Die Zahl der Übernachtungen steigt Hotelboom in Mannheim

Freuen sich auf die Eröffnung des Hilton Garden Inn im April 2019: Hoteldirektor Anastasios Spiriadis, ARIVA-Geschäftsführer Achim Ihrig,
Bauleiter Walter Varady und Oberbauleiter Reinhard Schwab (v.l.) Foto: D&S / Johannes Vogt

Mannheim ist auf dem besten Weg, eine der Top-Destinationen im Südwesten zu werden – das hat auch die Hotelindustrie erkannt. Knapp 1.500 Hotelzimmer sind Ende 2018 in Mannheim im Bau oder fest geplant.

Hotspot des Hotelbooms ist das Gebiet rund um den Hauptbahnhof – vor allem auf dem ehemaligen Postareal. 2018 läuft hier die Preopening-Phase des neuen Hilton Garden Inn, das im April 2019 seine Pforten am Willy-Brandt-Platz öffnen wird. Mit 195 Zimmern, zwei Suiten und einem Konferenzbereich mit acht Tagungsräumen ist es das fünfte Haus der ARIVA Hotel GmbH, einer Tochter der DIRINGER & SCHEIDEL (D&S)-Unternehmensgruppe. Besonderer Blickfang sind gleich vier repräsentative Säulenportale aus wilhelminischer Zeit, die seinerzeit das inzwischen abgerissene altehrwürdige Reichspostamt zierten. Achim Ihrig, ARIVA-Geschäftsführer und Mitglied der D&S-Geschäftsführung, freut sich, dass es gelang, nach dem Radisson Blu in der Mannheimer Innenstadt und zwei Best Western Hotels eine weitere internationale Marke für Mannheim zu gewinnen. Im mittleren Teil des Geländes, das von dem Aschaffenburger Entwickler EYEMAXX Real Estate gestaltet wird, sind zwei Hotels mit 320 Räumen sowie ein Boardinghouse mit 128 Zimmern geplant – das Projekt wurde bereits 2017 an die AccorInvest Germany veräußert, die die Häuser unter den Namen Ibis, Ibis Budget und Adagio betreiben wird.

Auch der Berliner Hotelentwickler GBI ist mit im Boot. Er plant auf dem Areal ebenfalls die Errichtung von Beherbergungsbetrieben. So ist in der Reichskanzler-Müller-Straße ein Holiday InnExpress mit 160 Räumen und ein SMARTments business mit 113 Apartments für Longstay-Gäste wie Berufseinsteiger, Projektmitarbeiter, Pendler oder Künstler mit befristeten Engagements vorgesehen. „Ein solches Angebot wird in einer wirtschaftsstarken Metropole wie Mannheim immer wichtiger“, verlautet aus dem Unternehmen. Die Baugenehmigung wird noch 2018 erwartet. Der Baubeginn soll im Frühjahr 2019 erfolgen. Das Projekt SMARTments business wurde bereits an die HanseMerkur Grundvermögen AG verkauft.

Auf einem Grundstück in der Seckenheimer Straße ist die GBI bereits aktiv. Dort baut das Unternehmen für die NH-Gruppe ein 4-Sterne-Business Hotel mit 225 Zimmern und ein Budgethotel der Marke „niu“ für die Novum Hotel Group mit 168 Zimmern. Die Fertigstellung erfolgt Ende 2018. Ein Käufer für die Immobilien wurde bereits gefunden: Im Mai 2017 erwarb die Commerz Real die Hotels für ihren offenen Immobilienfonds hausInvest. „Mannheim ist der Mittelpunkt der Metropolregion Rhein-Neckar, einer der stärksten Wirtschaftsräume Europas und zunehmend attraktiv für Geschäftsreisende und Städtetouristen“, so Andreas Muschter, Vorstandsvorsitzender der Commerz Real. „Indem wir in Hotels für genau diese Zielgruppe investieren, geben wir unseren Anlegern die Möglichkeit, von diesem Wachstum zu profitieren und diversifizieren gleichzeitig unser Portfolio.“ Auch Rainer Nittka, Vorstandssprecher der GBI AG, sieht den Standort Mannheim sehr positiv: „Seit mehreren Jahren haben sich die Markt-Kennzahlen hier deutlich verbessert.“

Auf der Südseite des Hauptbahnhofs, wo das Glückstein-Quartier entsteht, wächst ebenfalls ein neues Hotel empor. Dort errichtet die Schweizerische SSN Group den Büro- und Hotelkomplex „No. 1“. Das Objekt soll Anfang 2020 bezugsfertig sein und wird ein Holiday Inn-Hotel mit 150 Zimmern, Gastronomie und Konferenzräumen beherbergen. Die Investitionssumme des gesamten Projekts beläuft sich auf rund 90 Millionen Euro.

Selbst für die Mannheimer Innenstadt interessieren sich nationale und internationale Hotelketten. So möchte die deutsche Hotelkette Motel One, an der auch die Familie von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp beteiligt ist, mit einem ihrer Designhotels in das Postgebäude in O2 einziehen. Der britische Hospitality-Marktführer Whitbread hat sich das Woolworth-Gelände in der Breiten Straße gesichert und plant, hier nach dem Abriss des Kaufhauses bis Ende 2020 ein Haus seiner Marke Premier Inn zu errichten. Die Briten treiben ihre Expansion in Deutschland mit Kraft voran und wollen bis Ende 2020 rund 30 Hotels an den Start bringen.

Derzeit verfügt Mannheim über rund 7.500 Übernachtungsmöglichkeiten, eine Zahl, die allein von 2012 bis 2016 um 11,6 Prozent zugenommen hat, vor allem durch die Eröffnung des Radisson Blu Hotel im Stadtquartier Q 6 Q 7 Ende 2016. Parallel kamen immer mehr Besucher. Seit 2002 hat sich die Zahl der Übernachtungen in der Quadratestadt von 690.000 auf knapp 1,4 Millionen Ende 2017 verdoppelt – und die Tendenz geht weiter nach oben. Bis Ende März 2018 zeigt die Statistik ein weiteres Plus von 10 Prozent an. Die positive Entwicklung bei den Gästen in Mannheim hat trotz des Anstiegs der Zimmer zu einer besseren Auslastung geführt. Diese lag 2016 bereits bei 48,6 Prozent gegenüber 39,5 Prozent im Jahr 2002 – und damit 11 Prozentpunkte über dem Durchschnitt in Deutschland, so die aktuellen Zahlen des Mannheimer Stadtmarketings.

„Die Kongressgesellschaft m:con sieht eine Erweiterung der Kapazitäten im fußläufigen Bereich um das Congress Center Rosengarten durchaus positiv. Das würde die Möglichkeit erhöhen, Tagungs- und Kongressveranstaltern mehr zusammenhängende Kontingente zur Verfügung stellen zu können“, weiß Dr. Wolfgang Miodek, stellvertretender Leiter der Mannheimer Wirtschaftsförderung. „Wir werden häufig von den ansässigen Unternehmen auf Übernachtungsmöglichkeiten in Mannheim angesprochen. Insbesondere während der Tagungs- und Kongress-Saison ist die Mannheimer Hotellerie jedoch oft ausgebucht und manche Firmen müssen ihre Gäste, Kunden, Mitarbeiter, Monteure und Schulungsteilnehmer im Umland oder in kleinen Gasthöfen ohne akzeptable Verbindungen zum öffentlichen Nahverkehr unterbringen. Gerade mit Blick auf internationale Gäste ist auch die Präsenz global bekannter Hotelmarken von großer Bedeutung.“