
Betriebe auf der Suche nach Azubis und Jugendliche mit Migrationsgeschichte zusammenzubringen – das ist ein Ziel des Deutsch-Türkischen Instituts für Arbeit und Bildung (DTI) in Mannheim. Ebenso im Fokus: das Thema Demokratie.
Von Ulla Cramer
Die 16-jährige Lea stammt aus dem Kosovo und besucht die Abschlussklasse einer Mannheimer Realschule. Sie hat noch keinen klaren Traumberuf, aber Berufe im medizinischen oder chemischen Bereich interessieren sie. Außerdem ist sie unsicher, ob ihre Noten in den Naturwissenschaften ausreichen, um eine Berufsausbildung in diesen Feldern zu starten. Das Projekt „Ausbildung: (K)ein Thema!“ des Deutsch-Türkischen Instituts für Arbeit und Bildung, für das sich eine Mentorin an ihrer Schule engagiert, spricht sie deshalb an.
Schon beim ersten Treffen helfen ihr die gezielten Fragen der Mentorin, sich selbst zu reflektieren. Auf Basis der Antworten wird ein Kurzprofil erstellt, das Leas Stärken und Präferenzen zusammenfasst. Nach weiteren Terminen mit der Mentorin ist sie so weit, sich bei einer in Mannheim ansässigen Hausarztpraxis um eine Ausbildungsstelle als Medizinische Fachangestellte (MFA) zu bewerben.
„Ziel des Projekts ist es, Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine berufliche Orientierung zu geben, direkte Kontakte mit Betrieben zu ermöglichen, Praktika zu organisieren und sie als Auszubildende für diese Betriebe zu gewinnen“, sagt Prof. Franz Egle, geschäftsführender Vorstand des DTI, der den Verein mit inzwischen rund 80 Mitgliedern 2012 gemeinsam mit dem Unternehmer Mustafa Baklan ins Leben gerufen hat.
Rund 50 junge Leute konnten seit Beginn der Initiative im Jahr 2019 unterstützt werden, etwa zwei Drittel von ihnen wurden zu Vorstellungsgesprächen eingeladen und rund der Hälfte dieser Gruppe wurde eine Ausbildungsstelle angeboten.
Anfang 2025 wurde „Ausbildung: (K)ein Thema!“ in das Startchancen-Programm von Bund und Ländern aufgenommen, das Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schüler unterstützt. Nun konnte auch Tasniem Ibrahim als Projektkoordinatorin eingestellt werden, welche die Jugendlichen als Mentorin in den Schulen bei der Berufsorientierung begleitet und die Interviews zur Erstellung der individuellen Kurzprofile durchführt.
Im Jahr 2025 lud das DTI zur neunten Auflage seiner interaktiven Demokratieveranstaltung ein – dieses Mal unter dem Titel „Demokratie trifft Berufswahl“. Rund 80 Schülerinnen und Schüler diskutierten im Ratssaal des Mannheimer Rathauses mit Vertretern aus Politik, Medien und Stadtgesellschaft über die Bedeutung von Artikel 12 in Zeiten von Digitalisierung und KI.
Eine Kunstaktion und ein Mitmachformat unterstrichen: Demokratie lebt vom Mitgestalten. Für diese langjährige Arbeit in der Demokratiebildung wurde das DTI im Herbst 2024 mit dem Mannheimer Demokratiepreis ausgezeichnet. Die mit dem Preis verbundenen Mittel fließen direkt in neue Bildungsprojekte an Mannheimer Schulen – ein klares Signal: Demokratie braucht Engagement, Vertrauen und Räume, in denen junge Menschen mitgestalten können.
