Interview mit Professor Dr. Laura Marie Edinger-Schons „CSR ist ein Kulturwandel“

Prof. Dr. Laura Marie Edinger-Schons leitet seit November 2016 den Stiftungslehrstuhl für Corporate Social Responsibility an der Universität Mannheim, der nach einem Crowdfunding bei deutschen Unternehmen und Organisationen ins Leben gerufen wurde. „Mannheim – Stadt im Quadrat“ sprach mit ihr über die Bedeutung von Corporate Social Responsibility (CSR) für die Wirtschaft.

Prof. Dr. Laura Marie Edinger-Schons
Foto: Universität Mannheim

Welche Bedeutung hat CSR für Unternehmen?

Professor Dr. Laura Marie Edinger-Schons: Für mich bedeutet CSR das verantwortungsvolle Wirtschaften in allen Unternehmensbereichen und eine Verankerung eines Bewusstseins für Nachhaltigkeit in den Köpfen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Firma. Häufig wird CSR jedoch eher philanthropisch verstanden. So wird zum Beispiel für gute Zwecke gespendet – völlig losgelöst von der Wertschöpfung des Unternehmens. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir eine gemeinsame, koordinierte Anstrengung brauchen, wenn wir den aktuellen Herausforderungen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit begegnen wollen. Hier müssen alle Akteure in einem Betrieb oder einer Organisation an einem Strang ziehen. Larry Fink, Vorstandsvorsitzender des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, hat dies in seinem jährlichen Brief an die Lenker großer Unternehmen auf den Punkt gebracht: Um langfristig zu wachsen, muss ein Betrieb nicht nur gute finanzielle Ergebnisse erzielen, sondern gleichzeitig beweisen, dass er einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leistet.

Welchen wirtschaftlichen Mehrwert hat CSR denn für die Wirtschaft?

Edinger-Schons: Mit einer nachhaltigen Unternehmenspolitik, das belegen zahlreiche Studien, punkten Firmen heute bei allen Stakeholdern – angefangen bei den Kunden über die Investoren bis zur Öffentlichkeit, aber auch bei den aktuellen und potenziellen Mitarbeitern. Gerade die sogenannten High Potentials achten sehr genau darauf, welche Werte das Unternehmen vertritt, bei dem sie arbeiten.

Welche Punkte sind denn zu beachten, wenn man dieses Instrument für die Unternehmensstrategie nutzen möchte?

Edinger-Schons: Ich sehe CSR nicht als ein Instrument, das losgelöst vom Unternehmenskern von Marketing-, Kommunikations- oder HR-Strategen eingesetzt wird, um das Image der Firma zu verbessern. Es geht um einen Kulturwandel – bei dem alle Player mitgenommen werden müssen. Agilität, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung – das prägt die Wirtschaft der Zukunft.

Können Sie uns dazu Beispiele nennen?

Edinger-Schons: Ich halte es in einem ersten Schritt für sinnvoll, die eigenen Wertschöpfungsaktivitäten zu durchleuchten, bevor man sich beispielsweise beim Klimaschutz oder in der dritten Welt engagiert. Der Mannheimer Schmierstoffhersteller FUCHS PETROLUB wurde bei-spielsweise 2017 beim Ressourceneffizienz- und Kreislaufwirtschaftskongress in Baden-Württemberg als Exzellenzbeispiel für eine intelligente Lösung bei der Beheizung seines neuen Prüffelds hervorgehoben. Solche Aktivitäten haben einen direkten ökonomischen und ökologischen Effekt und werden von den Stakeholder-Gruppen als sehr effektiv und authentisch wahrgenommen.

Welche Bereiche sind denn für CSR besonders geeignet?

Edinger-Schons: Hier finde ich es sehr sinnvoll, die Kompetenz und die Expertise des eigenen Unternehmens zu nutzen – wie bei der Initiative „One Billion Lives“ bei der SAP. Die SAP-Technologie wurde hier für ein Crowdsourcing-Projekt eingesetzt, um Nicht-Regierungsorganisationen bei verschiedenen Vorhaben zu unterstützen.

Ist CSR vor allem ein Thema großer Konzerne?

Edinger-Schons: Nein, überhaupt nicht. Bei einem kleinen Unternehmen ist es sogar einfacher, die Beschäftigten für dieses Thema zu begeistern. Und auch wenn vielleicht keine explizite CSR-Strategie existiert, lebt der Mittelstand das Thema Nachhaltigkeit häufig intensiver als mancher Konzern.

Die CSR-Berichtspflicht, die seit 2017 vor allem für größere Gesellschaften eingeführt wurde, aber auch Kunden und Lieferanten erhöhen den Druck auf Unternehmen, sich mit dem Thema CSR zu befassen.

Edinger-Schons: In der Tat gibt es Firmen, die bisher dieses Thema nicht auf der Agenda hatten – und nun in Zugzwang geraten. Ich rate diesen, die aktuell steigenden Anforderungen als Chance zu begreifen und sich der Thematik nicht zu verschließen. Schließlich profitieren wir unter dem Strich alle gemeinsam.

Wie kann Ihr Lehrstuhl Unternehmen unterstützen?

Edinger-Schons: Derzeit arbeiten wir mit rund 50 Partnern zusammen – Firmen und Organisationen wie FUCHS PETROLUB oder der
INTER Versicherungsgruppe, die zur Gründung unseres Lehrstuhls beitrugen oder mit denen wir bei Projekten kooperieren. Die Intensität der Zusammenarbeit reicht hier von Gastvorträgen und der Betreuung von Masterarbeiten bis hin zu gemeinsamen Lehrformaten oder Forschungsprojekten. So haben wir gerade gemeinsam mit der IHK Rhein-Neckar eine Befragung vor allem kleinerer und mittlerer Unternehmen zu diesem Punkt fertiggestellt.

Die Fragen stellte Ulla Cramer.

Mehr im Internet:
Informieren Sie sich auf der Webseite des Lehrstuhls Corporate Social Responsibility an der Universität Mannheim über die jüngsten Studien.