Gemeinsames Pilotprojekt von Roche und der Deutschen Bahn
Mobilität auf Abruf
von Wolfgang Brauer

Roche-Mitarbeiterin Lorena Mayer war eine von knapp
30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des gemeinsamen Pilotprojekts von Roche und DB Regio.

Firmen machen sich zunehmend Gedanken über die Mobilität ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dies zeigt ein Pilotprojekt, das das Gesundheitsunternehmen Roche gemeinsam mit der Deutschen Bahn auf die Gleise brachte.Auf die Bahn umsteigen und mit einem Shuttle-Bus täglich von zu Hause abgeholt und vom Bahnhof direkt zum Firmengelände gebracht zu werden, um so den täglichen Autostau zu umgehen? Das ist keine Zukunftsmusik! Mitarbeitende des Gesundheitskonzerns Roche haben diese neue Form der Mobilität im Frühjahr 2019 sechs Wochen lang getestet. Knapp 30 Berufspendler aus dem hessischen Lampertheim konnten ergänzend zum Zugangebot der Deutschen Bahn einen On-Demand-Shuttleservice am Wohn- und Arbeitsort ordern, der sie von zu Hause abholte und vom Bahnhof direkt zum Arbeitsplatz transportierte.   

Zu diesem Zweck hatten die Teilnehmer eine App auf ihrem Mobiltelefon installiert, mit dem sie spontan oder im Voraus einen Transport zwischen einer virtuellen Haltestelle nahe ihrer Wohnung und dem Bahnhof Lampertheim bestellen konnten. Diese Haltepunkte waren maximal 200 Meter von ihrem Zuhause entfernt. Nach der kurzen Bahnfahrt im Regionalexpress oder der Regionalbahn erwartete die Roche-Mitarbeiter am Bahnhof Mannheim-Waldhof ein weiterer Pendelshuttle, der sie bis vor das Werkstor fuhr. 

Der Pilotversuch wurde gezielt mit rund 30 Roche-Mitarbeitern durchgeführt, die in Lampertheim wohnen und täglich den Weg zur Arbeit mit dem Auto zurücklegen. Diese Einwohner der südhessischen Kleinstadt vor den Toren Mannheims wurden direkt angeschrieben und konnten sich ganz einfach per E-Mail für eine Teilnahme bewerben. Das Interesse war so hoch, dass sogar eine Warteliste eingeführt werden musste. Im Laufe der Versuchsphase wurden noch einzelne weitere Teilnehmer in den Piloten aufgenommen.

Umgesetzt wurde das Projekt von der Nahverkehrstochter der Deutschen Bahn AG, DB Regio Mitte mit Sitz in Mannheim, und ioki, dem Geschäftszweig der Deutschen Bahn für On-Demand-Mobilität. Die Kosten beliefen sich auf einen sechsstelligen Euro-Betrag, u. a. für die fünf Pendelfahrzeuge samt Fahrer. „Wenn wir es schaffen, den Weg zwischen Haustür und Bürotür für Pendler zu vereinfachen und als Dienstleistung anzubieten, können wir für unsere Kunden einen echten Mehrwert schaffen. Das bedeutet weniger Verkehr, eine bessere Umweltbilanz für jeden Einzelnen und die nachhaltige Sicherung der Mobilität für die Menschen“, kommentiert Frank Klingenhöfer, Vorsitzender der Regionalleitung DB Regio Mitte, das Projekt. „Bei diesem Versuch haben wir wichtige Erkenntnisse darüber gewonnen, wie individuelle Mobilitätsangebote abseits des eigenen Pkw für Pendler aussehen könnten und wie wir unsere Züge besser mit anderen Verkehrsmitteln vernetzen.“

Ein Grund für Roche, den Piloten mit der Bahn zu fahren, war das Feedback aus einer Roche-internen Mitarbeiterumfrage zum Thema Mobilität. Sie ergab, dass die Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs bis dato eher als unattraktiv wahrgenommen werden. Bemängelt wurden die lange Dauer, viele Umstiege, unpassende Fahrzeiten und vor allem die fehlende Flexibilität des ÖPNV. 

Auch deshalb nutzen derzeit noch rund 70 Prozent der 8.300 am Standort Mannheim beschäftigten Roche-Mitarbeitenden das Auto für die Fahrt zur Arbeit. Ein zusätzlicher Grund ist die Stadtrandlage des weitläufigen Firmengeländes und dessen Nähe zur Autobahn. Andererseits ist Roche in Mannheim aber auch jetzt schon mit einer Stadtbahnlinie von der Mannheimer Innenstadt aus erreichbar. Doch die Akzeptanz des ÖPNV könnte nun signifikant steigen: „Das vernetzte Angebot war eine tolle Möglichkeit, zumindest für einige Wochen den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Und auch nach dem Piloten haben wir nun mit dem Job-Ticket, das wir seit Juni 2019 nutzen können, die Möglichkeit, das Auto öfter stehen zu lassen“, meint Lorena Mayer, die an dem Test teilnahm.