Marchivum Das neue Gedächtnis der Stadt ManNheim

Der Ochsenpferchbunker aus dem Zweiten Weltkrieg ist nun die Heimat des Mannheimer Stadtarchivs Marchivum. Foto: Marchivum

In den ehemaligen Ochsenpferchbunker in der Neckarstadt-West ist das „Marchivum – Mannheims Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung“ eingezogen – und hat spannende Pläne.

Dass ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg, Mannheims größter Hochbunker, zu einem zivilen Begegnungszentrum umgewidmet wird, ist nicht alltäglich. Im Gegenteil. „Dies ist ein einzigartiges Beispiel dafür, wie man ein geschichtlich belastetes Denkmal zu einem lebendigen Ort der Kultur machen kann – mit Strahlkraft für ganz Deutschland“, so Markus Eltges, Vertreter des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, bei der Eröffnung im März 2018.

Nachdem klar war, dass aus Platzmangel der ohnehin marode Büroturm des Collini-Centers als Domizil des 1907 gegründeten Stadtarchivs aufgegeben werden musste, hatte das Architekturbüro Schmucker und Partner die Idee, den Bunker mit zwei Stockwerken aufzustocken. Deren gläserne Fassaden sorgen für lichtdurchflutete Räume und geben so dem ehemals düsteren Koloss heute ein helles, ansprechendes Gesicht.

2016 fällt der Startschuss für den Umbau des Bunkers, ein Jahr später ziehen die Archivmagazine ein. Im Frühjahr 2018 folgen die Büroräume. Mit der Eröffnung im März 2018 erhält das Stadtarchiv auch einen neuen Namen: „Marchivum (eine Kombination aus Ma für Mannheim und der lateinischen Bezeichnung archivum für Archiv) –
Mannheims Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung“. „Denn wir sind mehr als eine Aktenverwahranstalt“, erläutert Direktor Dr. Ulrich Nieß. „Das Marchivum bietet ein NS-Dokumentationszentrum und eine stadtgeschichtliche Ausstellung unter einem Dach.“ Beides wird zurzeit erarbeitet. 18,5 Millionen Euro wurden investiert, der Bund
steuerte 6,6 Millionen Euro bei.

Im neuen „Gedächtnis“ der Quadratestadt ruhen Tausende historische Ratsprotokolle, Urkunden, Stadtpläne, Bildalben und Plakate. 13 Kilometer Akten lagern hinter den dicken Wänden in Rollregalen. Platz gibt es für mindestens 20 Kilometer. „Das neue Marchivum bietet genügend Raum für die Zukunft“, so Nieß, der überzeugt davon ist, dass sich auf Dauer die digitale Akte durchsetzen wird.

Ein solches Gebäude neu zu nutzen, sei sicherlich eine mutige Entscheidung gewesen, sagte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz bei der Einweihung. „Es erinnert an die dunkelste Zeit unserer Geschichte, und dies möchten wir hier auch zum Thema machen.“ So ist im ersten Obergeschoss auf 700 Quadratmetern ein NS-Dokumentationszentrum geplant, mit multimedialen, interaktiven Ausstellungen.

Das Stadtarchiv beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der mahnenden Erinnerung an den Nationalsozialismus. Diese Aufgabe setzt das Marchivum – bewusst in einem Weltkriegsbunker – fort. Den größten Teil dieser Fläche wird die Ausstellung zur Geschichte des Nationalsozialismus in Mannheim einnehmen. Ergänzend dazu soll es einen Raum mit Recherchestationen geben, an denen die
Besucher die Biografien von Opfern, aber auch Tätern der NS-Diktatur erkunden können. Die Besonderheit des Marchivum sieht Nieß in einer historischen Bildungsarbeit, die „konsequent als medialer Lern-,
Erlebnis- und Forschungsort gerade auf junge Menschen ausgerichtet wird – wie es in Deutschland noch nie gewagt wurde.“