Projekt „Internationale Studierende“ – Eine Brücke in den deutschen Arbeitsmarkt

Die Region Rhein-Neckar ist beispielhaft für die Integration internationaler Studierender in den deutschen Arbeitsmarkt. Unter der Federführung der Mannheimer Wirtschaftsförderung werden regionale Konzepte entwickelt und an den Start gebracht.

Zahlreiche Aktivitäten der Stadt Mannheim sollen dazu beitragen, internationale Studierende in den Arbeitsmarkt der Rhein-Neckar-Region zu integrieren. Foto: Universität Mannheim

Mit der neuen regionalen Initiative soll eine nachhaltige Verbindung zwischen internationalen Studierenden und kleinen und mittleren Firmen geschaffen werden. Besonders in IT-Berufen herrscht bereits heute ein erheblicher Fachkräftemangel. Hier könnte der Einsatz internationaler Hochschulabsolventen helfen, doch 45 bis 80 Prozent von ihnen verlassen nach ihrem Abschluss Deutschland wieder. Um Studenten aus dem Ausland frühzeitig auf den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt vorzubereiten, ist es wichtig, dass sie beim Übergang von der Hochschule zum Beruf vielfältige Unterstützung erhalten. Im Vergleich zu einheimischen Absolventen sind sie erfahrungsgemäß weniger gut vernetzt, kaum mit den aufenthaltsrechtlichen Bedingungen vertraut und verfügen oft über unzureichende Deutschkenntnisse. Im Gegenzug sollen mittelständische Unternehmen zu diesem Thema informiert und sensibilisiert werden.

„Die Vernetzung der Firmen mit den Hochschulen der Stadt steht im Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Die Zielgruppe der internationalen
Studierenden nimmt dabei einen wichtigen Platz ein.“

Michael Grötsch, Wirtschaftsbürgermeister der Stadt Mannheim

Hier entwickelt der Fachbereich für Wirtschafts- und Strukturförderung der Stadt Mannheim derzeit unter dem Projektnamen „International Students Welcome“ (ISW) als Federführer Konzepte zur systematischen und bedarfsgerechten Unterstützung von internationalen Studierenden und mittelständischen Betrieben. Gemeinsam mit dem Welcome Center Rhein-Neckar, regionalen Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, den Wirtschafts-
organisationen, den Arbeitsagenturen Mannheim und Heidelberg, Ausländerbehörden und den Wirtschaftsförderungen Heidelberg und Rhein-Neckar-Kreis sind gezielte Informationen über soziale Medien, Beratung, Unternehmensbesuche sowie die Begleitung zu Firmenkontaktmessen und Sprachkurse geplant. Auch die Übernahme von Abschlussarbeiten sowie Praktikumsplätze im Rahmen von Bewerberpools könnten dazu beitragen, die internationalen Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren.

Nach Angaben des Akademischen Auslandsamts der Universität Mannheim äußern 60 Prozent der internationalen Studierenden in Mannheim zwar den Wunsch, nach dem Studium in der Quadratestadt einen Arbeitsplatz zu finden. „Faktisch bleiben aber nur 20 Prozent – wenn auch mit steigender Tendenz“, bedauert Harald Pfeiffer, der bei der Mannheimer Wirtschaftsförderung als Leiter des Bereichs „Menschen und Kompetenzen“ für den Bereich Fachkräftegewinnung zuständig ist. „Deshalb sind die Anbahnung von Unternehmenskontakten sowie die Unterstützung im Bewerbungsprozess durch regional ausgestaltete, individuelle Beratung und gezielte Vermittlungsaktivitäten durch die Arbeitsagenturen und Akteure an den Hochschulen enorm wichtig für die erfolgreiche Eingliederung in einen Arbeitsplatz. Sie sollten sehr früh – schon während des Studiums – angeboten werden.“ Gleichzeitig müssten die kleinen und mittleren Unternehmen angesprochen und jungen Menschen aus aller Welt als potenzielle Arbeitgeber nähergebracht werden.

Im Zuge des Projekts „ISW“ in der Region Rhein-Neckar soll das im Wintersemester 2015/2016 erfolgreich eingeführte Unterstützungsangebot „Step by Step“ der Universität Mannheim ausgebaut werden. Bislang konnten internationale Studierende in diesem Rahmen interkulturelle Schulungen besuchen, berufsbezogene Deutschkurse mit integrierten Firmenbesuchen absolvieren sowie Informationsveranstaltungen und Beratung der Agentur für Arbeit Mannheim und individuelles Bewerbungscoaching nutzen. Geplant ist nun, bestehende Aktivitäten zur Existenzgründungsförderung für diese Zielgruppe stärker zu öffnen und zusätzliche Angebote zu schaffen. Betriebsbesuche sollen intensiviert und Praktika sowie die Anfertigung von Abschlussarbeiten bei den regionalen mittelständischen Firmen ermöglicht werden. Auf der Agenda stehen außerdem die verstärkte soziale Integration der internationalen Studierenden sowie ihre Begleitung zu regionalen Karrieremessen und Jobbörsen durch Mitarbeiter des Akademischen Auslandsamtes oder des Welcome Centers Rhein-Neckar.

Die Hochschule Mannheim plant ab dem Sommersemester 2018 innerhalb ihrer Fakultät für Informationstechnik mit dem Projekt „Engineering Start Plus“ Studentinnen und Studenten aus dem Ausland von Beginn an zu fördern und die Standortbindung zu verstärken. Die Initiative zählte beim Hochschulwettbewerb des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft innerhalb des Förderprogramms „Studienstart MINTernational“ zu den sechs Gewinnern. Die DHBW Mannheim hat sich vorgenommen, ihre Bewerberbörse um einen internationalen Bereich zu erweitern und ihren dualen Unternehmenspartnern bei der Rekrutierung im Ausland zu helfen.