
Daniela Kahlert ist seit Mai 2023 Geschäftsführerin der Roche Diagnostics Deutschland GmbH in Mannheim. „Mannheim – Stadt im Quadrat“ fragte nach, wie sie die Perspektiven für die Diagnostiksparte beurteilt und welche Rolle Mannheim für innovative Lösungen wie die Massenspektrometrie spielt.
Frau Kahlert, Roche hat gerade die Massenspektrometrie im Großlabor in das Portfolio aufgenommen. Welches sind die wichtigsten Märkte für die Mass Spec-Lösung und welches Wachstum erwarten Sie in diesem Bereich?
Daniela Kahlert: Die für uns wichtigsten Kundengruppen sind ganz klar medizinische Diagnostik-Labore. Und hier sowohl Privatlabore als auch Labore in Unikliniken und großen Krankenhäusern. Das Wachstum in diesem Bereich wird durch die steigende Nachfrage nach präzisen und schnellen Analysemethoden für komplexe Proben angetrieben. Massenspektrometrie gilt bereits als Goldstandard bei der Analyse von Immunsuppressiva bei Patienten nach einer Transplantation. Aber auch andere komplexe Analyten wie zum Beispiel Antibiotika und Steroide lassen sich mit der Massenspektrometrie besonders präzise messen.
Welche Rolle spielt der Standort Mannheim beim Thema Massenspektrometrie und beim Thema Diagnostik insgesamt?
Kahlert: Wir sind ein sehr großes Unternehmen mit vielen Standorten in Deutschland und greifen jeweils auf die unterschiedlichen Expertisen zurück – das macht die Betrachtung etwas komplexer: Die technische Systementwicklung für die Massenspektrometrie erfolgte an mehreren Standorten von Roche, insbesondere am Standort Penzberg. Hier werden auch die diagnostischen Tests und die dafür notwendigen diagnostischen Einsatzstoffe entwickelt.
Auch Kontrollsubstanzen, um die Messwerte mit vorgegebenen Standardbedingungen zu vergleichen, werden in Penzberg hergestellt und abgefüllt. Anschließend kommen sie für die Etikettierung und Verpackung nach Mannheim, wo die Reagenzien zu System-Packs zusammengestellt werden. Hier laufen also alle Prozessschritte zusammen. Die Qualitätskontrolle und die Standardisierung werden ebenfalls hier abgewickelt.
Wir sind sehr stolz darauf, dass wir Teams in Mannheim und Penzberg haben, die Hand in Hand arbeiten und Prozesse auch neu etablieren, um neuen Anforderungen gerecht zu werden. Dass wir unseren Laboren nun ein so ausgefeiltes System anbieten können, verdanken wir allen Beteiligten an diesen zentralen Stellen.
Welche Bedeutung hat die Diagnostik-Sparte für den Konzern mit Blick auf Umsatz und Zukunftsperspektiven?
Kahlert: Die Diagnostik-Sparte ist für Roche von hoher Bedeutung, sowohl was den Umsatz als auch Zukunftsperspektiven angeht. Diagnostik ermöglicht es, Krankheiten frühzeitig und präzise zu erkennen, was zu einer besseren Versorgung führt. Das ist ein Wachstumsbereich, der weiterhin durch Innovationen und neue Technologien getrieben wird.
Allein in Deutschland erreichte die Diagnostik-Sparte von Roche 2024 einen starken Gesamtumsatz von 812 Millionen Euro und im Bereich unserer Blutzuckerlösungen einen Umsatz von 105 Millionen Euro; im Pharma-Bereich lag der Umsatz 2024 bei 2,1 Milliarden Euro. Wir sehen also deutlich, welchen Stellenwert die Diagnostik hat und auch in Zukunft haben wird.
Welche Projekte stehen hier neben dem Thema Massenspektrometrie derzeit im Fokus?
Kahlert: Neben der Massenspektrometrie haben wir nun auch unsere Lösung für die kontinuierliche Glukosemessung auf den Markt gebracht. Die neue Accu-Chek SmartGuide-Lösung zur kontinuierlichen Glukosemessung spielt insbesondere eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Strategie des integrierten personalisierten Diabetes-Managements, die wir im Konzern verfolgen. Unser System hebt sich durch innovative Vorhersagen der Glukosewerte von vergleichbaren Systemen auf dem Markt ab und hilft so Patientinnen und Patienten mit Diabetes in ihrem Alltag.
2026 werden wir darüber hinaus eine völlig neue, revolutionäre Technologie zur Gensequenzierung auf den Markt bringen. Außerdem erweitern wir kontinuierlich unser Test-Portfolio. Wir sehen zudem eine hohe Belastung in der Bevölkerung an Demenzerkrankungen. Viele Pharmafirmen forschen daran, neue, bessere Therapien zu entwickeln. Wir begleiten das mit der Entwicklung neuer Biomarker in der Neurologie, um zielgenau und vor allem frühzeitig Erkrankungen oder Veränderungen diagnostizieren zu können.
Welche Rolle spielt Innovation generell für Roche?
Kahlert: Roche ist ein auf die Entdeckung neuer Medikamente, Diagnostika und digitaler Gesundheitslösungen fokussiertes Unternehmen. Innovation ist für uns der entscheidende Motor für wissenschaftlichen Fortschritt, die Entwicklung neuer Medikamente und Diagnostika sowie für die Gestaltung der Zukunft des Gesundheitswesens. Durch kontinuierliche Investitionen in Forschung und Entwicklung werden fortschrittliche Technologien und Lösungen geschaffen, die den medizinischen Fortschritt vorantreiben und die Patientenversorgung verbessern.
Das Interview führte Gabriele Koch-Weithofer.
