit Handelsmarken gemausert. Dabei stellt SCA Toilettenpapier oder Taschentücher für Handelsketten her, die die Produkte in ihren
Filialen dann als ihre eigene Marke verkaufen.
Die Bedeutung des Mannheimer SCA-Standorts zeigt sich aber nicht nur in der Produktion, in der derzeit rund 1.600 Mitarbeiter beschäftigt sind. Vom Waldhof aus wird auch der Vertrieb für Österreich und die Schweiz gesteuert. Dazu kommt die Entwicklungsabteilung. Hier wird stetig daran geforscht, die Produkte aus dem Hause SCA weiter zu verbessern. Schließlich stellen die Kunden immer höhere Anforderungen. Neben der reinen Funktion gewinnt beispielsweise das Design von Küchentüchern oder Toilettenpapier zunehmend an Bedeutung.
Zum Thema Zukunft gehört für den fünftgrößten Arbeitgeber in der Quadratestadt jedoch nicht nur das Thema Entwicklung neuer Produkte, sondern auch das Thema Ausbildung, Mitarbeiterentwicklung sowie Beruf und Familie. 2005 wurde auf dem Waldhof ein neues Ausbildungszentrum eröffnet, im Moment sind fast 100 Lehrlinge bei SCA beschäftigt. Angebotene Ausbildungsberufe sind unter anderem Industriemechaniker, Papiertechnologe, Industrie-Kaufleute sowie Elektroniker für Betriebstechnik und Automatisierungstechnik. In Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Mannheim werden auch Bachelors of Arts (Industrie) und Bachelors of Science (Wirtschaftsinformatik) ausgebildet. Anstrengungen, die sich auszahlen: So wurde SCA von dem Employer-Branding-Researchunternehmen CRF mehrmals als „Top-Arbeitgeber“ ausgezeichnet, das Handelsblatt-Magazin „Junge Karriere“ verlieh den Mannheimern den Titel „Fair Company“ und pünktlich zum Jubiläum erhielt der Markenartikelhersteller jetzt von der Hertie-Stiftung das Zertifikat „Familienfreundliches Unternehmen“.
Thomas Wüst, kaufmännischer Geschäftsführer, und Roger Schilling, technischer Geschäftsführer sowie Werksleiter, sind überzeugt, dass das traditionsreiche Unternehmen auch in der aktuellen wirtschaftlichen Lage erfolgreich sein wird: „Aufgrund von umfangreichen Investitionen in den vergangenen Jahren sowie starken Marken und Konzepten und einem nachhaltigen Verständnis von Umweltschutz und Mitarbeiterentwicklung sehen wir der Zukunft vertrauensvoll entgegen“, sagt Schilling, und Wüst ergänzt: „Da unsere Produkte auch in Krisenzeiten gebraucht werden, haben wir gute Chancen, aus der jetzigen schwierigen Situation als Gewinner hervorzugehen.“


