Corporate Sustainability Reporting Directive

Kann die Rechnungslegung unsere Welt verbessern?

Am 21. Juni 2022 war es soweit: Die EU macht Ernst mit dem „Green Deal“, bis 2050 klimaneutral zu werden und nachhaltiges Wirtschaften zu fördern.

VON DR. GABRIELE KOCH-WEITHOFER UND ULLA CRAMER

Dr. Stefan Tichy, geschäftsführender Gesellschafter FALK. FOTO: FALK

Corporate Sustainability Reporting Directive, kurz CSRD, heißt die neue Vorschrift aus Brüssel, die die Non Financial Reporting Directive (NFRD) ablöst – jedoch sehr viel weiter greift. Was bisher nur für börsennotierte Konzerne galt, betrifft ab 2025 auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit einem Jahresumsatz ab 40 Millionen Euro. Allein in Deutschland sind dies rund 15.000 Firmen. Informiert werden muss dabei aus zwei Perspektiven: Unternehmen sind verpflichtet, die Wirkung von Nachhaltigkeitsaspekten auf die eigene wirtschaftliche Lage festzuhalten. Und sie müssen die Folgen ihres eigenen Engagements zu diesem Thema auf Dritte verdeutlichen. Inhaltlich ist die komplette Bandbreite an Umweltthemen, sozialen Aspekten und Kriterien der Unternehmensführung (Environmental Social Governance, ESG) abzudecken. Dazu gehören Klimaschutz, Ressourcennutzung oder Vermeidung von Verschmutzung ebenso wie Chancengleichheit, Arbeitsbedingungen und Menschenrechte. Auch Führungsverhalten, Anti-Korruptionssysteme oder politische Einflussnahme spielen eine Rolle. Neben der EU-Taxonomie zur Lenkung der Finanzströme auf nachhaltige Technologien und dem Lieferkettengesetz, das die unternehmerischen Sorgfaltspflichten für Menschenrechte und gegen Ausbeutung weltweit regelt, ist die CSRD damit die dritte Säule der EU-Strategie. Die zweite wesentliche Änderung ist: Die CSRD-Fakten sind Teil des Jahresabschlusses und müssen unabhängig geprüft werden. „Klares Ziel ist es, Nachhaltigkeitsberichte auf eine Stufe mit der Finanzberichterstattung zu stellen“, erklärt Dr. Stefan Tichy, geschäftsführender Gesellschafter der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft FALK.

Dass „weiche“ Fakten ins „harte“ Zahlenwerk der Rechnungslegung aufgenommen werden, fällt nicht allen Finanzvorständen leicht, weiß er. In jedem Fall aber wird von Seiten der Unternehmen wie auch von Kapitalgebern und Banken begrüßt, dass das Thema Nachhaltigkeit nach einheitlichen EU-Standards berichtet und damit vergleichbar wird. Das geforderte Testat erhöht zudem die Glaubwürdigkeit, maschinell auslesbare Angaben sorgen zusätzlich für Transparenz.

Wer die Prüfung übernimmt, bestimmt jedes EU-Mitgliedsland selbst. „Das können Wirtschaftsprüfer sein, die den Jahresabschluss prüfen, müssen es aber nicht. Aus unserer Sicht spricht jedoch viel dafür. Wirtschaftsprüfer sind mit solchen Systemprüfungen und Unternehmensstrukturen vertraut. Zudem sind die Themen untereinander eng verwoben“, erklärt Tichy. FALK habe sich jedenfalls vorbereitet und unter anderem Mitarbeitende zu „Nachhaltigkeitsmanagern“ weiterqualifiziert. Viele kleine und mittlere Unternehmen hätten die neue Berichtspflicht schon „auf dem Schirm“, so der Wirtschaftsprüfer. Anderen „fehle noch der Startschuss“. Unternehmen müssen sich nun zeitnah darüber im Klaren sein, welche Aspekte für sie relevant sind und Zuständigkeiten benennen. „Erst müssen ein kompletter Rahmen abgesteckt und Festlegungen getroffen werden. Anteile an Umsatzerlösen mit ökologisch nachhaltiger Tätigkeit lassen sich beispielsweise nur dann korrekt berichten, wenn die Umsatzerlöse zuvor den jeweiligen Bereichen zugeordnet wurden“, erklärt Tichy. Kann also Rechnungslegung die Welt verbessern? „Sie kann einen Beitrag dazu leisten“, ist Tichy überzeugt. „Rechnungslegung bringt die Wahrheit auf den Tisch. Als Teil des Jahresabschlusses sind Nachhaltigkeitsfaktoren jetzt klar aufgewertet. Im Idealfall hat das Konsequenzen – bei Kunden, Kapitalgebern und in der Öffentlichkeit.“

Zitat:
„Wer über das Jahr 2025 Rechenschaft ablegen und über Nachhaltigkeit berichten will, muss seine Systeme, Daten und Fakten ab Januar 2025 parat haben. Möglicherweise macht auch ein Probelauf für 2024 Sinn.“

Dr. Stefan Tichy, geschäftsführender Gesellschafter FALK