100 Jahre DIRINGER & SCHEIDEL | Die Erfahrung macht den Unterschied

Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg 1949-1950: Eines der ersten Fotos aus dem Unternehmensarchiv zeigt die Baustelle der Landmann-Druckerei in der Rheingoldstraße in Mannheim-Neckarau. FOTO: D&S

Im Jahr 1921 als kleines Baugeschäft in Mannheim gegründet, ist DIRINGER & SCHEIDEL (D&S) heute mit rund 3.800 Beschäftigten und 90 Standorten europaweit eine der größten inhabergeführten Unternehmensgruppen im Südwesten Deutschlands – und hat ihr Portfolio kontinuierlich erweitert. „Mannheim – Stadt im Quadrat“ sprach mit Seniorchef Heinz Scheidel.

Nicht viele Unternehmen Ihrer Branche können den 100. Geburtstag feiern. Was ist das Erfolgsrezept von DIRINGER & SCHEIDEL?
Heinz Scheidel: Wir haben uns immer an die Wünsche und Bedürfnisse unserer Kunden angepasst. So sind wir zwar als klassisches Hochbauunternehmen gestartet, doch schon mein Vater hat den Tiefbaubereich hinzugenommen – und ein großer Schritt war in den 1970er-Jahren die Einführung des schlüsselfertigen Bauens zum Festpreis. Aktuell wird der Bauboom vor allem vom Thema Wohnungen getragen – und hier sehen wir in den Innenstädten ein großes Potenzial, werden hier doch derzeit massiv Handelsflächen in den oberen Etagen der Warenhäuser reduziert. Auch bei unserem Projekt in N7, dem von uns erworbenen ehemaligen Horten- und späteren Kaufhof-Warenhaus, wird Wohnraum die wichtigste Rolle spielen.
Ein Beispiel, wie in Zukunft urbanes Wohnen aussehen kann, ist zudem ein aktuelles Projekt der GBG, das wir als Generalübernehmer realisieren: das „Hochpunkt E“-Gebäude im neuen Wohnquartier FRANKLIN, das den Auftakt für die neue Silhouette des Stadtteils mit dem Schriftzug „HOME“ bilden wird. Auch wir beschäftigen uns natürlich mit neuen Themen. Unser Transportbetonwerk erhielt bereits 2018 die erste Zertifizierung für Recyclingbeton in Baden-Württemberg, die Klima Arena in Sinsheim haben wir gebaut, wir befassen uns mit neuen, hybriden Bauformen und dazu noch stärker als bisher mit dem Bauen im Bestand. Hierfür haben wir Anfang Oktober 2021 eine eigene Abteilung ins Leben gerufen. Nachdem in den letzten Jahren sehr viele Bürobauten entstanden sind, haben sich zahlreiche Firmen für einen Umzug in neue Gebäude entschieden. Die alten Bauten werden nun anders genutzt, müssen umgebaut und modernisiert werden. Hier entsteht gerade ein wichtiges und vor allem nachhaltiges Tätigkeitsfeld für uns.

An Geschäftsfeldern rund um das Thema Bauen mangelt es ja nicht. Trotzdem haben Sie sich entschieden, mit der „avendi Senioren Service GmbH“ und der Tochtergesellschaft „Ariva Hotel“ Ihr Portfolio mit zwei ganz neuen Bereichen zu ergänzen …
Scheidel: Die Idee entsprang einer Flaute rund um das Jahr 2000, denn das Baugeschäft ist stets volatil. Heute stammen zwar nach wie vor 60 bis 70 Prozent unseres Umsatzes aus unserem Kerngeschäft, doch den größeren Teil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen wir schon im Dienstleistungsbereich. Ganz fremd waren uns diese Themen allerdings nicht, schließlich haben wir stets Hotels und Pflegeeinrichtungen gebaut und kannten die Voraussetzungen, die hier zu berücksichtigen waren. Expandieren werden wir auch künftig weiterhin in der Pflege, wo wir inzwischen 21 stationäre Einrichtungen und fünf ambulante Dienste betreiben. Dieser Bereich trägt sehr kontinuierlich zu unserem Umsatz bei. Beim Thema Hotels sehe ich momentan kein weiteres Potenzial. Derzeit gehören uns vier Hotels in Mannheim, darunter das Radisson Blu Hotel in Q 6 Q 7 und das Hilton Garden Inn am Hauptbahnhof. Doch unser erstes Hotel, das Steubenhof Hotel in Mannheim-Neckarau, haben wir geschlossen und wollen die Flächen zu einer weiteren Pflegeeinrichtung umbauen. Die Konkurrenz in dieser Kategorie ist einfach zu groß.

Sie sind auch im Bereich Technologie sehr stark engagiert – das ist vielen Menschen gar nicht bewusst …
Scheidel: Vor 25 Jahren haben wir vier Firmen erworben, die sich mit der grabenlosen Sanierung von Versorgungsleitungen befassten und diese in der DIRINGER & SCHEIDEL Rohrsanierung zusammengefasst, die in Europa und mit zehn Niederlassungen in Deutschland als einzige unter den Marktführern alle möglichen Verfahren anwendet. Grabenlos heißt, wir benötigen keine großen Baugruben wie im klassischen Tief- und Rohrleitungsbau. Wir arbeiten mit zwei Schachtöffnungen am Anfang und am Ende und setzen Roboter für Fräs- und Verpressarbeiten ein. Ein Beispiel ist das Linerverfahren: Vereinfacht gesagt, wird ein harzgetränkter Glasfaserschlauch in die zu sanierende Leitung eingezogen, an das Altrohr angepresst und anschließend dort ausgehärtet. Bei diesem Prozess entsteht ein neues Rohr im Rohr. Mit unserer Firma pipetronics sind wir international mit der Entwicklung und Produktion intelligenter Rohrsanierungsroboter unterwegs, die wir bis nach Hongkong ausliefern.

Für die gesicherte Zukunft von DIRINGER & SCHEIDEL steht jedoch auch das Engagement der folgenden Generationen der Familie. Wie binden Sie Ihre Kinder und Enkel in die Firma ein?
Scheidel: Schon bei meinem Vater und Großvater spielte die Firma immer eine wichtige Rolle in der Familie – und stets in einem positiven Kontext. Und Besuche auf der Baustelle sind auch für meine neun Enkelkinder ein echtes Highlight gewesen. Ich habe dort – als sie noch jünger waren – regelmäßig Mini-Bagger aufgebaut, mit denen sie begeistert rumgefahren sind. Als die Brücke zwischen den beiden Teilen von Q 6 Q 7 eröffnet wurde, war es für mich selbstverständlich, sie mit zwei meiner Enkel als erster zu überqueren. Auch wenn ich das nie forciert habe, sind doch nun meine drei Töchter alle im Unternehmen aktiv – ebenso wie meine Schwiegersöhne und mein Neffe, die gemeinsam mit mir die Geschäftsleitung bilden. Auch für die Zukunft sieht es gut aus: Die Enkel- generation studiert aus meiner Sicht die richtigen Fächer, um unsere Gruppe weiterzuführen.

Die Fragen stellte Ulla Cramer.