
Foto: Jörg Runde
Frau Rinne, wie unterstützen Sie als Laufbahnberaterin die Athleten konkret?
Fanny Rinne: Wir ermöglichen den Sportlern Flexibilität in der Bildungskarriere, zum Beispiel durch Schulzeitstreckungen oder Klausurverschiebungen. Es gibt Kooperationen mit Eliteschulen, Partnerhochschulen und Partnerbetrieben. Die Arbeit besteht darin, Athleten zu unterstützen, damit sie ihre Ziele im Sport erreichen und eine Bildungs- und Berufskarriere vorantreiben können, für eine Karriere nach dem Sport. Wir Laufbahnberater sind besonders in Übergangsphasen entscheidende Begleiter.
Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern in der Region aus?
Rinne: Wir pflegen bestehende Kooperationen zwischen Sportsystem und Bildungs- und Berufspartnerschaften, damit die Athleten den zeitlichen Nachteil, den sie haben, ausgleichen können. Ihnen wird nichts geschenkt. Es wird flexibilisiert und gestreckt. Was die Schulen angeht, sind wir im Deutschlandvergleich top. Wir haben im Verbundsystem Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe Eliteschulen des Sports. Von den deutschlandweit über 100 Partnerhochschulen des Spitzensports sind zwölf in der Region und in Mannheim. Das ist sehr gut. Was definitiv noch ausgebaut werden kann, ist die Zusammenarbeit mit Unternehmen.
Was meinen Sie konkret?
Rinne: Es besteht die Initiative „Partnerbetriebe des Spitzensports“, die Unternehmen würdigt, die eine spitzensportfreundliche Ausbildung oder Arbeitsplatz möglich machen. Darüber hinaus halte ich es für wichtig, ein systematisches Programm aufzubauen, das Spitzenathleten und Unternehmen zusammenbringt. Beide Seiten können voneinander profitieren.
Was sind die Herausforderungen bei der Zusammenarbeit mit Unternehmen?
Rinne: Die Herausforderung besteht darin, die Unternehmen und Athleten zusammenzubringen und den Bedarf der Athleten zu decken, wenn er akut ist. Ein Praktikum, zeitlich auf den Trainingsplan abgestimmt, ein Jobeinstieg in Teilzeit während der Karriere, in Vollzeit nach der Karriere. Es gibt viele positive Signale von Unternehmen, die Interesse an Sportlern haben. Es ist wichtig, dass Personen in Unternehmen, die Entscheidungen treffen können, die Athleten sehen und erkennen, welche Fähigkeiten sie mitbringen. Und dass sie bereit sind, sie zu fördern und in sie zu investieren. Denn die Berufserfahrung fehlt natürlich noch.
Welche Fähigkeiten haben Sportler denn in der Regel?
Rinne: Top-Athleten stehen für ausgeprägte Disziplin, verfügen über ein gutes Zeitmanagement, haben großen Ehrgeiz und sind nicht selten ausgesprochen gute Teamplayer. Sie sind kritikfähig und zielorientiert. Sie wollen lernen und Dinge entwickeln. Das sind alles Eigenschaften, die jedem Unternehmen gut zu Gesicht stehen und gesucht werden. Beim Übergang in ein neues Fachgebiet sollte man sie unterstützen und fordern.
Wie sehen Sie die Trainingsbedingungen und den Standort Mannheim im Allgemeinen?
Rinne: Mannheim ist eine Sportstadt mit einem breiten Angebotsspektrum im Breiten- und Leistungssport, Top-Trainingsbedingungen und außerdem sehr attraktiv für Zuschauer. Die Mannschaftssportarten vorneweg mit Eishockey und Handball in professionellen Ligen, gefolgt von Hockey. Basketball und Rugby in Heidelberg um die Ecke. In Mannheim haben wir mit Leichtathletik einen weiteren Stützpunkt, die jährliche Bauhaus-Gala bei der MTG als Magnet für Zuschauer und das Springreitturnier während des Maimarktes. Im Umkreis haben wir noch auf Topniveau Golf, Gewichtheben, Boxen und Kanu mit Stützpunkten, die zu unserer Region gehören, und das sind nur die olympischen Sportarten.
Was war Ihr besonderes sportliches Erlebnis in Verbindung mit Mannheim?
Rinne: In Verbindung mit Mannheim sind es zwei Ereignisse, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Das eine war ein Länderspiel auf dem eigenen Platz beim TSV Mannheim gegen Neuseeland, mit Vereinsheimkulisse, ich meine 2006. Das andere war der Europacup 2011 im Hallenhockey, den wir in der eigenen Halle hatten. Beide Ereignisse waren sehr besonders für mich.
Was hält Sie persönlich in Mannheim?
Rinne: Mannheim ist für mich Heimat. Es hat sich in den letzten Jahren noch einmal sehr entwickelt und bietet viele Facetten. Ich mag die Menschen hier, die ehrlich und direkt sind. Mannheim hat eine besondere Lebensqualität und viele Gesichter. Mannheim ist echt.
Das Gespräch führte Jörg Runde.
