Nachhaltiges Engagement in der Finanz- und Versicherungsbranche CSR: Win-win-Situation für beide Seiten

Auch Samuel Lutzker (l.) ist ein ehemaliger Stipendiat der SINFONIMA-Stiftung aus dem Jahr 2012. Das Mitglied des Trios Gaon erhielt damals für zwei Jahre ein Cello von Onorato Gragnani aus dem Jahr 1783. Foto: Wulf Schaeffer, Shin-Joong Kim

Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberatungen wie EY, KPMG und PwC unterstützen Kunden bei der Umsetzung von CSR-Richtlinien, engagieren sich aber auch selbst bei sozialen und kulturellen Themen. Die INTER Versicherungsgruppe setzt sich besonders für Ausbildung ein. Die Mannheimer Versicherung geht mit der Förderung von jungen Musikern einen ganz eigenen Weg.

Längst ist nachhaltiges unternehmerisches Engagement für Gesellschaft und Umwelt, kurz: Corporate Social Responsibility (CSR), ein wichtiger Faktor für die Wahrnehmung und Wertschöpfung von Firmen und Institutionen. Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater kennen das nur zu gut aus ihrem beruflichen Alltag. Seit Inkrafttreten des CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes Mitte April 2017 müssen kapitalmarktorientierte Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten verstärkt über nichtfinanzielle Aktivitäten Rechenschaft ablegen und erläutern, welche Arbeits-, Umwelt- und Sozialstandards sie einhalten oder was sie gegen Korruption oder Bestechung tun. Auch die Berichterstattung über CSR-Initiativen ist Pflicht – ein Thema, das sich auch die Berater selbst auf die Fahnen geschrieben haben.

Mannheimer Versicherung: junge Musiker im Blick
Bereits Anfang der 1990er Jahre hat die Mannheimer Versicherung die privatrechtliche SINFONIMA-Stiftung ins Leben gerufen, um junge Musiker bei ihrer beruflichen Karriere zu unterstützen. Dafür stellt die Stiftung aufstrebenden Talenten wertvolle Instrumente als Leihgabe auf Zeit zur Verfügung. „Derzeit haben wir sechs Celli, zwölf Geigen und drei Bratschen, die wir verleihen können“, berichtet Bernd Hammer, Vorstandsmitglied der Stiftung.

Diese verleiht ihre Instrumente abwechselnd für einen Zeitraum von zwei Jahren und schreibt hierfür jedes Jahr den SINFONIMA-
Wettbewerb aus. Nach einem Vorspiel entscheidet eine Jury, die aus den Mitgliedern des Kuratoriums der Stiftung gebildet wird, welche Bewerber ein Instrument erhalten. 2018 wurden mehrere Meister-Celli und zwei hochwertige Cello-Bogen vergeben; außerdem wurde zwei Bewerbern die Teilnahme an einem Meisterkurs Cello im Rahmen des Oberstdorfer Musiksommers zugesprochen.

Musik-Förderung genießt überhaupt einen hohen Stellenwert in der Mannheimer Versicherung, die einer der führenden Instrumentenversicherer in Deutschland ist. Aber auch als Spezialversicherer für Kunstsammler, Juweliere und Oldtimer-Besitzer hat sich das Unternehmen einen Namen gemacht.

Im Geschäftsjahr 2017 wurden rund 823.300 Versicherungsverträge betreut und im Schnitt 622 Mitarbeiter beschäftigt. Mittlerweile ist das 1879 in Mannheim gegründete Unternehmen Teil des Continentale Versicherungsverbundes. Mit 3,8 Milliarden Euro Beitragseinnahmen und rund 7.500 Beschäftigten im Innen- und Außendienst zählt der Verbund zu den großen deutschen Versicherern.

EY: Engagement fängt zuhause an
Wer sinnvoll wachsen will, muss dies im Einklang mit der Gesellschaft tun: Davon sind die Berater und Wirtschaftsprüfer von EY (Ernst & Young) überzeugt. Das Motto „Bauen an einer besseren Welt“ verstehen sie nicht nur beruflich, unter dem Slogan „Building a better world“ leisten die Mitarbeiter auch im persönlichen Umfeld einen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft.

Eine pfiffige Idee ist zum Beispiel die „Changers Challenge“. Mit ihr wirbt EY Deutschland in den eigenen Reihen für mehr Umweltbewusstsein in Sachen Mobilität. Anhand einer App können die Beschäftigten ablesen, wie viel CO2 sie auf dem Weg zur Arbeit produzieren. Wer auf Bahn oder Rad umsteigt, verbessert seine persönliche Umweltbilanz. Dafür gibt es dann Punkte, die man sammeln und gegen neue Baumpflanzen tauschen kann. Und ganz nebenbei kommt das Plus an Bewegung der eigenen Gesundheit zugute.

Auch international wurde eine clevere Kampagne gestartet: Für eine gute Sache können Kolleginnen und Kollegen monatlich „Happy Cents“ spenden. Gemeint sind die Nachkommabeträge ihres Gehalts. Nutznießer sind drei ausgewählte Organisationen, die in sozialer oder Öko-Mission unterwegs sind.

Daneben laufen noch zahlreiche weitere Aktivitäten wie der „Public Value Award“ für Unternehmen, die sich um die Lösung eines sozialen Problems verdient gemacht haben, oder ein Wunsch-Weihnachtsbaum für Bedürftige. Den Nachwuchs haben die EY-Experten ebenfalls im Blick. In Schulen machen sie spielerisch mit Wirtschaftsthemen vertraut und berichten über den Steuerberater-Beruf. „Auch in Mannheim“, weiß Standortleiter Helge-Thomas Grathwol.

Für EY arbeiten heute 232.000 Wirtschafts- und Steuerfachleute auf der ganzen Welt, darunter 9.400 in Deutschland. In Mannheim betreuen knapp 400 EY-Berater von ihren Standorten in der Theodor-Heuss-Anlage und am Willy-Brandt-Platz aus Mandanten in der Region.

KPMG: Mitmachen erwünscht!
„Soziales Engagement ist gelebter Bestandteil unserer Unternehmenskultur“, so Ulrich Ackermann, Regionalvorstand Südwest bei KPMG. „Jeder Mitarbeiter soll wissen, dass seine freiwillige Teilnahme an gemeinnützigen Projekten besonders geschätzt und auch gefördert wird.“

Ein gutes Beispiel ist die bundesweite Initiative „JOBLINGE“: Sie will arbeitslose Jugendliche durch Qualifizierung und individuelle Förderung in Arbeit bringen. Zielgruppen sind benachteiligte Jugendliche, aber auch junge Flüchtlinge. Seit Sommer 2017 wird das Programm an zwölf KPMG-Standorten angeboten, darunter auch in Mannheim. Mehr als 110 Mitarbeiter deutschlandweit haben sich bereits ehrenamtlich als Mentor oder Trainer engagiert. Maximilian Horn ist einer davon. „Die gegenseitige Wertschätzung und das Erfolgserlebnis, zusammen einen unterschriebenen Ausbildungsvertrag zu erreichen, waren einfach toll!“, sagt er. Fünf Beschäftigte der Mannheimer Niederlassung sind dabei. Ein weiteres Dutzend macht bei „My Finance Coach“ mit. Dieses Projekt soll Schülern helfen, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen und mehr von Wirtschaft zu verstehen. KPMG ist seit 2012 hier engagiert. 2017 absolvierten Mitarbeiter rund 380 Schulbesuche.

„Jeder Mitarbeiter kann sich monatlich bis zu vier Stunden für gemeinnütziges Engagement freistellen lassen“, so Ackermann. Dabei muss er nicht unbedingt bei einem offiziellen Partner-Programm mitmachen. Über 570 Mitglieder der KPMG-Mannschaft kamen 2017 auf insgesamt mehr als 6.100 Stunden. Und das ist noch längst nicht alles an freiwilligen Einsatzzeiten.

KPMG in Deutschland ist Teil eines globalen Firmen-Netzwerks mit derzeit rund 200.000 Mitarbeitenden in über 150 Ländern. In Deutschland sind es rund 10.700 Beschäftigte an mehr als 20 Standorten. Von der Mannheimer Niederlassung aus prüfen und beraten über 300 Experten Mandanten aller Branchen und Unternehmensgrößen.

PwC und PwC-Stiftung: Schüler neugierig machen
Neugier wecken, Horizonte erweitern, Kreativität fördern, das ist das erklärte Ziel der PwC-Stiftung, die im Jahre 2002 auf Initiative der Führungskräfte von PwC Deutschland als treuhänderische Stiftung gegründet wurde. Seitdem hat sie bundesweit über 480 Jugend- und Bildungsprojekte mit insgesamt rund 14,3 Millionen Euro unterstützt. Neben kultureller Bildung will sie besonders das ökonomische Verständnis von Kindern und Jugendlichen fördern. Dabei setzt sie auch eigene Impulse. So brachte sie das Programm „Wa(h)re Werte – Die Wirtschafts.Forscher!“ an den Start.

Auf der Agenda stehen Themen wie „Von der Baumwollplantage in meinen Kleiderschrank“ oder „Was darf mein Smartphone?“. 20 Schulen der Sekundarstufe I in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Niedersachsen haben diese im Schuljahr 2016/17 behandelt. „Forschendes Lernen will Selbstverantwortung und Mitgestaltung sowie das wirtschaftliche Verständnis und Urteilsvermögen von jugendlichen Marktteilnehmern fördern“, so Dr. Maren Ziese, Leiterin des PwC-Stiftungsteams. Das Interesse an dieser Initiative ist groß. Die Zahl der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler stieg innerhalb eines Jahres von 300 auf rund 800.

Neben dieser Stiftung verfolgt auch PwC Deutschland Schulprojekte, etwa zur Berufswahl und besseren Bewerbung mit PwC-Mitarbeiter-Expertise, sowie die Initiative „Jobführerschein“ zur Integration junger Geflüchteter ins Erwerbsleben.

Ein besonderes Highlight: ein Wettbewerb für junge Sozialunternehmen. Die Gewinner bekommen einen Geldpreis, zwei Jahre Coaching und die Möglichkeit, die PwC-Büroräume zu nutzen.

PwC ist in Deutschland mit 10.627 Mitarbeitenden an 21 Standorten vertreten. Auch in Mannheim ist PwC seit fast einem Jahrzehnt präsent. In der Niederlassung in der Augustaanlage decken etwa 120 Spezialisten das gesamte Spektrum von der Wirtschaftsprüfung über die Steuer- und Rechtsberatung bis zur Strategie- und Unternehmensberatung ab.

INTER Versicherungsgruppe: Azubis im Fokus
„Die INTER Versicherungsgruppe steht schon seit vielen Jahren für die Werte Kompetenz, Fairness und Vertrauen“, erklärt Vorstandsmitglied Michael Schillinger. „Das bedeutet auch, dass wir bei unserem Handeln nicht nur wirtschaftliche Aspekte im Auge behalten, sondern auch die gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen.“ 2017 hat das Unternehmen erstmals einen CSR-Bericht nach dem Prüfstandard des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) vorgelegt.

Das Engagement der INTER ist nicht neu. Bestes Beispiel: der Wettbewerb um den Titel „Ausbildungs-Ass“. Als solches zeichnet die
INTER seit 22 Jahren gemeinsam mit der Jungen Deutschen Wirtschaft (Wirtschaftsjunioren Deutschland und Junioren des Handwerks) sowie den Medien „handwerk magazin“ und „Der Handel“ herausragende Leistungen in der Ausbildung junger Menschen aus. Innovative Ausbildungsbetriebe können sich in drei Kategorien bewerben: Industrie – Handel – Dienstleistungen, Handwerk und Ausbildungsinitiativen. Die INTER stiftet dafür jährlich Preisgelder in Höhe von 15.000 Euro. Über 200 Preisträger wurden seit 1996 geehrt. Gesucht werden Arbeitgeber, die bei der Suche nach Azubis neue Wege gehen, sie überdurchschnittlich fördern und zu Eigeninitiative, Verantwortung und Selbstständigkeit ermutigen.

„Bei vielen unserer CSR-Aktivitäten legen wir einen besonderen Fokus auf die Metropolregion Rhein-Neckar“, betont Schillinger. So fördert die INTER beispielsweise den CSR-Lehrstuhl der BWL-Fakultät der Universität Mannheim. Außerdem ist das Unternehmen als langjähriger Partner im Jugend- und Breitensport engagiert, unter anderem im Eishockey bei den Jungadlern Mannheim. Darüber hinaus werden seit vielen Jahren soziale Projekte in der Region unterstützt, beispielsweise die Aktion „Wir wollen helfen“ der Tageszeitung „Mannheimer Morgen“.

Als Versicherer steht die INTER für individuelle Lösungen in den Bereichen Kranken- und Lebensversicherung sowie Komposit. Dabei geht die Firma besonders auf die Bedürfnisse von Handwerkern und im Heilwesen tätigen Personen ein. Ende 2017 beschäftigte das Unternehmen gut 1.500 Mitarbeiter, über 900 davon in der Direktion in Mannheim.