Güterzugverbindung Mannheim-Chongqing China-Geschäft unter Dampf

Großer Bahnhof für den Güterzug nach Chongqing am 25. Oktober 2018: (v.l.) Generalkonsul Wang Shunqing, Hafenchef Roland Hörner, Charles White von der EU-Kommission, Wu Cunrong (Erster Vize-Bürgermeister von Chongqing) und Mannheims Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz Foto: Hinderfeld

Am 19. Oktober 2018 rollte der erste Güterzug von Mannheim nach Chongqing. Wenn alles gut läuft, sollen künftig jede Woche Produkte aus der Quadratestadt in die Millionen-Metropole am Zusammenfluss von Jangtse und Jialing im Südwesten Chinas per Bahn transportiert werden.

Auf Containerschiffen Platz für Güter zu finden, die in den Fernen Osten befördert werden sollen, wird aus verschiedensten Gründen zunehmend schwieriger. Eine Alternative könnte eine zuverlässige Bahnverbindung sein – auch wenn davon auszugehen ist, dass diese witterungsbedingt nicht ganzjährig uneingeschränkt zur Verfügung steht, beispielsweise – je nach Route – während des strengen, schneereichen Winters in Osteuropa und Innerasien. Unternehmen wie die BASF nutzen bereits die Bahn fürs Chinageschäft, für andere Firmen ist dieses Thema noch Neuland: Sie setzen noch komplett aufs Schiff oder das Flugzeug – besonders wenn für ihre Produkte spezielle Behältnisse wie Tankcontainer oder die Garantie permanenter Kühlketten erforderlich sind und sie dies der Bahn (noch) nicht zutrauen.

Dies könnte sich jetzt jedoch ändern: Im Sommer 2018 hat die Stadt Mannheim einen Letter of Intent über eine Zusammenarbeit in den Bereichen Logistik und Güterverkehr mit der chinesischen Eisenbahngesellschaft Yuxinou unterzeichnet. Das Ziel: eine regelmäßige Eisenbahnverbindung zwischen Mannheim und Chongqing, einer der größten Städte der Welt, zu etablieren. Yuxinou unterhält bereits Verbindungen mit deutschen Städten wie Duisburg und will Mannheim zur logistischen Erschließung des Südens von Deutschland und Europa nutzen. Mannheim und Chongqing arbeiten im Rahmen des von der EU geförderten Programms International Urban Cooperation zusammen.
Obwohl der Transport von Gütern per Bahn in die Region Chongqing derzeit rund 10 bis 15 Prozent teurer sein dürfte als per Schiff, könnte sich diese Alternative wegen des erheblichen Zeitgewinns sehr wohl rechnen, glauben Logistik-Experten – insbesondere wenn die Endzielorte nicht in Küstennähe liegen. Ein Schiff braucht etwa nach Shanghai derzeit rund 30 Tage. Ein Zug schafft die Strecke von rund 11.200 Kilometern durch Polen, Weißrussland, Russland und Kasachstan nach Chongqing, das etwa 1.500 Kilometer westlich von Shanghai liegt, in 17 bis 18 Tagen, rechnet Konrad Fischer, Geschäftsführer des Logistikdienstleisters Contargo in Mannheim, vor.

Contargo ist der lokale Partner der chinesischen Eisenbahngesellschaft, die für die Preisgestaltung, Organisation und gesamte Durchführung verantwortlich ist. Contargo ist im Auftrag von Yuxinou zuständig für die lokalen Gestellungen, die Zusammenstellung und die Abfertigung des Zuges – und auch dafür, im Vorfeld genug interessierte Unternehmen zusammenzubringen. „Es braucht schon ein wenig Zeit und viel Koordinationsaufwand, um ein solches Projekt in Gang zu bringen“, so Fischers Erfahrung.

Bei den beiden ersten Transporten am 19. und 25. Oktober 2018 mit dabei waren unter anderem Daimler und der Ludwigshafener Aluminiumoxidproduzent Almatis GmbH. Das Unternehmen nutzte bisher den Seeweg, verspricht sich aber durch die Zugverbindung fast eine Halbierung der Transportzeit. Ein Aspekt, der besonders bei zeitkritischen Sendungen von Belang sein dürfte – und so ist Logistikfachmann Konrad Fischer überzeugt davon, dass das neue wöchentliche Angebot schon wegen der Schnelligkeit des Transports dauerhaft funktionieren wird.