Mannheimer Existenzgründungspreis 2019 And the winners are …

Mit einem Einweg-Bioreaktor will Valentin Kramer die Züchtung von Zellkulturen vereinfachen und umweltfreundlicher gestalten. Foto: AUCTEQ

Die Freude war groß bei den Mannheimer Start-ups AUCTEQ Biosystems und LU-Kommunikation: Am 21. November 2018 konnten sie aus der Hand von Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch den MEXI 2019 – den Mannheimer Existenzgründungspreis – in den Kategorien Technologie und Dienstleistungen entgegennehmen. Die Auszeichnung ist mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

Die Züchtung von Zellkulturen zur Herstellung von therapeutischen Proteinen gehörte für den Biotechnologen Valentin Kramer während des Studiums nicht gerade zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. „Diese sogenannten Seed Train-Prozesse sind sehr arbeitsintensiv. Außerdem generieren sie eine große Menge Plastikmüll und bergen zudem eine hohe Gefahr der Kontaminierung der Zellkulturen“, so der junge Wissenschaftler, der sein Studium an der Hochschule Mannheim im Oktober 2017 mit einem Master abgeschlossen hat. Der Grund: Drei bis acht unterschiedliche Gefäße braucht man, bis die Zellkultur ein Volumen von etwa 20 Litern erreicht. Eingesetzt werden dabei einzelne Behälter, die nach Gebrauch entsorgt werden, oder Bioreaktoren aus Edelstahl und Glas, die aufwändig gereinigt werden müssen.

Das muss effizienter und einfacher gehen, dachte sich der damalige Student. Seine Idee: die Erfindung eines Gefäßes, das sich ausdehnen und an das benötigte Volumen für die Zellkultur anpassen lässt. Die Lösung: ein aufblasbarer Einweg-Bioreaktor mit einer extrem flexiblen Reaktorwand. Für seine ersten Versuche setzte Kramer Kondome ein und entwickelte seinen kleinen Bioreaktor stetig weiter. Im Mai 2017 meldete er ein deutsches Patent an, gründete im Herbst 2018 die AUCTEQ Biosystems und plant Ende 2019/Anfang 2020 den Start der Serienfertigung durch ein externes Unternehmen. Für den Vertrieb hat er mit der Cytena GmbH aus Freiburg Zugang zu einem internationalen Netzwerk gewonnen. Erste Pilotkunden wie der Zellkulturspezialist Ewomis und Boehringer Ingelheim stehen bereit, um die erste Kleinserie zu testen. „In einem Volumenbereich von 10 Milliliter bis 20 Liter können mit unserem System mindestens 30 Prozent Kosten eingespart werden“, ist Kramer überzeugt. „Das Volumen dieses Marktes mit großen Playern von Boehringer Ingelheim bis Roche liegt bei einer geplanten Erweiterung der Produktpalette bei rund einer Milliarde Euro.“

Dr. Simone Burel sieht im Einsatz von Sprache ein wichtiges Instrument für den Unternehmenserfolg. Foto: LU-Kommunikation

Auch die Sprachwissenschaftlerin Dr. Simone Burel sieht für ihre Geschäftsidee ein großes, ausbaufähiges Potenzial. „Ein Unternehmen wirtschaftet nicht nur mit Gütern oder Dienstleistungen, sondern auch mit Sprache“, weiß sie spätestens seit ihrer Doktorarbeit, die sich mit „Identitätspositionierungen der DAX-30-Unternehmen – die sprachliche Konstruktion von Selbstbildern“ befasste. Mit der Gründung von LU, der 1. offiziellen linguistischen Unternehmensberatung in Deutschland im Jahre 2015, setzt sie nun ihr theoretisches Wissen in die Praxis um. „Nur 30 Prozent der großen Konzerne und praktisch kein Mittelständler analysieren ihre Kommunikation systematisch und ‚heben‘ wichtige Informationsschätze rund um Kundenwünsche, Mitarbeiterzufriedenheit oder Unternehmenskultur – vermeintlich weiche Faktoren, die aber sehr wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg sind“, weiß Burel und nennt einige Beispiele: „Stellenbeschreibungen nutzen beispielsweise sehr häufig eine vorwiegend männliche Sprache, die Frauen eher abschreckt, und auch beim Thema Umsetzung der Unternehmensphilosophie erlebt so manche Firma eine Überraschung, wenn man die hausinterne Kommunikation genauer unter die Lupe nimmt.“

Mithilfe von klassischer linguistischer Analyse und moderner Big-Data-Technologie wertet LU die vorliegenden Texte systematisch aus, bringt verborgenes Wissen ans Tageslicht, entwickelt Strategien für die interne Kommunikation, Human Resources sowie Corporate Social Responsibility und hat u. a. mit Siemens, der INTER Versicherungsgruppe und der Stadt Mannheim schon zahlreiche Kunden gewonnen. „Ein Instrument dazu sind beispielsweise Mustertexte und linguistische Toolkits – denn nicht nur ein Corporate Design ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Markenbildung, sondern auch ein Corporate Wording“, so Burel.

Die beiden Start-ups dürfen sich über eine Auszeichnung mit Tradition freuen. „Der Mannheimer Existenzgründungspreis wird seit 2005 verliehen und ist ein wichtiger Teil unserer Gründungsförderungsaktivitäten“, berichtet Christiane Ram, Leiterin der Mannheimer Wirtschaftsförderung. „Die Auszeichnung ist dank unserer Sponsoren der am höchsten dotierte regionale Preis für Start-ups in Deutschland.“ Die Verleihung erfolgt im Rahmen des Mannheimer Wirtschaftsforums „Mannheim – Stadt im Quadrat“ – gemeinsam mit dem jährlichen Erscheinen des gleichnamigen Wirtschaftsmagazins, das die Grunert Medien & Kommunikation GmbH in enger Kooperation mit der Wirtschaftsförderung herausgibt. Verleger Michael Grunert, der den Preis 2005 ins Leben gerufen hat, war auch 2018 von den innovativen Geschäftsideen begeistert: „Die Präsentationen der hochklassigen Start-ups vor unserer Jury gehören für mich zu den Highlights des Jahres.“