Erster Night Mayor in Deutschland
Bürgermeister für die Nacht
von Markus Weckesser

Sorgt als frischgebackener Nachtbürgermeister für Ordnung: Hendrik Meier
Foto: Lih Tsan/Stadt Mannheim

Er ist der erste seiner Art. Im August 2018 wurde Hendrik Meier der erste Night Mayor Deutschlands und vermittelt zwischen Partygängern und Anwohnern.

Keine andere Stadt in der Region Rhein-Neckar zählt mehr Clubs, Bars und Kneipen. Mannheim ist eine angesagte Ausgehstadt. Allabendlich und besonders an den Wochenenden strömen zahlreiche Gäste in Szeneviertel wie den Jungbusch, um ausgelassen zu feiern. Was die einen freut, ist für die anderen ein Ärgernis. Die Lösung zur Zusammenführung dieser divergierenden Interessen ist Hendrik Meier. Er wurde im August 2018 zum ersten Nachtbürgermeister Mannheims gewählt. Sein Ziel: Alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen, um Lösungsansätze zu Themen wie Lärmbelästigung und Vermüllung der Straßen zu diskutieren und auf den Weg zu bringen. 

„Die Kommunikation zwischen den Akteuren ist viel besser und es ist deutlich leiser geworden.“
Hendrik Meier, Night Mayor von Mannheim 

Dabei ist der junge Night Mayor keineswegs ein Ersatz für die Polizei oder das Ordnungsamt. Der 28-Jährige vermittelt lediglich zwischen Feiernden, Anwohnern, Wirten und den kommunalen Behörden. Und das ist schon sehr viel. Denn es erfordert viel Einfühlungsvermögen und die richtige Tonlage, um die verschiedenen Konfliktparteien anzusprechen. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit stellte sich Meier deshalb in der Gastronomie vor Ort vor, um mehr über deren Gäste zu erfahren und zu hören, wo der Schuh drückt. Ein häufiges Thema ist der Lärm von Feiernden in der Nacht. Aber auch Drogen und die Zerstörung von Straßenmobiliar sorgen für Ärger. 

Zu den ersten Maßnahmen, die Meier nach seiner Wahl umsetzte, gehören Pfandhalter für Flaschen. Sie sollen dazu anregen, Pfandflaschen dort abzustellen und nicht einfach in den Müll oder gar auf die Straße zu werfen. Darüber hinaus sind Flaschensammler, die das Pfandgeld benötigen, nicht mehr gezwungen, in Mülltonnen zu steigen, um nach Leergut zu suchen. Sehr gut angelaufen ist auch die Initiative „Ist Luisa hier?“ Wenn Frauen sich sexuell belästigt fühlen, können sie sich mit diesem Code an das Thekenpersonal wenden und um Hilfe bitten. Mehrere Lokale machen bereits mit. Gepunktet hat der Nachtbürgermeister auch mit der Kater-Box, ein spielerisches Plädoyer für den bewussten Umgang mit Alkohol. „Die Bestückung mit Traubenzucker oder einem Kondom soll die Leute zur Diskussion anregen,“ erläutert Meier die Kampagne.

Obgleich der frischgebackene Nachtbürgermeister in der gesamten Stadt im Einsatz ist, konzentriert sich seine Arbeit auf den Jungbusch. Hier trifft sich das Partyvolk. Um das Zusammenleben besser zu regeln, hat Hendrik Meier ein Regelwerk initiiert. Die Jungbusch-Vereinbarung listet zehn Punkte für einen respektvollen Umgang im Kiez auf. Denn ein reines Partyviertel ist der Jungbusch nicht. Hier leben viele Bürger unterschiedlicher Nationalitäten, u. a. auch der Night Mayor selbst, der sein Studium an der Popakademie Baden-Württemberg mit einem Master im Fachbereich Music & Creative Industries abgeschlossen hat. Neben seinem Job als Nachtbürgermeister ist er selbstständiger Booker und als lokaler Veranstalter aktiv. 

„Als Nachtbürgermeister hat er bisher alle Erwartungen erfüllt“, sagt Matthias Rauch, Leiter der Kulturellen Stadtentwicklung Mannheims. Gemeinsam mit dem Clubverband EventKultur Rhein-Neckar entwickelte er die Idee für diese Aufgabe. „Auch außerhalb Mannheims ist die Resonanz groß. Bereits viele Vertreter anderer Kommunen haben uns besucht, die ebenfalls an einem Night Mayor interessiert sind.“ 

Sven Birkner von der VR Bank Rhein-Neckar, die den gesamten Prozess als Partner unterstützte, ist von dieser Entwicklung ebenfalls angetan. „Wir haben den Wahlprozess des ersten Night Mayor in Deutschland für Mannheim gerne unterstützt, weil die Nachtökonomie ein wichtiger Standortfaktor insbesondere für die Gewinnung von jungen Fachkräften in unserer Region ist. Das bestätigen uns unsere mittelständischen Kunden. Wir freuen uns, dass wir helfen konnten, hier wichtige Akzente zu setzen.“