Interview mit Jürgen Britzius, Leiter der Siemens-Niederlassung in Mannheim Standort Mannheim punktet mit Innovationskraft

Jürgen Britzius ist in Mannheim aufgewachsen und hat hier Nachrichtentechnik studiert. Seit 1990 arbeitet er für Siemens. Foto: Siemens

Jürgen Britzius ist seit 1. April 2018 Leiter der Siemens-Niederlassung in Mannheim. „Mannheim – Stadt im Quadrat“ fragte ihn nach dem Stellenwert des Standorts im Konzern und den zukünftigen Plänen.

Herr Britzius, wie viele Personen arbeiten derzeit für Siemens in Mannheim und wie wichtig ist der Standort für den Konzern?

Jürgen Britzius: Derzeit beschäftigt Siemens in Mannheim rund 700 Menschen. Sie betreuen Großkunden wie die BASF oder das Grosskraftwerk Mannheim, aber auch zahlreiche mittlere Betriebe, Behörden und öffentliche Einrichtungen. Siemens ist seit über 125 Jahren in Mannheim und der Metropolregion präsent. Der Standort gehört zu den zehn größten Niederlassungen der Siemens Regionalgesellschaft Deutschland. Schon allein das gibt ihm Gewicht im Konzern. Auch die Kunden der Siemens Healthineers AG, die seit dem 1. April 2018 ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen ist, werden weiterhin von Mannheim aus betreut. Die Mitarbeiter und das regionale Management unter der Leitung des ehemaligen Niederlassungsleiters Thomas Seiler bleiben in Mannheim auf unserem Gelände.

Wo sehen Sie die Vorzüge der Niederlassung?

Britzius: Was uns in Mannheim besonders macht, ist unsere Innovationskraft. Wir haben kürzlich aus Mannheim heraus ein fahrerloses Transportsystem für Krankenhäuser entwickelt, das im Juni 2018 einen Innovationspreis auf der Achema, der weltgrößten Messe für Prozess-Industrie, gewonnen hat. Auch haben wir aus Mannheim heraus eines der ersten Pilotprojekte mit unserer IoT-Plattform MindSphere mit dem Kunden Calvatis in Ladenburg aufgesetzt und erfolgreich zum Abschluss gebracht. MindSphere ist ein cloud-basiertes offenes IoT-Betriebssystem, das die Systeme und Anlagen unserer Kunden verbindet und die gewonnenen Daten zu umfangreichen Analysen nutzt. Einfach mal ausprobieren, das ist Mannheimer Mentalität. Und wenn es nicht sofort klappt, dann eben etwas später und anders – wir kommen schon zum Ziel. Nicht umsonst ist Mannheim die Stadt der Gründer und Innovatoren.

Wo liegen künftig die Schwerpunkte der Mannheimer Niederlassung?

Britzius: Die Siemens-Niederlassung in Mannheim ist eine Vertriebs- und Service-Niederlassung und für alle Divisionen der Siemens AG tätig. Wir werden zukünftig Initiativen ergreifen, um das Bild von Siemens in der Region unter anderem als digitalem Service-Anbieter zu schärfen. Hierzu dient beispielsweise die bereits erwähnte Plattform MindSphere.

Das Thema Digitalisierung spielt also eine große Rolle?

Britzius: Ganz klar, ja! Treiber ist das „Internet of Things“(IoT). IOT-Plattformen wie Mindsphere revolutionieren Service und Wartung. Maschinen können miteinander kommunizieren und beispielsweise Zustandsdaten übermitteln, die wir als Service-Anbieter analysieren. Auf dieser Basis lassen sich Ferndiagnosen stellen, etwa wie lange eine Anlage noch laufen wird, bis ein bestimmtes Teil ausfallen wird. Das können wir dann schon vorher austauschen und so für einen unterbrechungsfreien Betrieb sorgen.

Nachhaltigkeit ist ein weiteres Zukunftsthema. Welche Akzente setzen Sie regional?

Britzius: Seit der Unternehmensgründung 1847 ist es unser Bestreben, mithilfe von Technologie weltweit die Lebensqualität zu verbessern und dauerhafte Werte für Menschen zu schaffen. Wir nennen diesen Ansatz „Business to Society“. Ein besonderes Anliegen ist uns die ganzheitliche Aus- und Weiterbildung von Ingenieuren. Zusammen mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) hat Siemens einen Studiengang „Integrated Engineering“ entwickelt, der erfahrenen Ingenieurinnen und Ingenieuren mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung nach dem Bachelorabschluss einen breit angelegten Dualen Master bietet. Dieser vermittelt auf Basis eines Ingenieur- oder Informatikstudiums weitere interdisziplinäre, technische, IT-technische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse.

Sie sind nicht nur Niederlassungsleiter, sondern nehmen gleichzeitig auch Aufgaben wahr als Chef des Building Technologies Service Deutschland und Sprecher der Service Community Deutschland. Wie stemmen Sie die Dreifach-Aufgabe?

Britzius: Mehr Aufgaben bedeuten ja nicht nur mehr Belastungen, sondern auch mehr Kontakte und ein größeres Netzwerk. Zudem bietet die Kombination von Funktionen die Gelegenheit, Synergien zu erkennen und zu nutzen, Dinge effektiver zu machen. Schließlich gibt es in allen drei Positionen einen gemeinsamen Nenner: Digitalisierung.

Die Fragen stellte Dr. Gabriele Koch-Weithofer.