Nachhaltige Finanzierungskonzepte für Start-ups Unterstützung mit langem Atem

Mannheim ist eine Gründungsstadt – und auch die in der Stadt aktiven Banken sitzen hier mit im Boot. Dabei geht es nicht nur um kurzfristige Investitionen in Geschäftsgründungen, sondern auch um eine nachhaltige Förderung und Zusammenarbeit mit den oft ökonomisch noch unerfahrenen Unternehmen, um die Projekte zum Erfolg zu führen.

Hat die Welt im Blick: das Führungsteam von Conias Risk Intelligence
rund um CEO Dr. Nicolas Schwank (r.), das mit der VR Bank Rhein-Neckar zusammenarbeitet Foto: Lukac

Die VR Bank Rhein-Neckar mit Sitz in der Augustaanlage hat als Genossenschaftsbank eine traditionell enge Bindung an ihre Region und ihre Kunden. Das Thema Start-ups und nachhaltige Begleitung von Firmengründungen passt somit ideal in die etablierten Strukturen des 1881 gegründeten Geldinstituts. „Wir stehen für eine vertrauensvolle Kommunikation auf Augenhöhe mit unseren Kunden – von Anfang an“, sagt Vorstandsmitglied Dr. Michael Düpmann. „Im Rahmen unserer genossenschaftlichen Beratung sehen wir uns als Hausbank für die jungen Unternehmen in der Metropolregion Rhein-Neckar und unterstützen sie in allen Finanzangelegenheiten. Seit Jahren arbeiten wir in diesem Bereich erfolgreich mit der Stadt Mannheim und den Mannheimer Gründungszentren zusammen.“

Im Unterschied zu klassischen Existenzgründungen sind die innovativen Start-ups, deren Anzahl in Mannheim in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen ist, aus ökonomischer Sicht oftmals schwieriger zu handhaben. „Wir beginnen unsere Zusammenarbeit hier in der Regel bereits vor Markteintritt, wenn das Geschäftsmodell noch in der Entwicklung steckt“, erklärt Sven Birkner, zuständiger Berater bei der
VR Bank Rhein-Neckar. Entsprechend wichtig sei ein intensiver Austausch zwischen Bank und Kunde. „In den ersten Gesprächen ermitteln wir, welcher konkrete Bedarf überhaupt vorliegt – schließlich unterscheiden sich diese Unternehmen sehr stark, eine Standardlösung gibt es nicht. Und diese intensiven Diskussionen führen wir dann über die kommenden Jahre fort, weil wir jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die enge Kooperation lohnt sich in jedem Fall: So lernen der Kunde und wir uns sehr gut kennen. Das hilft auch bei zukünftigen Herausforderungen.“ Statt kurzfristiger, schneller Gewinne steht eine langfristige solide Geschäftsbeziehung im Mittelpunkt. Um das zu erreichen, bietet die VR Bank Rhein-Neckar quasi ein Rundumpaket für Gründungen an – inklusive Kontakten zu einem Venture Capital Fonds, Netzwerken in der Region und öffentlichen Fördermöglichkeiten.

Von diesem Service profitiert hat auch die Conias Risk Intelligence GmbH mit Sitz im MAFINEX-Technologiezentrum. Die junge Firma bewertet weltweit politische Risiken, um für global aktive Unternehmen Standort-, Logistik- und Investitionssicherheit zu schaffen.
CEO Dr. Nicolas Schwank hat sein Start-up aus der renommierten Konfliktforschung am Politikwissenschaftlichen Institut der Universität Heidelberg heraus gegründet. Mit Unterstützung der VR Bank Rhein-Neckar konnte CONIAS seine Finanzierungen, Versicherungen und seinen Zahlungsverkehr optimal regeln. 2017 wurde der Träger des Mannheimer Existenzgründungspreises 2016 zudem mit dem VR-Innovationspreis des baden-württembergischen Genossenschaftsverbands ausgezeichnet. Die Bewerbung hierzu erfolgte auf Initiative der VR Bank Rhein-Neckar.

Die Sparkasse Rhein Neckar Nord hat sich ebenfalls auf die Unterstützung von Gründungen spezialisiert und sieht in ihnen ein wichtiges Geschäftsfeld. „Existenzgründungen, egal ob Handwerk, Gastronomie oder komplexes Tekkie-Start-up, das Hightech nutzt, sind das Salz in der Suppe einer jeden wirtschaftlich zukunftsfähigen Region. Hier entstehen die Ideen und die Arbeitsplätze von morgen“, ist der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Helmut Augustin überzeugt. Das zeigt sich auch an den reinen Zahlen. „Allein 2017 haben wir 34 Existenzgründungen begleitet, aus denen bislang mehr als 100 Arbeitsplätze in der Region hervorgegangen oder durch Betriebsübernahmen erhalten worden sind“, so Augustin.

Der persönliche Kontakt steht dabei auch bei der Sparkasse Rhein
Neckar Nord im Fokus. „Wir betrachten bei Gründern immer den Menschen, der hinter dem Projekt steht – schließlich ist er der bedeutendste Faktor bei einem solchen Unternehmen“, erklärt Gründungsberater Sven Knupfer. Das persönliche Kennenlernen sei deshalb von enormer Relevanz. „Erst danach geht es an die Detailprüfung, bei der wir uns genau das Profil des Start-ups, seine Wirtschaftlichkeit und die Erfolgschancen anschauen. Dann können wir einen passgenauen Finanzierungsvorschlag entwerfen.“ Dabei stehen die Banker den Gründern mit allgemeinem ökonomischem Rat zur Seite. Denn viele ihrer Kunden haben zunächst noch wenig Erfahrung mit dem Wirtschaften als Unternehmer. „Da macht es eigentlich kaum einen Unterschied, ob Akademiker mit einer hochspezialisierten Gründungsidee zu uns kommen oder Kunden, die gerne ein Café eröffnen möchten – bei den ökonomischen Grundlagen benötigen die meisten am Anfang noch Unterstützung“, sagt Julian Preibsch, der ebenfalls als Berater bei der Sparkasse Rhein Neckar Nord tätig ist. Das Ziel der beiden Finanzprofis ist also ein langsames Heranführen ans Thema, bei gleichzeitig hoher Transparenz. „Wir bauen eine langfristige, nachhaltige Partnerschaft auf, deshalb gehen wir alle Bereiche gemeinsam durch“, erklärt Preibsch.

Im Schnitt mindestens drei Jahre fungieren die Berater als allgemeine Ansprechpartner für die Gründer. In dieser Zeit hilft die Sparkasse Rhein Neckar Nord den jungen Unternehmen bei ihrem Wachstum und den sich ändernden Bedarfen einer Zusammenarbeit. Durch die von Anfang an enge Kooperation kennen die Berater ihre Kunden schließlich sehr gut – und können ihnen dadurch immer wieder bei Folgeprojekten unter die Arme greifen. Davon profitierte auch Alexander Britting mit seinem Gastronomieprojekt Burrito Baby. Nach der erfolgreichen Gründung eines Lokals mit frischen und modern angebotenem mexikanisch/australischen Street Food in Berlin zog es Britting aus privaten Gründen nach Mannheim. In den Quadraten eröffnete er eine Filiale, wofür er zunächst einmal die regionale Expertise der Sparkassen-Berater nutzen konnte. Nach einer passenden Finanzierung und Absicherung durch die Sparkasse Rhein Neckar Nord konnte die Gründungsidee im Sommer 2017 umgesetzt werden – und erfreut seitdem die Mannheimer mit ungewöhnlichen kulinarischen Spezialitäten.

Auch die Commerzbank hat sich in ihrer Mannheimer Filiale auf die Bedürfnisse von Start-ups eingestellt. „Existenzgründer haben in Deutschland mit vielen Hürden zu kämpfen“, sagt Andrea Habermann, Niederlassungsleiterin der Commerzbank in Mannheim. „Als Bank für Unternehmer wollen wir bei dem Start in die Selbstständigkeit behilflich sein. Wir kümmern uns um die Finanzthemen, der Gründer sorgt für den Erfolg seiner Geschäftsidee.“ Schon in der ersten Phase vor der eigentlichen Gründung, beim „Brainstorming“, stehen die Berater als Ansprechpartner zur Verfügung, denn gerade zu diesem Zeitpunkt kommen die ersten Fragen zum Thema Finanzierung und finanzielle Begleitung auf. Interessierte erhalten bei der Commerzbank ein Komplett-Angebot, das alle wichtigen Produkte und Leistungen umfasst. „Dazu zählt ein Geschäftskonto inklusive Girocard und Kreditkarte mit 50 Prozent Rabatt auf die aktuelle Monatspauschale für die ersten zwei Jahre. Zudem bietet die Commerzbank Gründern wichtige Vorsorgeangebote mit niedrigen Startbeiträgen zur Absicherung von Risiken. Dazu zählen die Berufsunfähigkeit und die Absicherung im Krankheitsfall. Eine schnelle Kreditvergabe ist direkt vor Ort durch den Berater möglich“, erklärt Michael Honig, Leiter Unternehmerkunden der Mannheimer Niederlassung.