Betriebliches Gesundheitsmanagement

Fitness für die Mitarbeiter

Sportliche Aktivitäten wie eine „bewegte Mittagspause“ bieten zahlreiche Firmen an.
Foto: Pfitzenmeier

Immer mehr Unternehmen setzen sich ganz bewusst für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter ein – auch mit Blick auf das steigende Durchschnittsalter der Arbeitnehmer in Deutschland. Und das Engagement lohnt sich: weniger Fehlzeiten, motivierte Beschäftigte und gute Argumente im Wettbewerb um Fachkräfte.

Von Ulla Cramer

Eine „bewegte Mittagspause“, bei der gezielte Übungen Verspannungen und damit auch Rücken- und Gelenkschmerzen vorbeugen sollen, Kurse zum Antara-Rückentraining, Indoor-Cycling oder Kochkurse für eine ausgewogene Ernährung: Seit über zehn Jahren arbeitet die Sparkasse Rhein Neckar Nord mit der Abteilung FirmenFitness der Unternehmensgruppe Pfitzenmeier zusammen, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu fördern.

Organisiert werden die Angebote im „S-Club“ der Sparkasse Rhein Neckar Nord unter der Regie der beiden Personalratsmitglieder ­Korina Gassert und Claudia Issner. Sie planen die Aktivitäten und diskutieren mit den Experten von Pfitzenmeier über neue Ideen und Angebote. „Neben Aktivitäten vor Ort in unserem Haus ­können unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch die Leistungen der sieben Pfitzenmeier Resort Clubs, des MediFit sowie der 28 Venice Beach Clubs zu günstigeren Konditionen nutzen“, sagt Gassert. „Ein Renner waren außerdem die Koch- und Backkurse.“

Vorträge und Sprechstunden werden mit Unterstützung von ­Pfitzenmeier ebenfalls angeboten. Sie beinhalten Untersuchungen wie­ „Medi-Mouse“, einen Gesundheitscheck zum Erkennen von Wirbelsäulen-Fehlstellungen und Muskeldysbalancen, oder den „eScan-Stoffwechseltest“, der Aufschluss darüber gibt, wie effizient der Körper Kalorien verbrennt, welche Stoffwechselprozesse vorherrschen und wie gut die Sauerstoffversorgung der Zellen funktioniert.
„Unsere Leistungen für Unternehmen beinhalten zwei Bausteine“, sagen Marcel Bolling, Leiter FirmenFitness und Betriebliche Gesundheitsförderung bei Pfitzenmeier, und seine Kollegin Simone Scherer. „Der FirmenFitness-Baustein bietet attraktive Modelle mit einer Beteiligung der Arbeitgeber für Belegschaften und deren Angehörige in unseren Studios und ist vor allem ein Mehrwert, wenn es darum geht, Mitarbeiter zu gewinnen oder zu halten.“

Der Baustein „Betriebliche Gesundheitsförderung“ umfasse Maßnahmen aus den Präventivbereichen „Bewegung“, „Rückengesundheit“, „Ernährung“ und „Stressbewältigung“, die direkt im Unternehmensumfeld angeboten werden. „Unsere Firmenkunden profitieren davon, dass wir mit unseren Trainern direkt vor Ort in den Betrieben präsent sein können, aber auch über eine Studiostruktur verfügen. So können wir beides aus einer Hand anbieten, und das befruchtet sich natürlich gegenseitig.“

Betriebliche Gesundheitsförderung steht auch bei der SV SparkassenVersicherung (SV) auf der Tagesordnung. „Vorbeugen statt Heilen“ wird bei Inge Mussler und ihrem Team vom Betrieblichen Sport- und Gesundheitswesen der SV großgeschrieben. Ähnlich wie in vielen Unternehmen altert auch die Belegschaft der SV und das Management stellt sich der Herausforderung, die Resilienz der Kolleginnen und Kollegen zu stärken. Zur Gesundheitsprävention­ zählt insbesondere die Vorsorge-Untersuchung („Mitarbeiter-Check-up“) für Menschen ab dem 35. Lebensjahr. Weitere spezielle Angebote ­
wie Hautscreening, Carotis-Doppler-Sono­graphie, Vitamin-D-Bestimmung, Gesund­heits­webinare, Grippeschutzimpfung, Hör- ­und Sehtests ergänzen das Leistungsspektrum. Darüber hinaus gibt es vielfältige Sport- und Bewegungsangebote – von Kickboxen bis Yoga.

Sandra Homburg besucht in der SV Mannheim dienstags nach der Arbeit den Kurs „Bodyforming“. „Nach dem Tag am Schreibtisch brauche ich lediglich in den Sportraum zu gehen und kann mich hier körperlich richtig auspowern und abschalten. Nach der Stunde bei Trainerin Silvia Weber fühle ich mich ausdauernder und fitter“, berichtet die Kollegin. Standortübergreifende Sparten wie Golf, Ski, Tennis oder auch Schach fördern die „Freundschafts-Aktivitäten“ und den Teamgeist im Konzern.

Auch Gesundheits-Checks stehen bei vielen Unternehmen auf dem Programm. Foto: Pfitzenmeier

Seit vielen Jahren arbeitet die SV mit dem pme Familienservice zusammen. Das Unternehmen unterstützt die Mitarbeitenden in allen Lebenslagen mit konkreten Lösungen für unterschiedlichste Herausforderungen. Das erleichtert die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und stärkt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der SV. „Ich möchte den Mitarbeitenden mit unserem Angebot zu einer gesunden Lebensführung verhelfen. Dass dies auch für die SV eine gute Investition ist, davon bin ich zutiefst überzeugt“, sagt Inge Mussler.

Die Sorgen mancher Arbeitgeber vor mehr Kosten und hohem Zeitaufwand entkräften inzwischen zahlreiche Studien. Befürworter solcher Maßnahmen rechnen mit einem ungefähren Return-on-Investment eines guten betrieblichen Gesundheitsmanagements von 1:2,7. Ein Aufwand von 1.000 Euro bringe also langfristig einen Nutzen im Gegenwert von ca. 2.700 Euro. Und auch der Staat unterstützt entsprechende Maßnahmen. Gesundheitsfördernde Aktivitäten sind unter bestimmten Voraussetzungen mit bis zu 600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr steuerlich absetzbar.

Betriebliches Gesundheitsmanagement bei Alstom

„Schon 2018 haben wir begonnen, ein Betriebliches Gesundheitsmanagement aufzubauen“, ­berichtet Sandra Emmler, betriebliche Gesundheitsmanagerin bei dem Bahntechnik-Spezialisten­ Alstom in Mannheim. „Unterstützt hat uns hier die Techniker Krankenkasse.“ In einer dreijährigen­ Kooperation mit den TK-Experten baute der interne Steuerkreis für Betriebliches Gesundheitsmanagement bei Alstom den Bereich am Standort Mannheim zügig auf und aus. „Einer unserer­ Hauptschwerpunkte sind Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit“, ­berichtet die BGM-Expertin. „Wir haben psychische Ersthelfer ausgebildet, verfügen über eine 24-Stunden­- ­Notfallhotline, zwei Burnout-Präventionsberater und einen Prozess zur Rückkehr nach psychischen Erkrankungen“, zählt sie nur einige Angebote auf.

Nachdem anfangs die Maßnahmen eher breit gestreut wurden, wertet Alstom jetzt die vorliegenden anonymisierten Daten der Krankenkassen aus, um die Zielgruppen herauszufinden, die die Hilfe besonders benötigen. So wurden 2024 die Informationen und Vorträge auf Frauen in den Wechseljahren fokussiert. 2025 konzentrierte man sich auf Muskel-Skelett-Erkrankungen, die vermutlich auch durch das mobile Arbeiten im Homeoffice wieder erheblich zugenommen haben. Vor diesem Hintergrund wurden auch verstärkt Büros und Ausstattungen unter die Lupe genommen und die Mitarbeiter tätigkeitsbezogen beim Thema Ergonomie geschult. Das Engagement von Alstom in Mannheim wurde 2022 bereits durch den Gewinn des „Corporate Health Award“ in der Kategorie „Produktion/Verarbeitende Industrie“ gewürdigt, und der Standort in der Qua­dratestadt ist inzwischen das Pilotprojekt für den Aufbau eines weltweiten BGM im Konzern.   uc

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar macht sich für dieses Thema stark und bietet einen Live-Online-Lehrgang zum „Betrieblichen Gesundheitsmanager“ an. Diese Weiterbildung qualifiziert die Teilnehmer zum aktiven Aufbau und zur langfristigen, kompetenten Betreuung eines ganzheitlichen betrieblichen Gesundheitsmanagements, speziell in kleineren und mittleren Unternehmen. Lars Paulsen, Branchenbetreuer Dienstleistungsgewerbe der IHK Rhein-Neckar, ist sich sicher: „Ein ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement, das Verhältnisprävention, also gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen, mit Verhaltensprävention, der Befähigung der Mitarbeiter zu gesundheitsförderlichem Verhalten, kombiniert, schafft eine Kultur der Gesundheit, in der sich Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen. Das fördert Motivation, Produktivität und ein besseres Arbeitsklima.“

Mehr im Internet:
Nutzen Sie das kostenfreie Online-Tool der IHK.
Mit ihm können Sie anonym und in kurzer Zeit testen, wo Ihr Unternehmen beim Thema „Gesundheitsförderung“ steht.