Global Player aus Mannheim sind Technologieführer beim Thema Automotive
Hightech rund um den fahrbaren Untersatz
von Dr. Gabriele Koch-Weithofer

ABB ist Marktführer im Geschäftsbereich Schnellladesäulen. Foto: ABB

Nicht nur für Autozulieferer ist Mannheim ein gutes Pflaster. Auch zahlreiche weitere Unternehmen der Quadratestadt befassen sich mit Produkten und Dienstleistungen rund um das Thema Automotive und Verkehr – und sind mit zahlreichen Innovationen am Start. Marktführer bei Schnellladesäulen

Mit seinen Robotern punktet ABB bei der Produktion des fahrbaren Untersatzes. Sorgen diese doch dafür, dass Teile des fahrbaren Untersatzes noch schneller und präziser gepresst, geformt, verschweißt, verschraubt, montiert oder lackiert werden können. Doch damit ist das Engagement des schwedisch-schweizerischen Konzerns, dessen Deutschlandzentrale in Mannheim angesiedelt ist, noch längst nicht erschöpft. ABB baut auch Ladesäulen für E-Autos, die zum Beispiel an Raststätten auf deutschen Autobahnen installiert werden. Sie sind über eine Cloud an das Internet angebunden, sodass Kunden auch bargeldlos bezahlen können.

Mit mehr als 10.500 verkauften Schnellladestationen in 73 Ländern ist ABB Marktführer in diesem Segment – und entwickelt die Technologie stetig weiter. Mit der 2019 vorgestellten Terra HP High-Power
Gleichstrom-Ladestation können E-Autos in nur acht Minuten genug Energie für 200 Kilometer Reichweite laden. Ladelösungen für Busse und Schiffe hat der Konzern ebenfalls im Angebot.

Insgesamt hat sich ABB die Aufgabe gestellt, Vorreiter beim Thema Industrie 4.0 zu sein und den digitalen Wandel zu gestalten. 2018 hat allein die deutsche ABB mit Sitz in Mannheim 211 Millionen Euro in die Entwicklung innovativer Produkte, digitaler Lösungen und Dienstleistungen investiert. In Mannheim steht eines von weltweit 15 ABB Ability Collaborative Operations Centern (COC). Dort überwachen und analysieren ABB-Spezialisten Kundendaten per Fern­diagnose und Fernwartung, um Betriebsabläufe vor Ort reibungslos zu gestalten.

Kraftstoff-Alternative für Verbrennungsmotoren

Die Zukunft fest im Blick hat auch der Hersteller von gasmotorischen Energielösungen, Caterpillar Energy Solutions. In der Quadratestadt hat er einen ebenso geschichtsträchtigen wie innovativen Forschungs- und Fertigungsstandort. Unter der traditionsreichen Marke MWM, die auf die 1871 von Carl Benz gegründete Mechanische Werkstätte Mannheim zurückgeht, bietet das Unternehmen heute Gasmotoren und Komplettanlagen zum Beispiel für die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) an. Auch Biogas spielt dabei eine Rolle – ebenso wie mobile Anwendungen. 

So ist Caterpillar seit 2018 am Projekt „reFuels“ beteiligt. Gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erforschen die Mannheimer Kraftstoff-Alternativen für Verbrennungsmotoren. Sie sollen aus dem CO2 biogener Reststoffe und aus erneuerbarem Wasserstoff gewonnen werden – organische Abfälle und Abwässer sowie Nebenprodukte aus der Verarbeitung von Biomasse. Ihr Einsatz würde Ressourcen schonen und bei der Erfüllung von Klimazielen helfen. Untersucht wird auch, wie sich „reFuels“ auf den Schadstoffausstoß, Funktion und Betrieb von Fahrzeugen und Einzel-Komponenten auswirken. Unser Foto zeigt die Pilotanlage „bioliq“ in Karlsruhe.

Smartes Verkehrsmanagement

Mobilitätslösungen sowohl für die Gegenwart als auch für die Zukunft hat
Siemens fest im Blick. Neben der cloudbasierten IoT-Plattform Mindsphere, die Herstellern hilft, Produktionsabläufe zu verbessern, hat der Konzern auch „smarte“ Lösungen für ein intelligentes Verkehrsmanagement im Programm. 

Die Konzerntochter Siemens Mobility entwickelte beispielsweise Ampelschaltungen „on demand“. „Das Überqueren von Kreuzungen wird für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge sicherer, wenn das Signalsystem sie beim Herannahen erkennt und ihnen Vorfahrt gibt“, sagt Stefan Eckert. Er ist bei Siemens Mobility für Süddeutschland zuständig. Das gleiche Prinzip kann auch Fahrradfahrer im „Grüne Welle“-Modus rollen lassen. Mit einer App (Foto) auf dem Handy werden Ort, Richtung und Geschwindigkeit eines Radlers ermittelt. Ein Signal an den Verkehrsrechner der Kommune führt dann zu vorgezogenen oder verlängerten Grünphasen, ähnlich wie man das schon bei Bussen und Bahnen kennt. Derzeit läuft ein Pilotversuch. 

Darüber hinaus steckt in Ampeln jede Menge Stromsparpotenzial, das Siemens mit LED-Technologie heben kann. Statt bis zu 60 Watt verbraucht ein Lichtsignal dann weniger als zwei Watt Leistung. In der Quadratestadt ist der Konzern schon seit über einem Jahrhundert mit einer Niederlassung präsent.

Sensoren sind Multitalente

Sensoren von Pepperl+Fuchs sind aus der Automobilbranche nicht mehr wegzudenken. Weltweit sind sie ein zentraler Baustein für die hohe Automatisierung und Präzision bei der Fahrzeugproduktion.

Doch nicht nur innerhalb von Fertigungslinien trifft man auf Sensorik aus dem Mannheimer Norden. Auch verschiedenste Nutzfahrzeuge, sogenanntes „Mobile Equipment“, werden mit Komponenten von Pepperl+Fuchs bestückt: Die nach industriellen Anforderungen entwickelten Sensoren überprüfen zum Beispiel im Winter an Schneepflügen, ob ausreichend Streugut auf vereisten Straßen ausgebracht wurde. Und in wärmeren Jahreszeiten kontrollieren sie etwa Höhe und Position des Auslegers an Erntemaschinen. Zudem leisten die Sensoren einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit von Baggern und
Kränen, überwachen Neigungswinkel und verhindern ein Kippen der massiven Fahrzeuge.

Ein neues Anwendungsgebiet erschließt Pepperl+Fuchs
 nun mit einem funkbasierten Sensorsystem. Das meldete im Rahmen eines Pilotprojekts in Heidelberg die Füllstände aus Abfallcontainern heraus, um die Fahrtrouten der Entsorgungsfahrzeuge zu optimieren, und sorgte damit für weniger Emissionen und einen verbesserten Verkehrsfluss.

Fotos: KIT, Siemens und Pepperl+Fuchs

Versicherung für Oldtimer

Ein erfahrener Dienstleister in Sachen Automobil ist auch die
Mannheimer Versicherung. Sie bietet nicht nur Versicherungsschutz für „normale“ Pkw, sondern hat zudem ein ganz spezielles Schutzpaket für historische „Schätzchen“ aus Chrom und Stahl im Angebot. BELMOT nennt sich das Produkt für Oldtimer. Eine sogenannte Allgefahren-Versicherung deckt von der geplatzten Batterie über einen gebrochenen Pleuel bis hin zum Motorschaden nahezu alle Gefahren ab, denen ein automobiler Klassiker ausgesetzt ist. Versichert werden können Pkw bis Baujahr 1989 oder Motorräder bis Baujahr 1980. Aber auch für alte Traktoren, originalgetreue Transporter oder Lkw „außer Dienst“ (alle bis Baujahr 1969) kann BELMOT in Anspruch genommen werden. Zusätzliches Bonbon: Auf der Website gibt es jede Menge Tipps zur Pflege von Reifen, Karosserie und Innenleben, zum Einmotten über Winter sowie zur Ersten Hilfe im Notfall, beispielsweise bei einem Kupplungsdefekt (www.belmot.de). Eine Rallye-App hilft beim Manövrieren auf Wertungstouren. Orientierung geben zudem Infos zum Fahrzeugwert und Gutachten.

Unter der Lupe

TÜV Süd zählt mit weltweit über 24.000 Mitarbeitern zu den international führenden Unternehmen für Tests, Inspektion und Zertifizierung. Im Kompetenzzentrum Mannheim hat die Prüforganisation im Oktober 2018 ein neues Labor (Bild) in Betrieb genommen. Rund 400 Mitarbeiter – sehr gut ausgebildete  Experten in ihren jeweiligen Tätigkeitsbereichen – simulieren hier Umwelteinflüsse wie Vibrationen, Stöße, Kälte, Feuchtigkeit oder Salzwasser auf Produkte und Bauteile, die in der Automobilindustrie, im Bahnbereich, in der Luft- und Raumfahrt, in der Schifffahrt oder beim Transport von Produkten mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln eingesetzt werden. Dies stellt sicher, dass sie auch unter extremen Bedingungen funktionieren. Durch die Kombination von verschiedenen Umwelteinflüssen lässt sich zudem der Alterungsprozess von Produkten nachvollziehen, was eine der Standardanforderungen der Automobilindustrie ist. Vorläufer von TÜV Süd war übrigens die Gesellschaft zur Überwachung und Versicherung von Dampfkesseln, die 1866 in Mannheim gegründet wurde.