Corona-Krise treibt die Digitalisierung

Die Arbeitswelt der Zukunft

Hinter den Kulissen der virtuellen Roadshow von FUCHS kam eine Menge Technik zum Einsatz.
Homeoffice, webbasierte Arbeitsmeetings, Telefon und Videokonferenzen – dies ist die Arbeitswelt der Zukunft auch nach Corona, nicht nur bei UEBERBIT oder Pepperl+Fuchs. Sein Global Management Meeting hat der Schmierstoffhersteller FUCHS auf eine Online-Variante umgestellt – mit großer Resonanz. Und BASF bringt mit „1000 Satellites“ ein Start-up für Coworking auf die Spur.

VON DR. GABRIELE KOCH-WEITHOFER UND ULLA CRAMER

FUCHS: Bühne frei für die virtuelle FUCHS-Roadshow

Als im März 2020 die Corona-Pandemie nach Europa kam, bedeutete das auch das Aus für ein wichtiges Event bei dem Mannheimer Schmierstoffhersteller FUCHS: das Global Management Meeting, zu dem im Frühjahr regelmäßig die Führungskräfte des Unternehmens aus der ganzen Welt in der Quadratestadt zusammenkommen. Auf der Agenda stand die Initiative FUCHS2025 des Unternehmens, in deren Mittelpunkt die sechs strategischen Säulen globale Stärke, Kundenund Marktorientierung, Technologieführerschaft, operative Exzellenz, Mitarbeiter und Organisation sowie Nachhaltigkeit stehen.

Die FUCHS-Familie ist während unserer globalen virtuellen Roadshow enger zusammen- gewachsen.
Stefan Fuchs, Vorstandsvorsitzender FUCHS PETROLUB

„Wir haben uns dann kurzfristig entschieden, die Veranstaltung zu einem mehrtägigen virtuellen Event zu diesem Thema umzugestalten und für die gesamte Belegschaft zu öffnen“, blickt Tina Vogel, Head of PR & Marketing, zurück. „Und gleich beim ersten Mal hatten wir viel Zuspruch. Mit dieser Resonanz und Begeisterung hatten wir gar nicht gerechnet.“ Insgesamt 1.845 FUCHS-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter loggten sich ein. Allein bei der digitalen Eröffnung durch den FUCHS-Vorstand waren 1.365 Teilnehmer dabei. Gerne genutzt wurde auch das Angebot, in separaten Kanälen Fragen zu stellen, die im Nachgang von den zuständigen Experten bei FUCHS beantwortet wurden. Dies galt auch für die Sessions zu einzelnen Bereichen von FUCHS2025, die ebenfalls auf großes Interesse stießen. „Auch begleitende Angebote wie Foto-Challenges zu Themen wie ‚Zeige uns die Aussicht aus deinem Homeoffice‘ waren echte Selbstläufer“, so Tina Vogel.

Die FUCHS-Familie ist während unserer globalen virtuellen Roadshow enger zusammen- gewachsen. Stefan Fuchs, Vorstandsvorsitzender FUCHS PETROLUB

Ende November 2020 hieß es dann: Bühne frei für Roadshow Nummer 2. Im Mittelpunkt stand hier ebenfalls das Thema FUCHS2025, das mit Best-Practice-Beispielen unterlegt wurde. Auch Punkte wie eine offene Feedbackkultur wurden mit Rollenspielen aus dem Alltag locker vermittelt. Auf große Resonanz stießen zudem „Cooking Sessions“ mit kulinarischen Highlights aus unterschiedlichen Ländern – denn was prägt eine Kultur mehr als das Thema Essen. „Gerade in Corona-Zeiten, in denen viele FUCHS-Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter vom Homeoffice aus arbeiten, ist eine virtuelle Roadshow die perfekte Möglichkeit für FUCHS zu kommunizieren, Kontakte zu halten und auszubauen sowie den Zusammenhalt zu stärken“, ist Tina Vogel überzeugt.

PEPPERL+FUCHS: Gute Erfahrungen mit dem Homeoffice

Auch für Pepperl+Fuchs, Spezialist für Automatisierung, Sensorik und elektrischen Explosionsschutz, ist digitales Arbeiten nicht neu. „Digitalisierung ist Teil unseres Geschäfts“, sagt Florian Ochs, Personalleiter der P+F-Gruppe. „Industrie 4.0 funktioniert eben nur mit Sensorik.“
Als im März 2020 von heute auf morgen auf mobiles Arbeiten umgestellt werden musste, konnte man im Konzern auf eine sehr gute digitale Infrastruktur zurückgreifen. Viele Mitarbeiter waren bereits mit Notebooks ausgestattet. Ein digitales Curriculum für die Fortund Weiterbildung war ebenso vorhanden wie beispielsweise ein VideoKonferenzsystem. „Wir haben ausgesprochen positive Erfahrungen damit gemacht“, berichtet Ochs.
Es habe sich herausgestellt, dass virtuelle Meetings durchaus schneller und effizienter als Präsenztreffen sein können. Allerdings müsse man diszipliniert Regeln des Zuhörens und Sprechens beachten: „Wer nicht redet, schaltet sein Mikro einfach auf ‚stumm‘“, erklärt Ochs. Für Gruppenbeteiligung in Telemeetings sorgen z. B. auch Elemente wie virtuelle Umfragen. Schließlich soll die im Familienunternehmen gepflegte Kooperationskultur nicht zu kurz kommen.
Ochs arbeitet gerade an einem Konzept, wie digitales und analoges Arbeiten künftig noch besser vernetzt und genutzt werden kann. Dazu gehört ein Wandel auch im Führungsverständnis, weg von Vorgabe und Kontrolle, hin zu noch mehr Delegation und Vertrauenskultur. „Schließlich kommt es darauf an, dass das Ergebnis stimmt“, so Ochs. Die eigenen Erfahrungen im Homeoffice hätten manch skeptischer Führungskraft gezeigt, dass dieses sehr wohl funktioniert, wenn man sich gut organisiert.
Weltweit arbeiten rund 6.200 Menschen für Pepperl+ Fuchs, davon ca. 1.100 in der Zentrale in Mannheim. Mit den beiden Geschäftsbereichen Fabrikund Prozessautomation erwirtschaftete das Unternehmen 2019 einen Umsatz von rund 715 Millionen Euro.

UEBERBIT: Dezentrales Arbeiten im Fokus

Dezentral über sichere Verbindungen „chatten“, sich im Video-Call austauschen, im Team Daten via Cloud teilen und Projekte bearbeiten: Für die Berater, Projektmanager, Entwickler und Designer von UEBERBIT ist das längst Berufsalltag. Mit ihrem IT-Know-how und ihren Erfahrungen beraten sie ihre Kunden und realisieren für diese smarte Web-Lösungen für eine optimale Zusammenarbeit, Informationsvermittlung und Wissenstransfer.
Das Spektrum der realisierten Lösungen ist vielfältig. So wurden für etliche Kunden die Homeoffice-Arbeitsmöglichkeiten durch die schnelle Bereitstellung von Cloud-basierten Teamräumen oder Kollaborationsplattformen verbessert oder gar erst ermöglicht. Solche Anwendungen werden von UEBERBIT schon seit langem im Kontext von Social Intranets umgesetzt, die Corona-Situation hat sich hier als Beschleuniger bemerkbar gemacht.
Das dezentrale Arbeiten kann darüber hinaus mithilfe schlanker App-Anwendungen ergänzt werden. Unternehmenskommunikation fließt direkt auf die mobilen Endgeräte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein hilfreicher Kanal nicht nur für die Krisenkommunikation.

Wir stellen uns
den Anforderungen zukünftiger Arbeitswelten.
Dr. Boris Stepanow, Inhaber und Gründer von UEBERBIT

„Mit unseren Softwarelösungen realisieren wir benutzerfreundliche und modular erweiterbare Anwendungen, die auch den Anforderungen zukünftiger Arbeitswelten gerecht werden“, sagt Dr. Boris Stepanow, Inhaber und Gründer von UEBERBIT. Diese Mission bewegte ihn und Daniel Bönisch schon, als sie 1996 das Unternehmen starteten. Heute haben die Digitaldienstleister neben dem Hauptsitz in Mannheim auch Büros in Berlin und Stralsund. Die Kunden kommen aus allen Branchen in ganz Deutschland.

BASF: Arbeiten im Satelliten

Was tun, wenn die Arbeit in der Firma vor Ort, aber auch das Homeoffice keine Option ist – einfach weil dort die technische Ausstattung oder die nötige Ruhe fehlt? „1000 Satellites“, ein Start-up aus dem BASF-eigenen Gründerzentrum Chemovator, bietet hier eine Alternative. Im Gebäude „Das E“ auf dem Konversionsareal Taylor in Mannheim-Vogelstang (siehe auch Seite 57) wurden 1.300 Quadratmeter Fläche zu einem Coworking-Space ausgebaut mit rund 100 Arbeitsplätzen, Meetingräumen, einer Veranstaltungsfläche und Möglichkeiten zum Relaxen und Kommunizieren. Vor allem beim Thema Nachhaltigkeit will sich das Unternehmen von der Konkurrenz absetzen, so Nicolai Baier, General Community Manager in Mannheim. „Und diesen Anspruch setzen wir nicht nur bei unserer Einrichtung um, sondern vor allem bei der Wahl des Standorts. Wir gehen nicht in die Innenstädte, sondern dahin, wo die Menschen wohnen – an die Peripherie wie hier auf dem Taylor-Areal. Die Idee: Die Fahrt zum Arbeitsplatz soll kürzer werden. Und: Wir bauen keine neuen Gebäude, sondern ziehen in bestehende umgewidmete Immobilien wie in diese alte, sanierte Kaserne.“

„1000 Satellites“, ein Anbieter von Cowor- king-Arbeitsplätzen mit engen Beziehungen zur BASF, hat sich im Gebäude „Das E“ auf dem Taylor-Areal niedergelassen.

In den ersten Wochen waren es vor allem Mitarbeitende der BASF aus allen Sparten, die im Rahmen einer Studie die Coworking-Plätze in Mannheim nutzten und sich über die angenehme Arbeitsatmosphäre und die Kontakte mit Kollegen aus komplett anderen Bereichen freuten. „Doch inzwischen haben wir auch viele Freiberufler hier und Firmen, die sich in Mannheim etablieren wollen“, weiß Baier. Im Frühling 2021 planen Caro Windlin, Gregory von Abendroth und Markus Hummelsberger die Ausgründung ihres Start-ups aus dem Chemovator. Die bisherige 100-prozentige „Mutter“ BASF wird sich dann bis auf eine Minderheitsbeteiligung zurückziehen. Die Unternehmensgründer wollen mit „1000 Satellites“ noch weiter wachsen – neben Mannheim und Neustadt an der Weinstraße stehen weitere Niederlassungen unter anderem in Wachenheim, Speyer, Worms und an der Bergstraße auf der Agenda.
In „Das E“ in Mannheim gibt es ebenfalls noch Expansionsmöglichkeiten, blickt Baier optimistisch in die Zukunft und weist stolz auf die lokalen Bezüge in den Räumlichkeiten hin. „Die Meetingräume haben wir nach der berühmten Familie Collini, nach dem SV Waldhof und der Mannheimer Lokallegende, dem Blumepeter, benannt“, berichtet er. „Und auch bei der grafischen Gestaltung der Wände finden sich mit dem Wasserturm, dem Fernsehturm, dem Collinisteg, dem Rathaus und dem Schloss zahlreiche Verbindungen zu unserem Heimatstandort.“

Homeoffice kommt an

Ein Arbeitsweg von wenigen Metern, Jogginghose statt Krawatte, Familie statt Kollegen: Mit der Corona-Pandemie zogen zahlreiche Arbeitnehmer an den heimischen Schreibtisch um – und so mancher will gar nicht mehr ins Büro zurück. Denn den Wechsel ins Homeoffice bewerten viele laut einer Studie der Krankenkasse DAK als positive Erfahrung. Fühlten sich vor der Pandemie 21 Prozent der Beschäftigten regelmäßig gestresst, waren es während der Corona-Krise nur 15 Prozent. 56 Prozent derer, die mittlerweile regelmäßig zu Hause arbeiten, sagen außerdem, sie seien dort produktiver als im Büro.
Zwei Drittel erklärten, sie könnten Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren – und ähnlich viele freuen sich über den Zeitgewinn, seit das Pendeln zum Arbeitsplatz weggefallen ist. Negativ in die Waagschale fallen der fehlende Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und die fehlende Möglichkeit, Probleme im persönlichen Kontakt schnell und direkt lösen zu können.