Interview mit Manfred Schnabel, Präsident der IHK Rhein-Neckar Auf dem Weg zu Wirtschaft 4.0

IHK-Präsident Manfred Schnabel bei der Eröffnung des UECC-Kongresses im März 2018 im Mannheimer Rosengarten: Die Veranstaltung widmete sich u. a. der Mannheimer Akte, deren Unterzeichnung vor 150 Jahren die Grundlage des freien Schiffsverkehrs in Europa schuf. Foto: Rittelmann/IHK Rhein-Neckar

Eine funktionierende Infrastruktur – physisch und digital – ist ebenso eine Voraussetzung für erfolgreiche Unternehmen wie gut ausgebildete Fachkräfte, die fit sind für die Wirtschaft 4.0. Dies betont Manfred Schnabel, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar, im Interview mit „Mannheim – Stadt im Quadrat“.

Sie sind seit dem 1. Januar 2018 Präsident der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar. Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Arbeit?

Manfred Schnabel: Die drei wichtigsten Themen sind ganz klar die Weiterentwicklung der Metropolregion Rhein-Neckar, Bildung und die digitale Transformation.

Sie haben die Metropolregion Rhein-Neckar und deren Weiterentwicklung bzw. Stärkung angesprochen. Welche Aspekte fallen aus Ihrer Sicht darunter?

Schnabel: Eine gute verkehrliche Anbindung ist für die Wirtschaft der Rhein-Neckar-Region ein wichtiger Standortfaktor. Allerdings ist die Verkehrsinfrastruktur in der Metropolregion Rhein-Neckar den aktuellen und erst recht den zukünftigen Anforderungen nicht gewachsen. Durch unsere Innenstadtstudie, die wir im Frühjahr 2018 vorgestellt haben, setzen wir zum Beispiel neue Impulse zum Bedarf von Handel und Gewerbe in den Stadtzentren. Mittel- und langfristig gilt es aus unserer Sicht auch, die Kapazitäten für eine Rheinquerung zu erhöhen. Hierzu müssen Wirtschaft und Politik gemeinsam Lösungen erarbeiten. Wir als IHK Rhein-Neckar sind Federführer-IHK für Verkehr in ganz Baden-Württemberg, was bedeutet, dass wir uns diesem Themenfeld auch aus Landessicht widmen.

Ein besonders wichtiger Aspekt für die Zukunftsfähigkeit der Metropolregion Rhein-Neckar und deren langfristige Entwicklung ist auch die Attraktivität für Fach- und Führungskräfte und Unternehmer. Wenn man unsere Metropolregion mit anderen Ballungsräumen wie Stuttgart und München vergleicht, wird deutlich, dass unsere Region eine Region der kurzen Wege mit mehreren Hauptzentren ist. Dem Wohnen wird im Standortwettbewerb der Zukunft eine besonders große Bedeutung zukommen, sodass wir diesem Thema unsere besondere Aufmerksamkeit widmen müssen. Dies gilt gleichermaßen für die Gewerbeflächen: Die Wirtschaft der Rhein-Neckar-Region benötigt ausreichend attraktive Gewerbeflächen für Firmenerweiterungen und Neuansiedlungen. Hier ist eine zukunftsorientierte Planung gefragt.

Bildung ist ein vieldiskutiertes Thema. Wie widmet sich die IHK Rhein-Neckar der Bildung?

Schnabel: Die duale Aus- und Weiterbildung und deren Stärkung ist Kern-Aufgabenfeld jeder IHK. Hier gibt es aktuell viele Neuerungen, insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung. Dies bedeutet, dass neue Berufe entstehen und bestehende Berufsbilder modernisiert werden. Den Anfang machten 2018 die „Kaufleute im E-Commerce“. Die Berufe in der Metall- und Elektrotechnik und der Mechatroniker werden ebenfalls noch 2018 mit digitalen Kompetenzen aufgewertet. Die IT-Berufe passen wir im Schwerpunkt Datenschutz und Sicherheit an aktuelle Herausforderungen an. Es ist uns besonders wichtig, dass unsere Nachwuchskräfte für die digitale Realität gut vorbereitet werden.

In der Weiterbildung hat die IHK Rhein-Neckar wichtige und attraktive Angebote für die Herausforderungen der „Wirtschaft 4.0“, beispielsweise ein Webinar zum „E-Commerce-Manager“ oder ein Seminar zur „Digitalen Führung“. Und ganz wichtig: Der digitale Wandel erfordert digitale Kompetenzen, und das nicht nur bei wenigen Spezialisten. Informationstechnische Grundkenntnisse werden künftig ebenso wichtig sein wie die Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen. Die Vermittlung von IT-Kenntnissen muss altersgerecht an allen Schulen verbindlich erfolgen.

Digitalisierung betrifft viele Firmen, unabhängig von Branche und Unternehmensgröße. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Schnabel: Neben der Aus- und Weiterbildung für Fach- und Führungskräfte setzen wir als IHK Rhein-Neckar im Rahmen der Digitalisierung zwei weitere Themenschwerpunkte: Zum einen setzen wir uns für die Verbesserung der digitalen Infrastruktur und der Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen ein, und zum anderen unterstützen und begleiten wir unsere Mitgliedsunternehmen bei der digitalen Transformation.

Zum ersten Punkt der Interessenvertretung ein konkretes Beispiel: In unseren Umfragen ist ein schnelles Internet für viele Unternehmen inzwischen einer der wichtigsten Standortfaktoren – gleichzeitig hören wir immer wieder Klagen über zu langsame Leitungen. Wir fordern einen zügigen Ausbau, möglichst mit Glasfaser, damit die Betriebe die zukunftsfähigen Anschlüsse bekommen. Bei den digitalen Rahmenbedingungen nehmen wir auch auf Landes- und Bundesebene Einfluss, um die Rechtssicherheit für Firmen zu verbessern.

Zum zweiten Punkt der Unterstützung: Die IHK-Mitgliedsbetriebe nutzen intensiv unser praxisorientiertes Informations- und Beratungsangebot, etwa rund um das Themenfeld Datensicherheit. 2017 haben rund 2.000 Teilnehmer unsere Praxisseminare zur Digitalisierung besucht. Um die Unternehmen im digitalen Zeitalter zu unterstützen, setzen wir auch auf branchenübergreifenden Austausch, zum Beispiel mit unserem neuen IHK-Netzwerk „Wirtschaft Digital“. Dort tauschen sich Führungskräfte zu ihren Erfahrungen bei der Digitalisierung aus. Unser Ziel ist es, dass möglichst viele unserer Unternehmen zu den Gewinnern der digitalen Transformation zählen und möglichst kein Unternehmen in diesem Prozess verloren geht.

Mehr im Internet:
Informieren Sie sich in der IHK-Studie „Verkehrliche Erreichbarkeit der innerstädtischen Wirtschaft“ über die Herausforderungen des City-Verkehrs für die Unternehmen.