Best-Practice-Beispiele Unternehmen, die Verantwortung übernehmen

18 Mannheimer Unternehmen und lokale Institutionen erzählten auf der „Allee der Innovationen“ ihre Erfolgsgeschichten in der Quadratestadt. Aus den Bannern dieser Initiative des Stadtmarketings entstanden „Comebags“, die zum Anlass der Neugestaltung der Tourist-Info präsentiert wurden – zur Freude von Christian Tschürtz (5.v.l.). Foto: Tröster

Das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) ist endgültig in den Firmen der Region angekommen. Von der Entwicklung nachhaltiger Produkte bis zu speziellen Lehrplaninhalten für Management-Studierende reichen die Konzepte, die eine moderne unternehmerische Gesellschaftsverantwortung widerspiegeln. Wir stellen verschiedene Ansätze von Mannheimer Betrieben und Initiativen im Detail vor.

Comebags – ein zweites Leben für Werbebanner
Schon immer ärgerte sich der Mannheimer Marketingfachmann Christian Tschürtz, Inhaber der Agentur ct3-kommunikation, dass die von ihm gestalteten Werbebanner nach ihrem Einsatz im Abfall landeten. Seine kreative Idee: ein zweites Leben für die plakative Werbung. Das Projekt Comebags war geboren – und traf auf große Resonanz. Bereits seit 2011 fertigen nun rund 40 Mitarbeiter der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten aus Lkw-Planen und Werbebannern, die sie direkt von den ehemaligen Nutzern erhalten, strapazierfähige Taschen. Die Win-win-Situation: Durch die Wiederverwendung des Materials wird die Umwelt geschont, und die engagierten Firmen punkten mit ihrem ökologischen Einsatz, können sich mit den Unikat-Taschen optimal identifizieren und sie beispielsweise an die Belegschaft oder Kunden verschenken. Neben dem umweltfreundlichen Aspekt legt Comebags viel Wert auf soziale Nachhaltigkeit: Es sind Menschen mit Behinderung, die die Taschen herstellen und selbstverständlich einen fairen Anteil der Einnahmen erhalten. „Wir legen die Kalkulation im Internet offen“, betont Tschürtz.

Mannheim Business School – soziale Projekte als Managementaufgabe
Ein „Social Sustainability Project“ ist Pflicht in den MBA-Programmen der Mannheim Business School (MBS), in der die Weiterbildungsaktivitäten der Universität Mannheim gebündelt werden. Dass die neu gewonnenen Management-Kenntnisse dabei ganz praktisch angewandt werden können, ist ein wunderbarer Nebeneffekt. Ob die Zusammenarbeit mit der Mannheimer Jugendfeuerwehr, die Verteilung von Mahlzeiten an Obdachlose und bedürftige Familien gemeinsam mit den Studierenden der ESSEC Business School in Paris oder der Charitylauf „Runtegrate“ für Kinder und Jugendliche im Mannheimer Stadtteil Jungbusch – das Spektrum ist breit. Auch im Alltag an der MBS findet das Thema Nachhaltigkeit durchaus Beachtung. Dies zeigt eine von den Beschäftigten getragene Initiative: Im Mittelpunkt steht die umweltbewusste Gestaltung von Prozessen am Arbeitsplatz, zum Beispiel durch eine deutliche Reduktion des Papierausstoßes beim Drucken.

Bauhaus – Fokus auf nachhaltige Produkte
„Pro Planet“ heißt das Gütesiegel, mit dem die Bauhaus Fachcentren mit Sitz in Mannheim die Produkte auszeichnen, die mit Nachhaltigkeit punkten – eine wichtige Orientierung für die Käufer. Als Mitglied der Business Social Compliance Initiative (BSCI) engagiert sich Bauhaus darüber hinaus bei der Einhaltung und Verbesserung der Sozialstandards und Arbeitsbedingungen innerhalb seiner interna­tionalen Lieferketten. Dachbegrünung, Tageslichtzonen, Nutzung von Regenwasser, hochmoderne Heizungsanlagen und energiesparende LED-Technik sowie nach dem GreenBuilding-Standard der EU realisierte neue Filialen kommen ebenfalls dem Umweltschutz zugute. Eine aktuelle Initiative widmet sich außerdem Produkten, die dem Bienensterben entgegenwirken sollen, wie Bienenhäuser oder Insektenhotels.

Roche – Gesundheitsblitzlichter und Sicherheitsparcours
Rückengesundheit, Schlaganfall, Stress, Impfen und Sucht – jeweils 20 Minuten dauern die „Gesundheitsblitzlichter“, die die Mitarbeitenden von Roche am Standort Mannheim für diese wichtigen Themen sensibilisieren und gleichzeitig Tipps für den Alltag vermitteln. Doch auch interaktiv ist die Projektreihe „Gesundheit und Sicherheit – aktiv und mitarbeiternah“ unterwegs. Beim Sicherheitsparcours geht es um das Sammeln von praktischen Erfahrungen, angefangen von der Bewältigung eines Stolper-Sturz-Parcours bis zur Zuordnung von Abfall- und Entsorgungskosten im Rahmen eines Memorys. Die Initiative und die daraus folgenden sinkenden Unfallzahlen wurden vom Verband der Chemischen Industrie in Baden-Württemberg im August 2018 mit dem Responsible Care-Preis belohnt.

Eine ganze Blitzlichtwoche zum Thema Gesundheit startete das Unternehmen bei der jährlichen Wellbeing-Woche Ende September 2018. Unter dem Motto „Digital Wellbeing“ drehte sich alles rund um Gesundheit und Balance im digitalen Zeitalter.

SUNTAT Europe – Einsatz für das Grundgesetz
„Demokratie – Was geht uns das Grundgesetz an?“ war eine Posterausstellung überschrieben, die Schülerinnen und Schüler der Johannes-Kepler-Gemeinschaftsschule im Mannheimer Rathaus im Juni 2018 vorstellten. Die wichtigste Aussage der jungen Leute: „Jeder soll leben, wie er will.“ Die Präsentation war Teil der jährlichen Veranstaltungsreihe „Bildung, Beteiligung und Demokratie“ des Deutsch-Türkischen Instituts für Arbeit und Bildung (DTI) und der Stadt Mannheim. Mustafa Baklan, Vorsitzender des Vereins und Geschäftsführer der SUNTAT-Unternehmensgruppe, bedankte sich bei den Schülern für den großen Einsatz: „Gerade jetzt braucht die Demokratie Menschen – und insbesondere junge Bürgerinnen und Bürger –, die sich einmischen, Verantwortung übernehmen und Engagement zeigen.“ Zur Feier des 70. Geburtstags des Grundgesetzes im Mai 2019 ist ein großes musikalisch-kulturelles Integrationsprojekt geplant. Der Bereich Bildung liegt dem Unternehmen sehr am Herzen. So ist SUNTAT Hauptsponsor der Mannheimer Hochschule der Wirtschaft für Management und unterstützt Schülerinnen und Schüler in der Türkei über den Verein SUNTAT Bildungsbrücke mit Material und Fördergeldern.

IHK Rhein-Neckar – Netzwerk „Gesellschaftliche Verantwortung“ (CSR)
„Egal ob in den Themenfeldern Gesellschaft und Soziales, Umwelt, Mitarbeiter oder Produktion: Viele Firmen, besonders aus dem Mittelstand, setzen das Prinzip der Ehrbaren Kauffrau bzw. des Ehrbaren Kaufmanns aktiv in die Tat um. Wir bieten ihnen eine Plattform, ihre Ideen vorzustellen, sich mit anderen Unternehmen sowie Vertretern aus Gesellschaft und Wissenschaft darüber auszutauschen und im Dialog untereinander neue Ansätze für ihre Projekte zu entwickeln“, erklärt Annegret Rupp, Mitarbeiterin in der Pressestelle der IHK Rhein-Neckar, die zusammen mit Pressesprecherin Andrea Kiefer die Veranstaltungsreihe „CSR-Frühstücke“ betreut. Diese ging 2017 in das IHK-Netzwerk „Gesellschaftliche Verantwortung“ über. Seit 2011 hat die IHK Rhein-Neckar bereits zu über 70 CSR-Frühstücken eingeladen, in denen die verschiedensten Unternehmen ihre CSR-Aktivitäten präsentierten. Zu den Teilnehmern zählen Unternehmen aus allen Branchen, vertreten durch Geschäftsführer bis zum CSR-Beauftragten. Repräsentanten aus Gesellschaft und Wissenschaft haben sich dem Netzwerk ebenfalls angeschlossen.

Mehr im Internet:
Informieren Sie sich über das IHK-Netzwerk „Gesellschaftliche Verantwortung“ und die nächsten CSR-Frühstücke.