Projekt „kompass“ Gemeinsam an einem Strang ziehen

Christiane Ram, Leiterin der Mannheimer Wirtschaftsförderung (l.), beglückwünschte die Mannschaft „MIES“, die mit dem Entwurf einer schwimmenden Bühne auf dem Neckar Rang 2 belegte. Foto: Hochschule Mannheim

Berufseinsteiger müssen heute Erfahrung in der Projektarbeit mitbringen, um bei Unternehmen punkten zu können. Gemeinsam mit der Mannheimer Wirtschaftsförderung und Unternehmen vor Ort fördert die Hochschule Mannheim diese Kompetenzen mit ihrem Projekt „kompass“.

An der Hochschule Mannheim treffen ganz unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander: von frischgebackenen Abiturienten über berufserfahrene Praktiker bis hin zu gestandenen Familienmenschen. Genauso vielfältig sind die Fächer, die sie studieren. Technische, wirtschaftswissenschaftliche, soziale und kreative Studiengänge sind auf dem Campus in Mannheim-Neckarau gleichermaßen vertreten. „Genau hier setzt ,kompass‘ an“, erklärt Matthias Bandtel, der das Projekt gemeinsam mit Professor Dr. Manfred Oster leitet. Die Teilnehmer erleben die Heterogenität im Team als Chance für ein erfolgreiches, interdisziplinäres Lernen.

Das Projekt „kompass“ ermöglicht es Studierenden bereits im Grundstudium, Interdisziplinarität zu entdecken. Ein Semester lang arbeiten Studierende verschiedener Fachrichtungen einmal wöchentlich drei Stunden in Kleingruppen gemeinsam an einem praxisnahen Thema. So werden Kommilitonen vernetzt, die aus ganz unterschiedlichen fachlichen Perspektiven einen gemeinsamen Lösungsansatz entwickeln. Begleitet von erfahrenen Tutorinnen und Tutoren entwerfen sie kreative Konzepte und konstruieren innovative Prototypen. Für mehr Praxisbezug verschafft ihnen die Mannheimer Wirtschaftsförderung Kontakte zu Unternehmen, Verbänden oder auch öffentlichen Einrichtungen – wertvoll ist der gute Draht zu Firmen auch fürs spätere Berufsleben. „Wir freuen uns, Kooperationspartner von ‚kompass‘ zu sein. Das Projekt hat uns sehr beeindruckt und ist im Hinblick auf die immer stärker geforderte Interdisziplinarität in Team- und Projektarbeit visionär“, erklärt die Leiterin des Fachbereichs für Wirtschaftsförderung Christiane Ram. Das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg fördert
„kompass“ mit 760.000 Euro.

Ob Mobilität im urbanen Raum, soziale Vernetzung oder nachhaltige Stadtentwicklung – die interdisziplinäre Herangehensweise bringt kreative Lösungen hervor. Die Teams aus den unterschiedlichsten Bereichen treten in einem Wettbewerb gegeneinander an. Eine Fachjury prämiert die überzeugendsten Lösungsansätze. Beim Thema „Mannheim im Fluss: Leben am Wasser – Stadt im Wandel“ des Sommersemesters 2018 spielte vor allem die Lage der Quadratestadt an Rhein und Neckar eine besondere Rolle. Wie können beide Flüsse noch stärker ins Stadtbild einbezogen werden? Welche Maßnahmen können die Gewässer noch attraktiver machen? Dies waren nur einige der Fragen, die sich stellten. Die „kompass“-Teilnehmer präsentierten darauf in einem Wettbewerb ganz unterschiedliche Antworten. Das Team „Infinity2“ holte mit seinem Entwurf eines „Neckar-Outdoor-Parks als Begegnungsort für Jung und Alt“ mit innovativen Kraftgeräten auf der Neckarwiese den ersten Preis. Den zweiten Platz belegte Team „MIES“ mit dem Entwurf einer schwimmenden Bühne auf dem Neckar, der „MIESmuschel“. Platz drei ging an die Mannschaft „CityConcorde“, die mit Behältern für Abfall und Asche, Toilettenanlagen sowie Grillscouts ein umweltfreundlicheres Grillen an der Neckarwiese ermöglichen will.

Die Studierenden nehmen die Erfahrung mit, dass man viel erreichen kann, wenn man im Team gemeinsam anpackt, sich Ziele steckt und Aufgaben klug strukturiert. Bandtel: „Schlüsselkompetenzen, die sie nicht nur im Berufsleben voranbringen.“ Die Evaluation ergab, dass die Projektteilnehmer die interdisziplinäre Arbeit als sehr gewinnbringend für ihre persönliche Entwicklung einstuften. Viele Gruppen bleiben auch nach dem Abschluss von „kompass“ freundschaftlich verbunden und arbeiten weiterhin fächerübergreifend zusammen.

Eine Kooperation gibt es auch zwischen der Projektleitung von „kompass“ und dem Projekt „Migrants4Cities“ der Strategischen Steuerung der Stadt Mannheim. Im Projekt „Willkommene Perspektiven – Migrants4Cities“ sucht die Stadt Mannheim gemeinsam mit Migrantinnen und Migranten und mithilfe der Methode des Urban Design Thinking nach neuen Ideen für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Kooperationspartner sind die TU Berlin und das inter 3 Institut für Ressourcenmanagement.

Im Wintersemester 2018/19 wird sich das Projekt „kompass“ mit der Hochschule selbst befassen. Im Fokus: Wie kann zeitgemäßes Lernen – zum Beispiel Digitalisierung in der Lehre – aussehen? Um ideale Lernräume soll es genauso gehen wie um die Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden sowie externen Partnern wie Stadt und Unternehmen. Für Rektor Professor Dr. Dieter Leonhard sind interdisziplinäre Öffnung und Vernetzung mit der Stadtgesellschaft wegweisend für die Ausrichtung der Hochschule Mannheim: „Auf unsere zukünftigen Absolventinnen und Absolventen kommen große Herausforderungen zu. Die Hochschule Mannheim gibt den Studierenden unter Federführung des Kompetenzzentrums Lehre & Lernen (siehe Kasten) einen kompass an die Hand, der sie in die Lage versetzt, sich in einer komplexen Welt zu orientieren und mit Dynamik und Veränderungen souverän umzugehen.“