„Die ökologische Transformation muss auch ein ökonomischer Erfolg werden“

Manfred Schnabel, Präsident der IHK Rhein-Neckar, spricht über die Motivation der IHK Rhein-Neckar, sich vor dem Hintergrund der ökologischen Transformation mit ihren tiefgreifenden Konsequenzen für Geschäftsmodelle, Wertschöpfung und Arbeitsplätze beim „Mannheimer Klimaschutz-Aktionsplan 2030“ zu engagieren. FOTO: THOMAS RITTELMANN/IHK RHEIN-NECKAR
Manfred Schnabel, Präsident der IHK Rhein-Neckar, im Interview

Herr Schnabel, auf EU-, Bundes-, Landes- und auch lokaler Ebene wurden und werden eine Vielzahl von Klimaschutzplänen und -gesetzen eingeführt. Wie stehen Unternehmen dazu?
Manfred Schnabel: Es steht außer Frage, dass sich unsere Unternehmen konstruktiv am Transformationsprozess beteiligen. Wichtig ist, dass die ökologische Transformation auch ein ökonomischer Erfolg wird. Damit erreichen wir, dass Deutschland zum Vorbild wird und uns andere Länder auf dem Weg in die Klimaneutralität folgen.

Wo sehen Sie Hindernisse?
Schnabel: Drei Dinge fallen auf: Die Politik verliert sich zum einen beim Klimaschutz häufig in Details, anstatt den Ordnungsrahmen sachgerecht zu gestalten. Auch mangelt es häufig an Abstimmung und Passgenauigkeit zwischen den verschiedenen politischen Akteuren und Ebenen. Dritter Punkt: Der Gesetzgeber lässt manchmal die nötige Sorgfalt vermissen. Dazu ein Beispiel: Unsere Dachorganisation in Berlin, der DIHK, hatte nur 24 Stunden Zeit, um zum Entwurf des Klimaschutzgesetzes Stellung zu nehmen. Das geht nicht bei solch wichtigen Gesetzen mit weitreichenden Konsequenzen!

Die IHK Rhein-Neckar ist bei der ökologischen Transformation auf allen Ebenen im Dialog mit der Politik und regional unter anderem im „Mannheimer Klimaschutz-Aktionsplan 2030“ engagiert. Welche Rolle hat die IHK in diesem Gremium?
Schnabel: Wir sind im Lenkungskreis und in den für die Wirtschaft relevanten Strategiegruppen beteiligt, um die Interessen unserer Mitgliedsunternehmen einzubringen. Im Lenkungskreis findet die Gesamtsteuerung statt, in den Strategiegruppen die inhaltliche Arbeit in den einzelnen Themenfeldern. Wir werden konstruktive und zielorientierte, aber auch kritische Akzente setzen. Unsere Unternehmen sind nicht Teil des Problems, sondern der wichtigste Teil der Lösung. Wir brauchen technologische Innovationen und engagierte Unternehmen bei deren Umsetzung.

Wie informiert die IHK Betriebe zum Klimaschutz?
Schnabel: Unsere Berater von der Kompetenzstelle für Energieeffizienz Rhein-Neckar gehen vor Ort in die Firmen und schauen, mit welchen Maßnahmen Energiekosten eingespart werden können. Möglich ist zum Beispiel, dass in Photovoltaikanlagen oder Druckluftkompressoren investiert wird. Im Oktober und November 2021 haben wir außerdem eine neue Runde zur Qualifizierung unserer Energiescouts gestartet, bei der wir Azubis zum Thema Energie- bzw. Ressourceneffizienz fit gemacht haben. Diese können nun ihre frischgewonnene Expertise in ihren Firmen einsetzen.