Modellstadt Mannheim Vorfahrt für den ÖPNV

Rund 128 Millionen Euro nimmt der Bund in die Hand, um in den nächsten drei Jahren Städten zu helfen, die Emissionsbelastung ihrer Innenstädte zu reduzieren. Mit rund 47 Millionen Euro an Fördermitteln konnte sich Mannheim den größten Teil der Summe sichern – als eine von fünf ausgewählten Modellstädten. Im Fokus: Maßnahmen zum Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs.

Wie schnell sind die Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität umzusetzen? Wie viel Potenzial zur Verminderung von Stickoxiden gibt es? Mit wie viel Geld können die Ziele erreicht werden? Sind die Maßnahmen auf andere Städte zu übertragen? Mit diesen Kriterien bewertete das Umweltbundesamt die eingereichten Vorschläge – und Mannheim lag mit seinen Vorstellungen goldrichtig.

„Als Betreiber der Verkehre freut mich, dass der Bund sich bei den ausgewählten Modellstadt-Maßnahmen nicht nur auf Preissenkungen fokussiert, sondern uns auch bei der Angebotsausweitung unterstützt. So können wir durch eine sinnvolle Verstärkung der Linien der zu erwartenden Nachfragesteigerung begegnen.“ Christian Volz, kaufmännischer Geschäftsführer der rnv

Stellten die Modellstadt-Maßnahmen in Berlin vor: (v.l.) Erster Bürgermeister Christian Specht, Klaus Dillinger (rnv-Aufsichtsratsvorsitzender), Volkhard Malik (VRN-Geschäftsführer) und der kaufmännische Geschäftsführer der rnv Christian Volz Foto: Stadt Mannheim

„Unser Ziel ist es, Dieselfahrverbote in unseren Städten zu verhindern“, so Erster Bürgermeister und ÖPNV-Dezernent Christian Specht. Auf der Agenda stehen insgesamt neun Projekte. Das neue Green-City-Ticket ermöglicht zum Jahresanfang 2019 eine Preissenkung von 2,60 auf 1,80 Euro. Geplant ist auch eine Kampagne für das bereits bestehende Luftstreckenticket, den sogenannten e-Tarif, der nur die tatsächlich zurückgelegte Strecke berechnet. Der Grundpreis wird von 1,20 Euro auf 80 Cent gesenkt – neue Nutzer der Apps, die hier zum Einsatz kommen, erhalten ein Guthaben von 20 Euro. Am Start sind auch zusätzliche Busse. Mithilfe von 18 neuen, abgasarmen Diesel-Hybridfahrzeugen können die Linien 50 und 60, die zum großen Teil durch die Mannheimer Industriegebiete führen, auf einen Zehn-Minuten-Takt umgestellt werden – eine interessante
Alternative für Pendler. Außerdem soll eine neue Busverbindung zum neuen Glückstein-Quartier/Lindenhof auf den Weg gebracht werden. Und das Jobticket wird ebenfalls attraktiver: Für Firmen, die hier neu einsteigen, entfällt die monatliche Zahlung eines Grundbetrags pro Mitarbeiter. Bestandskunden können Altverträge umwandeln.

Die Mannheimer Wirtschaftsförderung stellt die Weichen für das Projekt „Micro-Hub – Klimaneutrale Paketzulieferung“. Das Ziel: den Anteil der Paketzulieferungen mit CO2-Emissionen in der Mannheimer Innenstadt möglichst kurzfristig auf „nahe Null“ herunterzufahren. Solange die Paketdienstleister noch nicht in der Lage sind, ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge zu nutzen, soll die „letzte Meile“ der Auslieferung in die Quadrate mithilfe von E-Lastenfahrrädern geschehen. An einem sogenannten Micro-Hub werden die Waren für die Lastenräder vorkonfektioniert werden.

Im August 2018 stellte die Stadt Mannheim ihr Maßnahmenpaket, das sie gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) erarbeitet hat, in Berlin vor. Neben Mannheim wurden Reutlingen, Herrenberg, Bonn und Essen als Modellstädte ausgewählt. uc