BUGA 23 | Experimentierfeld für die Zukunft

Die Vorbereitungen für die BUGA 23 in Mannheim machen große Fortschritte. RENDERING: BUGA 23/NORTHERN LIGHT

Die BUGA 23 will nicht nur eine schöne Blumen- und Pflanzenwelt präsentieren, sondern auch Antworten zum Klimawandel finden.

Eine Bundesgartenschau ohne Rosen, das ist wie Mannheim ohne Quadrate. Rosen werden daher auf der Bundesgartenschau im Jahr 2023 in vielen Variationen und prachtvollen Farben präsent sein und die Blicke der Besucher auf sich ziehen. Viele grüne Daumen sorgen dafür, dass die „Königin der Blumen“ die besten Voraussetzungen zum Gedeihen erhält. Vom 14. April bis zum 8. Oktober 2023 dürfen sich die Gäste dann an großzügig angelegten Rabatten erfreuen und bekommen nebenbei wertvolle Informationen über neueste Trends der Rosenzüchtung. Vor allem robust und insektenfreundlich sollen die Blumen sein, damit sie den Klimaveränderungen gewachsen sind.
Mit dieser Philosophie beschreitet die BUGA 23 neue Wege. Von Anfang an haben die Macher der Bundesgartenschaugesellschaft ein ganzheitliches Konzept vorgelegt, das sich wie ein grüner Faden durch die Veranstaltung zieht. Kurz zusammengefasst: Die Gartenschau will die Besucher in eine schöne Blumen- und Pflanzenwelt mitnehmen, sie will aber auch Antworten geben, wie dem Klimawandel in verschiedenen Lebensbereichen begegnet werden kann.
Auf über 100 Hektar Fläche wird Mannheims BUGA 23 damit flächenmäßig nicht nur eine der bisher größten Bundesgartenschauen sein, sie wird auch zu einem Experimentierfeld für die Zukunft: Klima, Umwelt, Energie und Nahrungssicherung sind die vier Überschriften, die als Leitthemen über dem Event stehen. Dabei bleibt es nicht bei der Theorie. Einen Sommer lang bekommen die Besucher intelligente und kreative Lösungen aufgezeigt, was möglich und machbar ist.
Allein der Veranstaltungsort signalisiert Innovation und Nachhaltigkeit. Auf einem über Jahrzehnte hinweg unzugänglichen Militärgelände, der ehemaligen US-amerikanischen SPINELLI-Kaserne, wird ein Gebiet erschlossen, das über die Bundesgartenschau hinaus einen Mehrwert für Mannheim besitzt. Zwischen den Stadtteilen Käfertal und Feudenheim spielt sich die BUGA 23 ab, als Teil eines 230 Hektar großen Grünzugs, der als dauerhafte „Klimaanlage“ für die zügige Durchlüftung bis in die Innenstadt hinein sorgen wird. Die Bundesgartenschau im Jahr 2023 dient als Motor für grüne Stadtentwicklung und bindet überdies den innenstadtnahen Luisenpark als zweiten Austragungsort in die aktuelle Bundesgartenschau mit ein.

Der Luisenpark wurde schon während der Bundesgartenschau 1975 zum Erholungsort für Menschen aus der ganzen Region und erfährt nun im Rahmen der neuen BUGA eine Modernisierung und Aufrüstung. Eine Seilbahn wird die beiden Ausstellungsbereiche verbinden und die Besucher in wenigen Minuten von der neuen Parkmitte des Luisenparks zum neuen BUGA-Gelände auf SPINELLI transportieren. Dabei schweben die Gäste über den Neckar und das klassische Landschaftsschutzgebiet Feudenheimer Au hinweg.
Der Neckar, der zwischen dem alten und neuen Ausstellungsgelände fließt, wird vorbereitend zur Bundesgartenschau aus seinem Bett befreit und renaturiert. Darüber dürfen sich nicht nur Fische und Libellen freuen. Überhaupt bekommt die Fauna hohe Aufmerksamkeit. Schon lange vor der Eröffnung der BUGA wurden Maßnahmen ergriffen, um Habitate für Mauereidechsen zu schützen und Bienenhabitate anzulegen. Auf dem Gelände wechseln sich Rot-Ahorn und Kupfer-Felsenbirne, Magnolie und Eisenholzbäume ab. Entlang eines Radschnellwegs wachsen heimische Gehölze wie Feldahorn, Traubeneiche, Vogelkirsche und Holzapfel. Im Sinne der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes gilt generell, dass bei Anlage und Pflege der Ausstellungsflächen ausschließlich biologische Mittel verwendet werden. Pestizide, mineralische Dünger sowie torfhaltige Substrate sind tabu. Die rund 150.000 Kubikmeter Erde, die im Norden Spinellis eingebracht wurden, haben die höchste Qualitätsstufe.
Selbstverständlich dürfen sich die Besucher auf einen entspannten und interessanten Aufenthalt in Mannheim freuen, sie dürfen und sollen aber auch Denkanstöße bekommen. Wie wollen wir in Zukunft leben? Welche umweltschonenden Formen der Energiegewinnung können genutzt werden? Wie schaffen wir es, nachhaltig Nahrung für alle Menschen zu sichern? Welche Pflanzen trotzen den Dürreperioden, wie halten sie Starkregen aus? Das sind nur einige Fragen, die zur Diskussion stehen.
Wichtig ist, was bleibt. So wie 1975 die beiden Mannheimer Stadtparks, aber auch ein Kongresszentrum und eine Fußgängerzone geschaffen wurden, so wie bei der großen Gartenschau 1907 die wunderschöne Jugendstilanlage am Wasserturm entstand, so bleibt jetzt im Zusammenhang mit der BUGA 23 dauerhaft der Grünzug Nordost als wertvolle Durchlüftungszone mit Klimaanlage. Es entstehen Sport- und Freizeitflächen, ein Radschnellweg, aber auch ein neues Quartier für rund 4.500 Menschen angrenzend an Käfertal- Süd (siehe Kasten S. 107).