Interview mit Christian Faggin, Geschäftsführer der Alpensped GmbH „Auch mittelständische Unternehmen können nachhaltig wirtschaften“

Gemeinsam mit einem Mitarbeiter sortiert Christian Faggin (r.) eine Kleidersammlung der Alpensped-Mitarbeiter. Foto: Tom Kauffelt

Schon seit seiner Gründung im Jahr 1993 engagiert sich der Mannheimer Logistiker Alpensped für soziale Zwecke. Heute sind Ökologie und soziale Verantwortung neben Ökonomie Teil des „N3-Konzepts“ des Transportspezialisten, berichtet Geschäftsführer Christian Faggin.

Die Logistikbranche gilt nicht gerade als Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit. Was motiviert Alpensped, sich für diesen Bereich besonders einzusetzen?

Christian Faggin: In der Logistikbranche gibt es sicherlich noch Spielraum nach oben, was die Nachhaltigkeit betrifft. Unsere Branche ist vor allem durch einen großen Konkurrenzdruck geprägt. Doch das Thema Nachhaltigkeit liegt uns einfach am Herzen. Wir sind überzeugt davon, dass wir als Unternehmen verpflichtet sind, unsere Umwelt zu schützen und uns für soziale Projekte wie die „Mannheimer Tafel“ und „Ärzte ohne Grenzen“ zu engagieren. Und dies nicht nur finanziell, sondern auch durch persönlichen Einsatz. So haben unsere Mitarbeiter beispielsweise während der Flüchtlingskrise beim Sortieren und Aufbereiten von Kleiderspenden im Benjamin Franklin Village kräftig mit angepackt – und wir haben Baumaterialien und die Einrichtung für eine Kleiderkammer auf dem Areal zur Verfügung gestellt.

Viele Firmen setzen auf CSR-Maßnahmen, um ihren Ruf oder ihr Image zu verbessern – auch mit Blick auf ihren wirtschaftlichen Erfolg …
Faggin: Das war nie unser Ziel – und bisher lässt sich in unserer Branche mit einer nachhaltigen Geschäftsstrategie auch nicht wirklich mehr Geld verdienen. Allerdings fordern immer mehr Kunden soziale Standards ein.

Im Juni 2017 wurden Sie für Ihre Firmenphilosophie mit dem Lea-Mittelstandspreis für soziale Verantwortung ausgezeichnet, der gemeinsam vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, der Caritas und der Diakonie verliehen wird. Mit welchen Projekten konnten Sie dort punkten?

Faggin: Da waren wir in der Tat eine Ausnahme. Denn wir wurden nicht für einzelne Initiativen, sondern für unsere Gesamtstrategie ausgezeichnet. Auch als kleineres mittelständisches Unternehmen mit 33 Beschäftigten können wir Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen. Das ist gerade jetzt wichtiger denn je, damit die soziale Schere in Deutschland nicht noch weiter auseinanderklafft.

Neben Ihrem Einsatz für den Klimaschutz, z. B. durch Fahrerschulungen und Bündelung der Sendungen, spielt auch eine nachhaltige Personalpolitik bei Ihnen eine große Rolle …

Faggin: Ich glaube, dass eine hohe Wertschätzung im Betrieb für viele Mitarbeiter motivierender ist als eine Gehaltserhöhung – und für meinen Bruder und mich als Geschäftsführer ist es sehr wichtig, morgens in heitere und zufriedene Gesichter zu blicken. Deshalb setzen wir schon seit vielen Jahren auf einen kooperativen Führungsstil und die Förderung der Work-Life-Balance u. a. durch flexible Arbeitszeiten. Und ganz uneigennützig ist dies nicht, denn wir wollen unsere Mitarbeiter natürlich behalten. Vor allem Disponenten sind in der Logistikbranche derzeit heiß begehrt – und die brauchen wir unbedingt.

Ein großes Problem in vielen Firmen ist die zeitliche Überlastung und der Stress, was zu vielen gesundheitlichen Problemen führt. Sehen Sie hier eine Lösung?

Faggin: Überstunden versuchen wir auf alle Fälle zu vermeiden, und Gesundheit hat bei uns einen ganz hohen Stellenwert. Zweimal im Jahr bieten wir während der Arbeitszeit Gesundheitsworkshops an, an denen ein Großteil unserer Belegschaft gerne teilnimmt. Jeden Montag bringt ein Landwirt Bio-Obst vorbei, und zum Entspannen haben wir eine
Chilling-Zone für eine kleine „Auszeit“ eingerichtet. Außerdem laden mein Bruder und ich unsere Mitarbeiter jede Woche zu einem gemeinsamen Essen und anderen Gesprächsrunden ein – da können Probleme oder Wünsche offen diskutiert werden, die beste Voraussetzung für ein gutes Betriebsklima mit möglichst wenig Stress.

Die Fragen stellte Ulla Cramer.