Hafen Mannheim Mit „Biber“ und „Büffel“ unterwegs von Kira Hinderfeld

Der Biber pirscht sich an: Die schwimmenden Geräte des Mannheimer Hafens sorgen für die Verkehrssicherheit vor Ort. Foto: Hinderfeld

Sie sind der tagtägliche Arbeitsplatz der Mitarbeiter der Abteilung Wasserbau des Mannheimer Hafens: die sogenannten schwimmenden Geräte mit spannenden Namen wie „Biber“ und „Büffel“.

Jeden Morgen um sieben trifft sich Jürgen Hans, Arbeitsgebietsleiter Wasserbau, mit seiner Mannschaft auf der schwimmenden Kommandozentrale, dem „Biber“, um die anfallenden Aufgaben zu besprechen. Normalerweise ist die Wasserbau-Truppe rund um den ehemaligen Marinetaucher, der neben seiner Qualifikation als Wasserbaumeister auch eine Expertise als Beton- und Stahlbetonbauer hat, durch nichts zu erschüttern: „Unsere Arbeit ist zwar sehr abwechslungsreich und wir müssen natürlich ganz fix sein, wenn es Probleme gibt. Aber in der Regel wird uns nie etwas Neues gemeldet, denn wir wissen meist schon Bescheid …“, meint Hans augenzwinkernd.

Das Tagespensum der Wasserbauer kann durchaus üppig ausfallen, denn Mannheim ist einer der letzten deutschen Häfen, der seine gesamte Wasserfläche von 254 Hektar – fast ein Viertel des gesamten Hafengebietes mit 1.131 Hektar – völlig eigenständig unterhält. Das ist eine ordentliche Herausforderung: Es geht immerhin um 14 Hafenbecken und fast 55 km Uferlänge mit 231.000 Quadratmetern Fläche und 18 laufende Kilometer Spundwand, die in Ordnung zu halten sind.

Fast täglich werden von den gelernten Schiffsführern, Schlossern, Maschinisten, Wasserbauern und Baggerführern Treppen, Anlegevorrichtungen und Pflasterung kontrolliert. Planmäßig wird die Flusssohle mit einer gigantischen Kette abgestreift, um größere Gegenstände wie Autos (!), Stahlträger, Schrottteile oder Fahrräder aus dem Wasser zu holen. Sehr wichtig zur Lokalisierung und auch zur Feststellung der Wassertiefe sind die neuen, hochmodernen Echolot-Anlagen, mit denen einige der eingesetzten Boote jüngst ausgerüstet wurden.

Ein typischer Tag mit den Wasserbauern könnte so aussehen: Im Mühlau-Hafenbecken wurde ein versunkener Nachen geortet – ungünstig, denn Schiffe mit etwas mehr Tiefgang könnten schließlich daran hängen bleiben. Das Aufsichts- und Schleppboot „Rheinau“ befördert die Spezialisten und die angeforderten Taucher gleich morgens an den Ort des Geschehens, wo schon der „Biber“ vor Anker liegt – ein echtes Mehrzweckfahrzeug mit einem kraftvollen Bagger für die Einrichtung von Baustellen, zur Arbeit an Uferböschungen, zum Heben und Bergen, zum Ausbaggern des Flussbettes und der Hafenbecken. Zunächst muss ein Taucher den Nachen ganz genau orten. Gar nicht einfach, wenn man bedenkt, dass Taucher im Hafen unter Wasser nur 20 bis 30 Zentimeter weit sehen können. Wenn das geschafft ist, kann der „Biber“ den Nachen an Ketten aus dem Wasser heben und am Ufer sicher zum späteren Abtransport deponieren.

Ohne größere Pause macht sich das Arbeitsschiff gegen Mittag auf den Weg zum nächsten Einsatzort. Auf dem Programm steht nun das Ausbaggern des Rheinbettes an einer Stelle, in der sich Kies angesammelt hat und daher eine sogenannte Fehltiefe vorliegt. Eine solche Aktion kann mehrere Wochen dauern.

Etwa um drei Uhr nachmittags geht der Arbeitstag für die Wasserbauer, wenn keine akuten Probleme mehr gelöst werden müssen, dem Ende zu, und die schwimmenden Geräte haben dann auch dienstfrei. Um sie für ihre Arbeit gut auszustatten, nimmt die Staatliche Rhein-Neckar-Hafengesellschaft Mannheim mbH (HGM) regelmäßig ordentlich Geld in die Hand. Allein in den Jahren 2017 und 2018 summierten sich die Maßnahmen zur Sanierung oder Ertüchtigung auf insgesamt rund 400.000 Euro.

Neben den neuen Echolot-Anlagen für „Biber“ und „Rheinau“ bekam der „Biber“ eine Überholung der Ruderanlage und der Stelzenschaltung verpasst. Die MS „Oberrhein“, das größte Schiff der HGM, das unter anderem als Eisbrecher und Feuerlöschboot eingesetzt wird, wurde ein halbes Jahr lang auf einer Werft aufwändig saniert und modernisiert. Auch der Decksprahm „Wasserbüffel“ blieb nicht unbehelligt. Eine der wichtigsten Aufgaben dieses Arbeitstieres ist der Transport von Material wie Kies, Sand, Wasserbau-Böschungspflastersteinen, Vorfußsteinen und Baustelleneinrichtungen, um Böschungen instand zu halten oder neu zu bauen. Aber auch bei Verkehrssicherungsarbeiten, wie dem Abtransport von Treibholz, kommt er zum Einsatz.

Wasserbüffel und Biber trifft man in der freien Wildbahn eher selten gemeinsam an. Im Mannheimer Hafen aber ist diese Symbiose unabdingbar, weil der unmotorisierte „Büffel“ an seinen Einsatzort geschoben werden muss. Früher war das eine wacklige Angelegenheit, die viel Fingerspitzengefühl erforderte. Das ist Vergangenheit, denn die zwei neuen Schubhörner des „Biber“ passen genau in zwei Öffnungen des „Büffel“.

„Diese Investitionen in unsere schwimmenden Geräte sind ganz besonders wichtig. Immerhin erlauben uns diese Arbeitstiere, unserem Anspruch der ständigen Gewährleistung der Verkehrssicherheit in den Mannheimer Häfen gerecht zu werden“, bringt es Hafendirektor Roland Hörner auf den Punkt.

Zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit sind in einem Hafen natürlich nicht nur die Wasserwege, sondern etwa auch die Brücken von Bedeutung. Die Mühlauhubbrücke beispielsweise wird täglich von tausenden Lkw und Pkw passiert. Bis zu fünfmal wöchentlich muss die ca. 120 Tonnen schwere Brücke für Kies- und Zementschiffe gehoben werden.

Nach sechs Jahrzehnten Dienst stand im Jahr 2018 eine Generalüberholung an. Mit im Boot war bei diesem großen Projekt auch die Deutsche Bahn, denn die Hubbrücke besteht eigentlich aus zwei Teilen: einer Straßenbrücke und einer Eisenbahnbrücke.

Zunächst wurde ein Dach erneuert, durch Vandalismus zerstörte Fensterscheiben mit bruchsicherem Glas ersetzt und die komplette Mechanik, wie Getriebe, Wellen, Ketten, Seile und Zahnräder, intensiv überprüft und wo nötig instand gesetzt. Dann wurden die Elektrotechnik und die Antriebe in Angriff genommen. Die Zahl der Motoren wurde dank neuester Technik reduziert, Schaltschränke ausgetauscht und das Bedienpult modernisiert. Neue Monitore zeigen die augenblickliche Stellung der Brückenteile und die Ampelanlage samt Signalen und Schranken. Zwei neue Kameras wurden installiert, um die Sicherheit von Passanten zu erhöhen. Für das ein gutes Dreivierteljahr dauernde Sanierungsprojekt wurde insgesamt rund eine halbe Million Euro investiert – und ihm sollen schon bald weitere Projekte folgen, kündigt der Hafendirektor an.

Mehr im Internet:
Wunderbare Fotos des Fotografen Thommy Mardo rund um den Hafen können Sie im neuen Bildband „Hafen Mannheim 2018 – 150 Jahre Mannheimer Akte“ entdecken, der im Verlag Waldkirch erschienen ist.