Grundstücke heiß begehrt Glückstein-Quartier auf der Zielgeraden

Im Laufe des Jahrs 2020 werden rund 600 Mitarbeiter der SV SparkassenVersicherung in in das Quartier4 einziehen. Die Baustelle ist im Vordergrund des Fotos zu sehen. Foto: D&S / Johannes Vogt

Es ist eines der ambitioniertesten Stadtentwicklungsprojekte in Mannheim: das Glückstein-Quartier auf der Südseite des Hauptbahnhofs. Auf dem 33 Hektar großen Areal sollen einmal rund 4.600 Menschen einen Arbeitsplatz finden.

Eigentlich war Hanns Glückstein leitender Bankbeamter – doch bekannt wurde er wegen seiner Mundart-Gedichte und Glossen, die die Lebenskraft seiner Heimat, der Kurpfalz, widerspiegeln. Heute ist er der perfekte Namenspatron für das wachsende Glückstein-Quartier, in dem sich derzeit noch viele Baukräne drehen. Es sieht 2020 seiner Vollendung entgegen.

Bereits im Bau ist das „Quartier4“ der SV SparkassenVersicherung, das aus einem bis zu zwölfstöckigen Büro- und Wohngebäude mit 77 Einheiten besteht. Einen Großteil der Büroflächen nutzt die SV für ihre Mannheimer Mitarbeiter sowie die Belegschaft der SV Informatik (SVI), das IT-Tochterunternehmen der SV. Die übrigen Büroflächen sowie die Wohnungen werden vermietet. Gespräche mit ersten Interessenten laufen bereits.

Für die Beschäftigten der SV und der SVI entstehen moderne Arbeitsplätze nach dem „Business Club“-Prinzip. Bis auf wenige Ausnahmen sind diese nicht mehr persönlich zugeordnet. Abhängig von der Aufgabe und den persönlichen Vorlieben wählen die Mitarbeiter einer Organisationseinheit aus verschiedenen angebotenen Arbeitsplatztypen den Platz aus, der zu ihren aktuell anstehenden Aufgabenstellungen am besten passt.

„Die Arbeitsplätze in unseren neuen Räumlichkeiten im Glückstein-Quartier sollen eine moderne Form der Zusammenarbeit ermöglichen, die auch den geänderten IT-Rahmenbedingungen gerecht wird“, so SV-Finanzvorstand Roland Oppermann. „Aus Konzernsicht bot es sich darüber hinaus an, die zentrale Lage von Mannheim im Geschäftsgebiet der SV und die Nähe zum Mannheimer Hauptbahnhof zu nutzen, um ein Projektkonferenzzentrum einzurichten. Deshalb haben wir uns zu dieser Investition in Höhe von 85 Millionen Euro entschlossen.“

Die Arbeiten am Komplex „No. 1“ schreiten ebenfalls rasch voran. Der schweizerische Projektentwickler SSN Group errichtet in unmittelbarer Nähe zum Victoria-Turm ein Hotel- und Bürogebäude mit sechs Sockelgeschossen sowie einem Hochhaus als „Landmark“ mit einer Höhe von 23 Metern. Ankermieter sind die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) auf 4.700 Quadratmetern sowie ein Holiday Inn Hotel mit 150 Zimmern auf 6.200 Quadratmetern. Für den Hotelteil konnte mit GS Star ein etablierter Pächter langfristig gebunden werden. Als weitere Mieter konnten ein renommiertes E-Commerce-Unternehmen und ein IT-Beratungsunternehmen gewonnen werden. Die Gesamtmietfläche beträgt 20.500 Quadratmeter und es stehen 128 Pkw-Stellplätze bereit. Die Fertigstellung der Bauarbeiten und die Übergabe der Mietflächen sind für Anfang 2020 geplant. „Das No. 1 in Mannheim ist eines unserer wichtigen Landmark-Projekte im Portfolio der SSN Group“, sagt Bernhard H. Hansen, CEO der SSN Group für Deutschland. „Unser Gebäude wird ein Teil des neuen Glückstein-Quartiers sein und diesem bedeutenden Areal im Herzen Mannheims ein neues Gesicht geben.“ In der ersten Reihe des Glückstein-Quartiers läuft der Vertrieb hervorragend und es sind weniger als 25 Prozent der Büromietflächen in No. 1 noch verfügbar. Die SSN Group und ihre Teams haben bereits Projekte im Wert von über 7,5 Milliarden Euro erfolgreich umgesetzt.

Anfang Juli 2018 fiel der Startschuss für den Bau des Neuen Technischen Rathauses im Glückstein-Quartier. In dem neuen Verwaltungssitz, der auf Baufeld 5 entsteht, sollen ab Anfang 2021 rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der städtischen Fachbereiche aus dem Dezernat IV für Planung, Bauen, Verkehr, Sport sowie dem Dezernat V für Bürgerservice, Umwelt und technische Betriebe Platz finden. Die GBG – Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft übernimmt im Auftrag der Stadt Mannheim die Planung und Umsetzung des Großprojekts mit einem Investitionsvolumen von rund 93 Millionen Euro. „Wir freuen uns über das Vertrauen der Stadt Mannheim“, erklärt Geschäftsführer Karl-Heinz Frings. „Der Neubau wird die Anforderungen des Standards KfW-Effizienzhaus 55 und damit hohe energetische Ansprüche erfüllen.“
Direkt daneben sieht das neue Mobilitätshaus zum Ende des Jahres 2018 seiner Fertigstellung entgegen. Mit Investitionskosten von rund 18,6 Millionen Euro wurde hier ein Gebäude errichtet, das weit mehr als nur ein Parkhaus ist. Mit 600 stützen- und barrierefreien XXL-Stellplätzen, Park & Ride- und Car-Sharing-Angeboten, Elektrotankstellen, Fahrradabstellplätzen und einer durchdachten Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr setzen die Mannheimer Parkhausbetriebe (MPB) auf Verkehrskonzepte der Zukunft. Dabei ist die direkte Anbindung an den Mannheimer Hauptbahnhof ein ganz wichtiger Faktor. „Der Parkhauskunde wird sein Automobil oder Fahrrad abstellen und in wenigen Minuten bequem zu Fuß durch die Unterführung direkt an den Zug oder ins Bahnhofsgebäude selbst gelangen können“, beschreibt Dr. Karl-Ludwig Ballreich, Geschäftsführer der MPB, die Vorzüge des Projekts.

„Wir bauen nach oben“, weist Ballreich auf eine weitere Besonderheit hin. Will heißen: Dieses Parkhaus geht nicht vorrangig in die Tiefe, sondern setzt mit seinen sieben oberirdischen Etagen einen eigenen baulichen Akzent. „Es könnte sich auch um die hochwertige Fassade eines Bürogebäudes handeln“, stellt Ballreich mit Blick auf die luftige Optik fest, die durch die lamellenartige Struktur entstehen wird. Diese Transparenz, die auf den Entwurf des Berliner Architekturbüros Weinmiller zurückgeht, hat zugleich einen ganz praktischen Nutzen: Es fällt Tageslicht ins Innere, und man kann nach draußen sehen. Ein Umstand, den Parkhausnutzer erfahrungsgemäß zu schätzen wissen. „Mit seinem ausgeklügelten Schallschutz, der geplanten Begrünung und der auf dem Dach installierten Photovoltaikanlage wird sich das architektonisch anspruchsvolle Gebäude perfekt in sein Umfeld einfügen“, so Ballreich weiter. Die MPB besitzen und unterhalten rund 20.000 Stellplätze, überwiegend in Mannheim. Diese verteilen sich auf etwa 60 Parkhäuser und Parkplätze.

Doch auch historische Bauten haben im Glückstein-Quartier ihren Platz. Sowohl die Bewohner des Stadtteils Lindenhof als auch der Verein Rhein-Neckar-Industriekultur hatten sich für den Erhalt des ehemaligen Lokschuppens und des benachbarten Werkstattsgebäudes auf dem Areal stark gemacht – gehört das denkmalgeschützte Ensemble doch zu den ältesten Teilen des 1872 bis 1876 errichteten erweiterten Mannheimer Hauptbahnhofes jenseits der breiten Gleisanlagen. Das Engagement hat sich gelohnt. In den zum Bürogebäude umgebauten Lokschuppen sind bereits zwei Firmen eingezogen, während im ehemaligen Werkstattgebäude die Franchise-Kette „Hans im Glück“ mit Edel-Burgern, Salaten und Cocktails ab der ersten Jahreshälfte 2019 gehobene System-Gastronomie im Innen- und Außenbereich betreiben wird. „Hier ist ein außerordentlich attraktiver Identifikationspunkt für das neue Glückstein-Quartier entstanden“, so Dr. Wolfgang Miodek, der im Fachbereich für Wirtschafts- und Strukturförderung für die Vermarktung der Bauflächen verantwortlich ist. „Ebenso wie der neue Hanns-Glückstein-Park, der jetzt eröffnet wurde und eine grüne Verbindung zwischen dem bestehenden Stadtteil Lindenhof und dem neuen Glückstein-Quartier schafft.“

Aktuell stehen im Glückstein-Quartier nur noch zwei Baufelder zur Verfügung. Ihre Vermarktung ist für 2019 vorgesehen – die damit in die letzte Phase geht. Die Entscheidung über die Zukunft des Baufelds 3 ist im Jahr 2018 gefallen. Gemeinsam mit dem Architektenbüro Schmucker und Partner hatte die Mannheimer DIRINGER & SCHEIDEL (D&S) Unternehmensgruppe im April 2018 bei dem anonymisierten Investoren- und Architekturwettbewerb in einem internationalen Bewerberfeld die Nase vorn. Um einen begrünten Platz entsteht nun ein urbaner Mix aus zeitgemäßem Wohnen und attraktiven Büros.

Bereits Ende 2017 bewarb sich D&S um das Baufeld 1 und lobte einen Architektenwettbewerb in Abstimmung mit der Stadt Mannheim aus, den die Kölner Architekten Lepel & Lepel gewannen. Geplant:
Ca. 24.000 Quadratmeter Büroflächen für einen in Mannheim ansässigen Konzern als Ankermieter und einen Coworking-Space-Anbieter. „DIRINGER & SCHEIDEL hat uns ein stimmiges Nutzungskonzept für das Baufeld 1 vorgelegt. Wir haben großes Interesse, dem Ankermieter in Mannheim die benötigten Flächen anzubieten, um die Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern sowie Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Daher haben wir dem Bauträger den Ankauf des Baufelds 1 in Aussicht gestellt. Die Beschlussfassung erfolgt durch den Gemeinderat“, so Mannheims Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch.

Mehr im Internet:
Begleiten Sie die Entstehung des Projekts „No. 1“ im Glückstein-
Quartier per Baustellenwebcam.