IHK Rhein-Neckar
„Digital Natives“ machen Karriere
von Fabian Busch

Treiben den Bereich E-Commerce beim Reifen- und Autodienstleister Euromaster in Mannheim voran:
Auszubildende Caroline Metzger, Personalreferentin Leonie Himbiliadis und Ausbilder Bastian Ullrich Foto: Busch

Kauffrau im E-Commerce oder IT-Systemelektroniker: Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar wirbt für neue und überarbeitete Ausbildungsberufe. Denn der Bedarf an Experten rund um die Digitalisierung ist in den Unternehmen der Region groß.

Seit 2018 gibt es den Ausbildungsberuf Kauffrau oder Kaufmann im E-Commerce. Wer ihn erlernt, beschäftigt sich mit Online-Shops, mit digitaler Kommunikation oder der Vermarktung über Soziale Medien. Ein junger Beruf also wie geschaffen für die jungen Menschen von heute, für die Smartphone, Laptop und Instagram ganz selbstverständlich zum Alltag gehören. 

Von Anfang mit dabei sein wollte auch die Deutschland-Zentrale des Reifen- und Auto-Dienstleisters Euromaster in Mannheim. „Wir möchten Vorreiter sein, den Trend mitgehen und mitgestalten“, sagt Leonie Himbiliadis, Personalreferentin der unternehmenseigenen Akademie. Euromaster bietet seine Produkte und Dienstleistungen nicht nur über einen Online-Shop an, sondern optimiert generell permanent Geschäftsprozesse für das Offline-Geschäft. Einen geeigneten Bewerber für den Ausbildungsplatz in dem neuen Beruf zu finden, erwies sich allerdings als schwierig. „Es muss schon ein gewisses Interesse an dem Thema vorhanden sein“, sagt Bastian Ullrich, Onlinemarketing-Manager und Ausbilder bei Euromaster. „Online-Shopping nutzt heutzutage praktisch jeder – aber nur wenigen ist bewusst, was alles dahintersteckt.“ Auch ein gutes mathematisches und logisches Verständnis sei für den Beruf wichtig.

Um verstärkt auf die digitalen Ausbildungsberufe hinzuweisen, hat die IHK Rhein-Neckar 2019 eine Informationskampagne gestartet. Es geht dabei nicht nur um Kaufleute im E-Commerce, sondern auch um die Ausbildungen zu Fachinformatikern, IT-Systemelektronikern, IT-Systemkaufleuten und Informatikkaufleuten. Manche Tätigkeiten sind ganz neu, manche wurden überarbeitet. So wurde das bereits bestehende Berufsbild des IT-Systemelektronikers in den vergangenen Jahren an zeitgemäße Bedingungen und Anforderungen angepasst. Von den derzeit fast 11.000 Auszubildenden, die bei der IHK Rhein-Neckar gemeldet sind, absolvieren derzeit 670 junge Menschen eine Ausbildung in einem dieser Berufe. 

Doch der Bedarf ist noch größer: In den Bereichen Informatik sowie Informations- und Kommunikationstechnologie würden schon heute rund 2.000 Fachkräfte in der Region fehlen, sagte IHK-Präsident Manfred Schnabel bei der Vorstellung der Kampagne. Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen sei daher hoch – und die Beschäftigungschancen gut. „Mit diesen spannenden Berufen bieten wir auch leistungsstarken Jugendlichen und Hochschulzugangsberechtigten hervorragende Chancen in der heutigen Arbeitswelt“, betonte  Schnabel. Zudem will die IHK auch Unternehmen ins Boot holen, die bisher nicht ausgebildet haben – zum Beispiel weil die passenden Berufe dafür fehlten. Für den Ausbildungsgang im E-Commerce etwa kommen eigentlich alle Firmen in Frage, die ihre Produkte oder Dienstleistungen online vertreiben. Fachinformatiker mit den möglichen Spezialisierungen Anwendungsentwicklung und Systemintegration sind wiederum überall dort gefragt, wo IT-Systeme geplant, eingerichtet, konfiguriert und wo Fehler behoben werden müssen. 

Die Berufsbilder und die Tätigkeiten müssten bekannter gemacht werden, ist IHK-Präsident Schnabel überzeugt. In den Sozialen Medien wie Facebook und Instagram wirbt die IHK deshalb für die digitalen Ausbildungsgänge. Auf der Internetseite www.findedeineausbildung.de können sich Interessierte zudem genauer über Inhalte und Bedingungen informieren. Auch auf Plakaten an öffentlichen Orten, in Bussen und Bahnen sollen junge Menschen auf die Angebote stoßen. 

Euromaster ist nach einigem Suchen 2018 noch fündig geworden: Caroline Metzger absolviert dort nun die Ausbildung zur Kauffrau im E-Commerce. Die 20-Jährige hatte sich auf einer Ausbildungsmesse informiert – und wurde dort auf das Angebot aufmerksam. „Ich fand den Beruf interessant, weil er zukunftsorientiert ist“, erklärt sie. 

Drei Jahre dauert die Ausbildung. Wie „pflegt“ man einen Online-Shop? Welche Kennzahlen sind in dem Bereich wichtig? Wie geht die Konkurrenz vor? Dies sind Fragen, mit denen sich Caroline Metzger bisher bereits beschäftigt hat. Die jungen Kaufleute sollen Werbemaßnahmen nicht nur umsetzen, sondern auch analysieren und vergleichen können. Themen wie Datenschutz, Bezahlsysteme und Statistik stehen ebenfalls auf dem Rahmenlehrplan. Bastian Ullrich ist es wichtig, dass seine Auszubildende hin und wieder die Möglichkeit erhält, eigene kleine Projekte zu entwickeln und umzusetzen: „So lernt man am besten.“

Wie bei jeder dualen Ausbildung wechseln sich die Phasen im Unternehmen mit dem Unterricht in der Berufsschule ab – für die Ausbildung zu Kauffrau und Kaufmann im E-Commerce ist das derzeit die Carl-Theodor-Schule in Schwetzingen. Einen Mehrwert hat die Ausbildung nicht nur für die jungen Menschen, die damit die Mechanismen einer immer stärker digitalisierten Wirtschaft kennenlernen, sondern auch für ihre Arbeitgeber: „Wir ermutigen unsere Auszubildenden, ihr Wissen aus der Schule bei uns in der Praxis anzuwenden“, erklärt Leonie Himbiliadis. Davon profitiere schließlich auch das Unternehmen.