Mannheimer Firmen stärken den Standort
Investitionen fließen weiter
In Krisenzeiten lässt in der Regel die Investitionslust der Unternehmer nach. Zahlreiche Mannheimer Unternehmen stehen jedoch trotz dunkler Wolken am Wirtschaftshimmel zu ihrem Standort.
Nehmen wir das Grosskraftwerk Mannheim (GKM), das eines der effizientesten Steinkohlekraftwerke Europas betreibt. Es erzeugt Strom für rund 1,5 Millionen Menschen, Gewerbe und Industrie sowie Fernwärme für rund 110.000 Haushalte, produziert außerdem 10 Prozent des Strombedarfs der Deutschen Bahn. Ein großer „Kraftprotz“, der sich mit seiner installierten Leistung von 1.675 MW schon von weitem mächtig aus der Landschaft heraushebt.
Jetzt wird auf dem Werksgelände in Mannheim-Neckarau für 1,2 Milliarden Euro ein neuer Kraftwerksblock gebaut, er soll zwei alte Energieanlagen ersetzen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat im Sommer 2009 die Genehmigung erteilt. Der neue Block 9 mit einer elektrischen Bruttoleistung von 911 MW ist nicht unumstritten in der Region. Gegner sprechen von einer „Dinosauriertechnologie“, fordern vielmehr den Einsatz alternativer und erneuerbarer Energien. Die Stadt Mannheim sowie die Aktionäre MVV Energie AG, RWE und EnBW, aber auch die Stuttgarter Landesregierung, halten dagegen die Investition für unumgänglich. Die stillzulegenden Blöcke 3 und 4 haben das Ende ihrer Laufzeit erreicht, der neue Block 9 soll nach deren Stilllegung die langfristige Strom und Fernwärmeversorgung gewährleisten und außerdem einen Beitrag für einen besseren Umwelt- und Klimaschutz leisten. Darüber hinaus sichert die Investition von 1,2 Milliarden Euro viele Arbeitsplätze an Rhein und Neckar. 2013 soll Block 9 anlaufen und dann 25 Prozent des Strombedarfs der Metropolregion decken.
Ein herausragender Investor in Mannheim ist seit Jahren der schweizerische Roche-Konzern, der hier an seinem wichtigsten Diagnostika-Standort rund 7.400 Menschen beschäftigt. Seit Roche im Jahre 1998 die einstige Boehringer Mannheim GmbH für 18 Milliarden D-Mark übernahm, hat der Baseler Gesundheitsriese den Standort Mannheim kontinuierlich ausgebaut. Im Jahr 2008 kündigte die Baseler Konzernzentrale an, sie wolle am Standort Deutschland bis 2010/2011 insgesamt 500 Millionen Euro investieren. Von dieser Summe sollen 200 Millionen Euro auf Mannheim entfallen.
Derzeit werden bei Roche in Mannheim vier Bauprojekte durchgezogen. So entsteht ein neues Pharma-Produktionsgebäude für 73 Millionen Euro, ein Lager- und Abwicklungszentrum für 58 Millionen Euro, ein modernes Bürogebäude für 31 Millionen Euro sowie ein Komplex für die Immundiagnostik-Produktion, der Investitionen von 54 Millionen Euro erfordert. Alle diese Vorhaben machen deutlich: Roche setzt in hohem Maße auf den Standort Mannheim.
Die Logistik spielt bei Roche in Mannheim eine große Rolle, das Gleiche gilt auch für den französischen Alstom-Konzern, der vor Jahren in der Quadratestadt von ABB den Kraftwerksbau übernahm. Heute fertigen die 2.000 Beschäftigten vor allem Turbinen. Um dies noch effizienter machen zu können, ist jetzt für drei Millionen Euro ein neues Logistikzentrum errichtet worden. „Ein großer Tag für unser Werk in Mannheim“, sagte Alstom-Senior Vice President Guy Chardon bei der Eröffnung. In dem Logistikzentrum mit einer Gesamtfläche von 2.500 Quadratmetern werden vor allem große Turbinenteile gelagert. Gerne haben die Mitarbeiter folgenden Satz von Monsieur Chardon gehört: „Mannheim war immer ein Schlüsselstandort für Alstom und wird auch in den kommenden Jahren weiter eine wichtige Rolle spielen“.
Auch ein anderes Unternehmen bleibt seinem traditionsreichen Standort treu und investiert hier kräftig: Die Rhein Chemie Rheinau GmbH. Einst Teil des Bayer-Konzerns gehört die Firmengruppe heute zur Lanxess AG, in die vor Jahren die einstigen Bayer-Chemieaktivitäten ausgegliedert wurden. Rhein Chemie produziert seit mehr als 100 Jahren maßgeschneiderte Additive und Serviceprodukte für die Kautschuk-, Schmierstoff und Kunststoffindustrie. Weltweit werden 850 Mitarbeiter beschäftigt, davon 500 am Hauptsitz in Mannheim.
Trotz der schweren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzte die Rhein Chemie ihre Wachstums-Strategie konsequent fort. So wurden bereits Ende 2008 in Mannheim und im chinesischen Qingdao zwei neue Produktionsanlagen in Betrieb genommen, die rund 12 Millionen Euro kosteten. Allein in Mannheim fielen Investitionen von 7 Millionen Euro an. In dem neuen Mannheimer Betrieb stellt das Unternehmen die weltweit erfolgreiche Rhenogran-Produktlinie her. Hierbei handelt es sich um Kautschukchemikalien, die beispielsweise bei der Herstellung von Reifen und Dichtungen zum Einsatz kommen.
Auch die Siemens Niederlassung Mannheim investierte 12 Millionen Euro in ihren Standort, EvoBus 9,3 Millionen Euro in einen neuen Gebäudekomplex. Siemens, EvoBus, Grosskraftwerk Mannheim, Roche, Alstom und Rhein Chemie – sechs Beispiele dafür, dass Mannheim gerade auch aus dem Blickwinkel großer Konzerne nach wie vor ein attraktiver Investitionsstandort ist. Die derzeitige Wirtschaftskrise hat daran nichts geändert.


